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Rettungsdienst: 300 Retter trainieren in Euskirchen

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Foto: Tim Nolden
Insgesamt 300 Einsatzkräfte von Rettungsdienst, Polizei, Feuerwehr und THW haben bei einer Großübung in Euskirchen ihr Können bewiesen. Etwa 100 vermeintlich Verletzte mussten versorgt werden. Die Teilnehmer brauchten eiserne Nerven.  Von
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Konzentriert beobachtete Kreisbrandmeister Udo Crespin am Samstag das Geschehen in der Freiherr-von-Gersdorff-Kaserne, wo 100 verletzte Menschen lagen. Manche in den Garagen, halb verborgen unter Paletten. Einige rührten sich nicht, andere torkelten über den Platz und schrien verzweifelt um Hilfe. Ein großer Teil der Verletzten waren Jugendliche. Ein Horrorszenario spielte sich vor den Augen des Kreisbrandmeisters ab.

Allerdings war die Situation nicht real, die Verletzten sind Schauspieler aus der Jugendfeuerwehr, dem Jugendrotkreuz und dem St.-Michael-Gymnasium. Ihre vermeintlichen Verletzungen bestanden aus Schminke und Kunstblut.

Crespin beobachtete vor allem die Arbeit der Rettungskräfte. Darunter befanden sich Schüler der Aachener Malteserschule ebenso wie Rettungsdienstler, Polizisten, Feuerwehrmänner und Mitarbeiter des Technisches Hilfswerks (THW) aus dem Kreis Euskirchen. Insgesamt waren gut 300 Kräfte vor Ort. Das Szenario wurde geschaffen, damit die Einsatzkräfte üben können, wie man in so einem Fall arbeitet. MANV (Massenanfall von Verletzten) wird so ein Unglück genannt. Dabei gibt es mehrere Stufen.

Am Sonntag fand eine Großübung mit 32 Schwerstverletzten statt, ein MANV Stufe 4. Glücklicherweise kommt das im Kreisgebiet recht selten vor – zum letzten Mal bei dem Busunglück mit dänischen Schülern 2004. Damit die Kräfte im Ernstfall gewappnet sind, müssen die Strukturen, die bei einer Großschadenslage greifen sollen, regelmäßig trainiert werden.

Für den Außenstehenden wirkten die Vorgänge befremdlich. Die Rettungssanitäter eilten den Schreienden nicht sofort zur Hilfe, sondern liefen den Unfallort ab, erkundeten die Lage und sondierten die Verletzten.

Farbige Markierungen

Martin Fehrmann, der stellvertretende Leiter der Rettungsleitstelle, konnte das erklären: „Wer am lautesten schreit ist nicht derjenige, der am schlimmsten verletzt ist.“ Die Rettungskräfte aber müssten sicherstellen, dass die Schwerstverletzten schnellstmöglich Hilfe bekommen. „In Köln würde man einfach 25 Rettungswagen zu so einem Unfall schicken, weil es die dort in der Dichte gibt“, so Udo Crespin. Im Flächenkreis Euskirchen dauert es länger, bis alle Krankenwagen vor Ort sind. Deshalb ist es wichtig, dass zuerst diejenigen betreut werden, deren Leben in Gefahr ist.

Nach einer ersten Sichtung wurde jedem Verletzten eine Karte umgehängt, in der farbig markiert ist, wie dringend er Hilfe benötigte. Danach wurden die Betroffenen einer nach dem anderen zur Patientenablage gebracht, wo Notärzte die vorher getroffene Einschätzung nochmals überprüfen.

Für diese Arbeit brauchen die Rettungskräfte eiserne Nerven. Zwar kann man bei einer Übung sorglos abwinken, wenn sich einer der Darsteller in seine Rolle hineinsteigert und schreiend am Rettungsdienstler zerrt. Im Realfall allerdings sieht das anders aus.

Dass sie diesem Stress gewachsen sind, haben die Rettungskräfte im Kreisgebiet schon mehrfach bewiesen. Als jüngstes Beispiel führte Crespin den Busunfall auf der B 266 im November 2012 an.
Für die teilnehmenden Rettungskräfte fanden am Samstag in den Stunden vor der Übung mehrere Ausbildungsworkshops zu Themen wie Logistik, Einsatzleitung oder Dekontamination statt.

Zum Abschluss der Übung wurden Udo Crespin und Dr. Gisela Neff, die ärztliche Leiterin des Rettungsdienstes im Kreis, vom Diözesangeschäftsführer der Aachener Malteser für ihre Verdienste und die langjährige positive Zusammenarbeit ausgezeichnet.

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