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Theater : Eine Gala-Nacht der Travestie

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Schrill, frech und frivol entzündeten die „Schmetterlinge aus dem Garten der Lüste“ ein Feuerwerk der Travestie. Foto: Claudia Hoffmann
Mit Wonne zündeten die sechs Akteure ein schillerndes Feuerwerk der Verwandlungskunst. Schrill, frech und frivol ließen Rainer, Larissa, Mario, Dominique & Co. zweieinhalb Stunden die Geschlechtergrenzen zerfließen.  Von
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ON CLAUDIA HOFFMANN
Euskirchen. Es funkelte und glitzerte famos von der Bühne des Euskirchener Stadttheaters; mit Glamour, Strass und Flitter wurde bei der „Gala-Nacht der Travestie“ am Freitagabend wahrlich nicht gespart. „Lassen Sie sich verwöhnen von einer außergewöhnlichen Show der Verruchtheit“, hatte die Stimme aus dem Off verheißungsvoll angekündigt.
Mit Wonne zündeten die sechs Akteure hiernach ein schillerndes Feuerwerk der Verwandlungskunst. Schrill, frech und frivol ließen die „Schmetterlinge aus dem Garten der Lüste“, Rainer, Larissa, Mario, Dominique & Co., in den folgenden zweieinhalb Stunden die Geschlechtergrenzen zerfließen.

Käfig voller Narren

Die ersten Takte von „Was wir sind, sind wir nur scheinbar“ nach der berühmten Melodie von Gloria Gaynors Ohrwurm „I Am What I Am“ erklangen, und unversehens wähnte man sich mitten in der Filmkomödie „Ein Käfig voller Narren“. Das Motto des Abends lautete demnach auch: „Lasst es brunften, Kinder. Und nicht, dass Ihr uns nach den ersten fünf Takten schon abflacht“.

Wie Cabaret-Besitzer Albin alias „Zaza“ hatten übrigens auch die Ensemblemitglieder der „Gala-Nacht“ allesamt eine schwere Kindheit, berichtete „Red Shoe Boy“ Thomas Schwabe gleich zu Anfang vergnügt. Dessen Mutter beispielsweise hatte ihrem Strickkränzchen ungefähr in der Mitte der Schwangerschaft ein „hübsches Mädel“ prognostiziert, während sich der Vater im örtlichen Kegelclub bereits mit einem „strammen Burschen“ rühmte. „Und? Was bin ich am Ende geworden? Ein Cocktail!“, scherzte der Berliner Travestiekünstler.

Travestie
Mit knallroter Federboa entführte das glamouröse Panoptikum der gespielten Weiblichkeit die Zuschauer unter anderem nach Hollywood.
Foto: Claudia Hoffmann

Kecker Twist

Mit keckem Twist enterte hiernach „Trude Herr“ die Bühne, zeigte jede Menge schlanken Fuß und sortierte bei „Ich will keine Schokolade“ zur großen Freude des Publikums mit routinierten Handgriffen zwischendurch ihr urgewaltiges Dekolleté. Auch maritime Lieder in der Art von Lolitas „Deine Heimat ist das Meer“ kamen nicht zu kurz und führten anschließend von der Waterkant geradewegs nach Hollywood und zurück.

Travestie
Putzfrau Dominique Du Pont mit Tischtennisbällen im Mund
Foto: Claudia Hoffmann

Bei Larissa Tornado war der Name durchaus Programm. Bemerkenswert hier unter anderem ihre raffiniert angelegte spanische Steppnummer, bei der sie fröhlich-feurig neben dem Takt tanzte. Kess balancierten die charmanten Diven in ihren üppigen Roben mitunter bis zum äußersten Rand der Parodie. Für ihre quietschende Version von „I Love You“ hatte die pinke Miss Piggy vorher ganz offensichtlich noch einen beherzten Zug aus dem Helium-Ballon genommen.

Panoptikum

Als kleiner „Running Gag“ streifte Sänger Mario Ecard auf der Suche nach seiner „Cinderella“ mit einem güldenen Pumps, Größe 46, verzweifelt durch die Reihen und wurde schließlich fündig. Inmitten des grell-bunten Panoptikums der gespielten Weiblichkeit war dann unbestritten die „Grande Dame der Berliner Travestiewelt“, Dominique Du Pont, der Star des Abends. In ihrer Wut über den unzuverlässigen Gemahl feuerte sie als grazile Putzfrau mit Kopftuch und vorteilhafter Kittelschürze zuallererst einmal den nassen Wischmopp in den Gang und entstaubte fortan zwischen den Auftritten schlecht gelaunt die Mikrofone der Kolleginnen.

Auch wenn die zuweilen doch recht derben Zoten nicht immer den Geschmack des Publikums trafen und die Zwischenmoderationen allenfalls mittelwitziges Kalauerniveau erreichten und komplett gestrichen werden könnten, so erlebten die rund 450 Gäste doch eine tolle Show und amüsierten sich prächtig.

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