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Zur Philosophie des Dialekts: Keine letzten Wahrheiten

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Hanjo Schiefer hat sein Erstlingswerk „em leeven J“ genannt. Es geht um den Buchstaben, nicht um den lieben „Jott“. Foto: Udo Beissel
Wie "Platt" geschrieben wird? Am besten so, dass man's versteht. Zumal die Dialekte sogar von Dorf zu Dorf stark variieren können. Jeder, der seine Version als letzte Wahrheit verkündet, hat verloren. Ein Kommentar.  Von
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Jede Jeck es anders. Das versteht jeder im ripuarisch-rheinischen Sprachraum. Aber ist es auch richtig geschrieben? Im vollen Bewusstsein meiner Ignoranz sage ich: Für mich persönlich ist das uninteressant. In meinem Eifeler Heimatdorf und in der Familie meines Vaters (meine Mutter stammte aus Köln und sprach hochdeutsch) wurde "Platt" gesprochen, alles kein Problem.

Auf dem Gymnasium, nach mehreren Auslandsaufenthalten im Schüleraustausch und dem späteren Studium war ich durchaus in der Lage, mich "polyglott" schriftlich und mündlich zu äußern.

Am besten so, dass man's versteht

Wie "Platt" geschrieben wird? Am besten so, dass man's versteht. Deshalb halte ich den "Glaubenskrieg" Schiefer gegen Kölsch-Akademie eher für eine sportliche Disziplin (l'art pour l'art).

Mein alter Kollege Manfred Lang aus Mechernich-Bleibuir veröffentlicht seit vielen Jahren im "Kölner Stadt-Anzeiger", Ausgabe Euskirchen/Eifel, eine Kolumne: "Platt öss prima", mittlerweile auch als Buch erschienen. Je nachdem, in welchem Teil der Eifel der Autor unterwegs ist, ist die Sprache anders, und entsprechend wird auch anders geschrieben.

In Hellenthal klingt Platt ganz anders als in Bleibuir, in der Mutscheid anders als in Dreiborn. Als Kommerner bin ich eher gen Köln orientiert, aber dennoch ist unser Platt nicht mit Kölsch zu verwechseln.

Unterschiede zwischen Dörfern

Sogar zwischen benachbarten Dörfern gibt es zuweilen gravierende Unterschiede. Und dann erst die von der Oberahr! Wir reden von Blankenheim und Umgebung, hier geht's ins Moselfränkische. Jedaach, jesaat, jemaat, heißt es in Kommern! An der Oberahr jedoch: Gesäch, jedäch, jemäch!

Jeder, der das aufschreiben will und seine Version als letzte Wahrheit verkündet, hat verloren. Verdienstvoll die, die es phonetisch zu notieren wagen. Kein Zweifel, ich bin aus der Eifel.

Und ob im Kölschen "g" oder "j" richtiger sind, ist mir ziemlich "ejal".

Wolfgang.Rau@mds.de

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