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Aphrodisische Lebensmitteln: Gefundenes Fressen für Verführer

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Annette Hartmann ist nicht nur bewandert in Sachen literarischer Geschmacksreisen, sondern auch Expertin für kulinarische Verführungen. Foto: Dagmar Grömping
Weltweit und zu allen Zeiten haben Menschen nach aphrodisischen Lebensmitteln gesucht. Die Kirchheimer Expertin Annette Hartmann bietet Interessierten eine kleine Geschmacksreise durch Küchen und Kulturen an.  Von
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Euskirchen-Kirchheim

Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Während die einen bei diesem Spruch Schmetterlinge spüren, die das wohlige Kribbeln im Bauch verursachen, läuft anderen das Wasser im Mund zusammen.

Der Gedanke an ein romantisches Dinner für zwei als verführerischer Einstieg in ein leidenschaftliches Liebesabenteuer sorgt nicht nur für erhöhten Speichelfluss, sondern lässt Herzen höher schlagen. Nur welches Menü ist für ein solches Date das richtige? Gibt es wirklich Lebensmittel, die die Lust steigern können? Oder hilft letztlich doch nur der Zaubertrank aus dem Hexenkessel

Erfolgversprechende Rezepte

„Weltweit und zu allen Zeiten suchten Menschen nach aphrodisischen Lebensmitteln und jede Kultur hat ihre eigenen erfolgversprechenden Rezepte“, erklärt dazu Annette Hartmann. Seit 2002 organisiert die Kirchheimerin mit ihrem Unternehmen „eßkultur“ literarische Geschmacksreisen durch Küchen und Kulturen.

Spargel, Sellerie und Erdbeeren zählen zu den aphrodisischen Lebensmitteln, denen eine Steigerung der Lust zugeschrieben wird.  Foto: Dagmar Grömping

Dabei legt sie nicht nur besonderen Wert darauf, im kulturellen Kontext Geschichte und Herkunft der Nahrungsmittel zu vermitteln, sondern Essen auch gesund und lustvoll zu servieren. „Zu Shakespeares Zeiten galt die Kartoffel als besonders anregend“, weiß die 51-Jährige zu berichten.

Die gute Knolle gelangte damals zu diesem außerordentlichen Ruf, da nahezu allen Lebensmitteln, die rar oder teuer waren, eine Luststeigerung nachgesagt wurde.
„Dass der Kartoffel sehr lange besondere Kräfte angedichtet wurden, lag an dem enormen Bevölkerungszuwachs, den man in den Kartoffelländern England, Irland und Deutschland im 19. Jahrhundert mit ihr in Verbindung brachte“, erläutert Hartmann den Mythos um die Erdäpfel.

Dass der Kartoffel sehr lange besondere Kräfte angedichtet wurden, lag an dem enormen Bevölkerungszuwachs, den man in den Kartoffelländern England, Irland und Deutschland im 19. Jahrhundert mit der Knolle in Verbindung brachte. Foto: Dagmar Grömping

Als Giacomo Girolamo Casanova einst hinter jedem Rock her war, galt Eis als besonders anregendes Mittel, denn im 18. Jahrhundert gehörte es zu den seltenen und kostbaren Sinnesfreuden. Über den legendären Herzensbrecher wird zudem berichtet, dass er eine große Anzahl Austern in Nächten verspeiste, in denen er viele Damen verführen wollte.

Die stimulierende Wirkung wird der Muschelart aufgrund ihres hohen Zinkgehalts nachgesagt. Aber auch die Art und Weise, wie die Delikatesse aus ihrer harten Schale in den Mund gleitet, kann als anregender Effekt sicher nicht außer Acht gelassen werden.

„Hoden der Erde“

Als „Hoden der Erde“ bezeichnet werden die Trüffeln. Schon die Römer glaubten, dass nicht nur das weibliche Schwein bei seiner Suche nach dem unterirdisch wachsenden Pilz durch den intensiven Geruch und Geschmack betört wird. Allerdings streiten sich bis heute die Gelehrten, ob der Duft, der die Sau an die sexuellen Lockstoffe des Ebers erinnert, tatsächlich das menschliche Liebesleben auf Trab bringen kann.

„Safran enthält ein ätherisches Öl, das psychoaktiv und erregend wirkt und angeblich lange, eigentümliche Orgasmusgefühle bereiten soll“
Annette Hartmann

Letztlich verleihen die Trüffeln als kostbare Delikatesse garantiert jedem Essen eine verführerische Note. Eine echte Rarität ist auch der Safran, der aufgrund der aufwendigen Ernte zu den teuersten Gewürzen der Welt zählt. Nur die süß-aromatisch duftenden Stempelfäden der Krokus-Art werden als Zutat verwendet.

„Safran enthält ein ätherisches Öl, das psychoaktiv und erregend wirkt und angeblich lange, eigentümliche Orgasmusgefühle bereiten soll“, verrät Hartmann und ermahnt Experimentierfreudige dringend, die Blütenbestandteile vorsichtig zu dosieren. Denn: „Zuviel davon kann toxisch sein.“


„Die meisten Aphrodisiaka werden dem männlichen Geschlecht zugedacht“, fährt die Expertin kulinarischer Verführungen mit ihren Erläuterungen fort und lässt keinen Zweifel daran, dass bei Spargel oder Stangensellerie sicher auch die längliche Form der Gemüsearten diese Theorie beeinflusst.

Dabei steckt gerade im Stangensellerie mehr, als die unscheinbare Pflanze vermuten lässt. „Der Sellerie stimuliert nachweislich die Hirnanhangdrüse, die Sexualhormone im Körper freisetzt“, sagt Hartmann. Damit ist das Korbblütler-Gewächs eine der wenigen Zutaten, die wissenschaftlichen Erkenntnissen nach als Liebesspeise erotisierende Empfindungen entfachen kann.

Schokolade gilt dank des Botenstoffs Phenylethylamin als Seelentröster und gehört zu den süßen Verführungen, die die „Lust auf mehr“ in vielerlei Hinsicht wecken. Foto: Dagmar Grömping

Allgemein bekannt als Aphrodisiakum ist Spargel, denn er ist leicht und macht nicht müde. „Von Asien bis Südeuropa wächst er wild in den Wäldern. Also ein gefundenes Fressen für alle Verführer“, verspricht Hartmann und verweist auf die richtige Technik beim Verzehr: „Vergessen Sie Messer und Gabel! Essen Sie Spargel mit den Fingern.

Dazu nehmen Sie einen schönen dicken Spargel an seinem holzigen Ende zwischen Zeigefinger und Daumen, führen ihn, unterstützt durch ein Stück Brot in der anderen Hand, bedächtig zum Mund und schlürfen ihn langsam und genüsslich von der Spitze weg. Blicken Sie dabei ihrem Gegenüber tief in die Augen. Und senken Sie den Blick nur dann, wenn Sie das letzte Stück, das nur als Griff dient, an den Tellerrand legen.“

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Erdbeeren und Schokolade gehören zu den süßen Verführungen, die die „Lust auf mehr“ in vielerlei Hinsicht wecken. Sollten zum krönenden Abschluss allerdings weder die erotischen Kochkünste noch das verführerische Dessert das Gegenüber aus der Reserve locken, bleibt die Hoffnung, dass Schokolade dank des Botenstoffs Phenylethylamin zumindest glücklich macht.

Ist die Seele auf diese Weise getröstet, überzeugt am Ende vielleicht nicht das Essen, sondern betörender Charme mit einer ordentlichen Prise Fröhlichkeit.

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