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Waldorfschule Erftstadt: Elf Fälle von Masern bestätigt

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Ein Impfbuch liegt auf einem Merkzettel des Gesundheitsamtes zum Thema Masern. Foto: dpa
Elf Fälle von Masern im Rhein-Erft-Kreis, im Kreis Düren und im Kreis Euskirchen wurden bereits bestätigt. Die Waldorfschule stellte den Unterrichtsbetrieb ein. Auch Schüler aus Köln könnten infiziert sein.  Von
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Nach den bekanntgewordenen Fällen von Masern-Erkrankungen von Schüler der Freien Waldorfschule in Erftstadt scheinen sich die Befürchtungen von weiteren Fällen zu bestätigen. Dem Leiter des Kreisgesundheitsamtes, Dr. Franz-Josef Schuba, waren am Mittwoch vier bestätigte Fälle und ein Verdachtsfall gemeldet worden. Am Donnerstagmorgen kamen zwei weitere Fälle hinzu. Am Nachmittag waren es bereits elf Masernfälle. Fünf der Betroffenen wohnen im Kreis Düren, zwei im Kreis Euskirchen, zwei weitere kommen aus Erftstadt und einer aus Kerpen. Schuba: „Aufgrund der Kreuzwege können noch mehr dazukommen.“ Möglicherweise breitet sich eine Epidemie aus. Nicht auszuschließen sei, dass auch Schüler aus Köln bereits mit dem Virus infiziert sind, hieß es am Morgen in der Kreisverwaltung. Bestätigte Fälle gebe es derzeit aber nicht.

Zahl der Masern-Infektionen steigt

Derzeit ist die Krankheit offenbar wieder auf dem Vormarsch: Während im vergangenen Jahr bundesweit 166 Fälle gezählt wurden, gab es bis zum 30. Juni 2013 nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bereits 1.070 bestätigte Fälle. Etwa 800 bis 900 davon wurden allein in Berlin und in Bayern festgestellt. Auch die Quelle der aktuellen Infektion in Erftstadt liegt in München. (rem)

Die Schule hat den Unterrichtsbetrieb bis auf Weiteres eingestellt, nachdem am Mittwoch nur etwa 100 der insgesamt 400 Schüler einen Impfschutz nachweisen konnten. „Natürlich weisen wir die Eltern angesichts der aktuellen Infektionen auf die Möglichkeit des Impfens hin“, sagt Matthias Nantke, Geschäftsführer der Waldorfschule: „Aber wir geben dazu keine Empfehlung ab.“

Die Haltung der Schule sei es, dass alle, die sich impfen lassen wollen, sich vorher informieren sollten und anschließend selber entscheiden müssten. „Möglicherweise gehen unsere Eltern mit dem Impfen auch anders um“, erklärt der Schulleiter, angesprochen auf die vergleichsweise geringe Impfquote.

Allem Anschein nach hatte sich eine Familie aus Vettweiß, deren Kinder die Waldorfschule in Erftstadt besuchen, bei einem Aufenthalt in München angesteckt. Dort gibt es seit Wochen eine Masern-Epidemie.

95 Prozent geimpft

Masern sind eine schnell ansteckende Krankheit, sofern kein Impfschutz besteht. Sie ist meldepflichtig. Wer daran erkrankt, soll sich in ärztliche Behandlung geben und 14 Tage das Haus nicht verlassen. Im Rhein-Erft-Kreis leben etwa 50 000 schulpflichtige Kinder und Jugendliche, von denen etwa 95 Prozent gegen Masern geimpft sind. 2007 hatte das Kreisgesundheitsamt eine große Impfaktion gestartet.
„Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, sind nicht einfach nur irre. Sie haben sich zumeist sehr intensiv mit den Risiken beschäftigt und sich dann gegen einen Impfschutz entschieden“, sagt Dr. Werner Dick, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland.

Diese sehr individuelle Entscheidung müsse jeder selbst treffen dürfen, sagte der Mediziner, der im bayerischen Röthenbach-Pegnitz praktiziert. Häufig würden die Menschen mit ihren Ängsten vor Impfungen gar nicht ernst genommen.

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