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Spitzenkandidatin: Grüne aus dem Käfig befreit

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Mit diesem Käfig wollten die Grünen des Kreisverbandes die Zustände in der Massentierhaltung verdeutlichen. Lange hielten es die Freiwilligen allerdings nicht in dem engen Quartier aus.  Foto: Petra Grebe
Zur Wahlkampferöffnung hatte der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen die Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt eingeladen. Mit einer Installation auf dem Alten Markt machten die Grünen ihre Meinung zur Massentierhaltung deutlich.  Von
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Euskirchen

Der Bundestagswahlkampf hat begonnen, jedenfalls für Bündnis 90/Die Grünen im Kreis Euskirchen. Am Samstag hatte der Kreisverband auf dem Alten Markt einen Stand aufgebaut, um sich dort den Fragen der Bürger zu stellen. Für die Wahlkampferöffnung hatte man sich prominente Unterstützung geholt. Die Spitzenkandidatin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, hatte ihr Kommen zugesagt und mischte sich unter ihre Parteifreunde.

Das Thema Massentierhaltung stand an diesem Tag im Mittelpunkt, denn auch im Kreis Euskirchen gibt es inzwischen einige geplante Großanlagen für die Zucht von Legehennen und Puten. Dazu hatten die Grünen eine kleine Installation aufgebaut, um zu verdeutlichen, wie eng es für die Tiere in derartigen Großbetrieben ist. Es war ein kleiner Käfig, in dem dicht gedrängt etwa acht Menschen Platz fanden. Doch auf dieser Fläche werden in der Massentierhaltung ungleich mehr Tiere gehalten.

Eigene Hühner mitgebracht

Auf einen halben Quadratmeter kommen zehn bis zwölf Hennen. Zur Verdeutlichung hatte Sprecherin Nathalie Konias vier ihrer eigenen Hühner mitgebracht, die an diesem Tag ausnahmsweise mit einem halben Quadratmeter auskommen mussten. Viele Bürger seien sehr interessiert gewesen und gezielt gekommen, um sich zu informieren, meinte Konias. Ihre Aufgabe sehe ihre Partei darin, den Denkprozess bei den Menschen zu verändern und das Bewusstsein zu schärfen.

Katrin Göring-Eckhart
Prominenter Besuch: Die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt sprach in Euskirchen mit den Bürgern.
Foto: Petra Grebe

Volker Hoffmann, der „Vater des Nationalparks Eifel“, hatte sich für die Aktion in ein flauschiges Hähnchenkostüm gekleidet und verteilte in der Fußgängerzone mit einigen seiner Parteikollegen grün gefärbte Bio-Eier und Flyer zum Thema Massentierhaltung.

Alle, mit denen er gesprochen habe, seien zu 100 Prozent gegen die Massentierhaltung gewesen, sagte Hoffmann und stellte die Frage in den Raum, wo denn die Kirchen bei dem Thema seien. Er wünschte sich von dieser Seite mehr Unterstützung.

Auch der Direktkandidat der Kreisverbände Euskirchen und Rhein-Erft für den Bundestag, Jörg Kutzer, war vor Ort. Als Arzt konnte er viele Fragen zu multiresistenten Keimen und Antibiotikaeinsatz in der Massentierhaltung beantworten. „Wir essen zu viel Fleisch, alle zusammen,“ meinte Kutzer und nahm sich selber davon nicht aus. Die EU gehe aber den falschen Weg, da Großbetriebe gefördert würden und kleine Betriebe auf der Strecke blieben, sagte der Grüne.

Anreize für kleine Betriebe

Es müssten Anreize geschaffen werden, dass auch wieder kleine Betriebe entstehen, meinte er. Wenn jeder weniger Fleisch konsumieren würde, könnte der Bedarf auch ohne Massentierhaltung gedeckt werden.

Freudig begrüßt wurde dann auch die Spitzenkandidatin der Bundespartei, Katrin Göring- Eckardt. Seit der Urwahl sei die Partei schon im Wahlkampf, meinte sie und hob einige der Themen hervor, die den Grünen in den nächsten Wochen besonders am Herzen liegen. Dazu zählt auch die Energiefrage.

Die Strompreisbremse sei ein Ausbaustopp der regenerativen Energien, erklärte die Spitzen-Grüne. „Was Altmaier und Rösler gemacht haben, ist Arbeitsplatzvernichtung“, sagte sie und hob hervor, dass die Grünen auf 100 Prozent erneuerbare Energien setzten und damit Arbeitsplätze schaffen würden.

Die soziale Gerechtigkeit in der Gesellschaft war ihr ein weiteres Anliegen. Sie forderte Bildungsgerechtigkeit für alle. „Der Quatsch mit dem Betreuungsgeld sollte aufhören“, so die Bundespolitikerin. Man solle dieses Geld lieber für gute Kindertagesstätten ausgeben. Katrin Göring-Eckardt ging auch auf das Thema Massentierhaltung ein. Zunächst „befreite“ sie die Freiwilligen, die sich in den Käfig gestellt hatten.

Abschreckende Fotos

Eine Änderung der Bundesbauordnung würde schon reichen, um die Massenbetriebe zu verhindern, sagte sie. Schon mehrfach hätten die Grünen eine Änderung im Bundestag beantragt – bisher allerdings ohne Erfolg. „Solche Haltungsbedingungen wollen wir nicht“, betonte Göring-Eckardt. Die Bürger konnten sich anhand vieler abschreckender Fotos ein Bild von den Lebensbedingungen der Tiere machen.

Harry Großwendt vom Ortsverein Mechernich freute sich über den hohen Besuch. „Es ist wichtig, dass auch die Bundespolitik vor Ort Rede und Antwort steht“, sagte er. Etliche Bürger nutzten dann auch die Gelegenheit, persönlich mit der Spitzenkandidatin ins Gespräch zu kommen, die geduldig und mit großem Interesse auf alle Fragen einging.

Helene Kürten aus Weilerswist etwa zeigte sich nach ihrem Gespräch ganz angetan von der Bundespolitikerin. Die Grünen seien nicht so abgehoben, sondern ganz volksnah, meinte sie. Mit einigen ihrer Parteifreunde zog Katrin Göring- Eckardt dann noch durch die Innenstadt, um sich den Fragen der Bürger zu stellen und mit den Bio-Eiern einen kleinen Ostergruß zu verteilen.

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