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Uni Köln: Schüler lernen das Lernen

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Tobias Ebbinghaus (links) und Jan-Philip Rieken bringen Sechstklässlern der Realschule Lechenich Lernstrategien bei.  Foto: Angela Sommersberg
Wenn Lehramtsstudenten das erste Mal vor einer Klasse stehen, sind sie häufig ganz schön aufgeschmissen. Erste Praxiserfahrungen mit Kleingruppen können sie in einer Realschule sammeln - und fahren dafür wöchentlich nach Erftstadt.  Von
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Erftstadt-Lechenich

Vorne auf der Tafel stehen Verben. Gehen, sagen, berühren. Hinten im Klassenzimmer warten vier Sechstklässler. Auf Kommando von Jan-Philip Rieken und Tobias Ebbinghaus rasen sie zur Tafel. Wer zuerst da ist, darf aus den Verben ein Substantiv machen. Das Gehen, das Gesagte, die Berührung. „Die Schüler sind total heiß auf Bewegung, die haben ja schon einen ganzen Schultag hinter sich“, sagt Ebbinghaus. Gemeinsam mit seinem Studienkollegen Rieken betreut der 21-Jährige eine von drei Fördergruppen an der Realschule Lechenich.

Ins Leben gerufen hat das Projekt Doktor Iris Flagmeier, Bio- und Chemie-Lehrerin an der Realschule und Dozentin an der Kölner Universität. Im Seminar „Lernstrategien“ lernen Lehramtsstudenten, wie man Schülern das Lernen beibringt. Freitagmittags fahren sie dann mit Bahn und Bus nach Lechenich, um ihr theoretisches Wissen bei den Schülern anzuwenden.

Besser organisieren

„Ich hatte Probleme mit der Groß- und Kleinschreibung“, sagt der zwölfjährige Dominik, „aber jetzt habe ich mich verbessert und kann öfter aufzeigen.“ Insgesamt gibt es drei Fördergruppen – für Deutsch, Englisch und Mathe – der Schwerpunkt liegt jedoch auf dem strukturierten Lernen. Zurzeit betreuen sieben Studenten zwölf Schüler.

Die Sechstklässler haben teilweise Probleme, den Stoff zu verstehen, oft können sie sich aber auch einfach nicht organisieren. Dass sie aber genau das von den Studenten lernen, ist ihnen oft gar nicht bewusst. Milena etwa konnte sich mit Hilfe eines Vokabelkastens im Test von einer fünf auf eine eins verbessern. „Teilweise verbessern die Schüler sich in den Arbeiten um zwei Noten“, sagt Flagmann. „Wichtig ist aber auch, dass sie durch das Projekt mehr Selbstsicherheit gewinnen.“

Nicht immer funktioniert es so einwandfrei. Schon zum zweiten Mal hat Mario Laarmann in seiner Englisch-Gruppe versucht, den Schülern eine Lernmethode beizubringen, in der sie zunächst ein Thema einzeln und dann in Paaren erarbeiten, um das Ganze später der Gruppe vorzustellen. „Beim ersten Mal hat es gar nicht funktioniert, diesmal war es schon besser“, sagt er. Genau wie die anderen Studenten ist er froh, in Lechenich Praxiserfahrung sammeln zu können. „Es ist super, dass wir zunächst mit einer kleinen Gruppe arbeiten und so sicherer werden“, sagt Rieken. Vor seinen Kommilitonen hat er schon so von dem Projekt geschwärmt, dass diese sich für das kommende Semester anmelden wollen.

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