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Vortrag: Erklärungsversuche zum Salafismus

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Professor Peter Heine referierte und diskutierte zum Thema „Salafisten in der islamischen Welt und in Europa“ im Pfarrzentrum St.Martin.  Foto: Tim Nolden
Der „Arbeitskreis Christen und Muslime in Euskirchen“ hatte zu einem Vortrags- und Diskussionsabend geladen. Professor Peter Heine von der Humboldt-Universität Berlin referierte über die Strömungen im historischen Islam.  Von
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Was ist der Unterschied zwischen einem praktizierenden Moslem und einem Salafisten? Grundsätzlich eine interessante Frage, die aber besonders spannend wird, wenn sie von jemandem gestellt wird, der von Außenstehenden als Salafist wahrgenommen wird.

Daran zeigt sich nämlich vor allem eines: Der Begriff Salafist wird von der Gruppe, die so bezeichnet wird, gar nicht selber verwendet. Und da damit relativ unterschiedliche Gruppierungen zusammengefasst werden, ist es selbst für die so genannten Salafisten nicht ganz klar, was sie zu solchen macht.

Renommierter Dozent

Die eingangs gestellte Frage stand am Donnerstagabend im Pfarrzentrum St. Martin zur Debatte. Dorthin hatte der „Arbeitskreis Christen und Muslime in Euskirchen“ zu einem Vortrags- und Diskussionsabend geladen. Das Thema lautete: „Salafisten in der islamischen Welt und in Europa – Zum Umgang mit einer neuen Form des Islamismus.“ Der Arbeitskreis hatte einen renommierten Dozenten für den Vortrag gewonnen: Professor Peter Heine, Islamwissenschaftler der Humboldt-Universität Berlin.

Salafismus-Referat
100 Zuhörer lauschten Heines Ausführungen und beteiligten sich danach am Gespräch mit dem Berliner Professor.
Foto: Tim Nolden

Heine referierte über verschiedene Strömungen im historischen Islam und stellte heraus, dass der Grundgedanke des Salafismus sei, sich auf die Altvorderen (so die Übersetzung der Ursprungswortes) des Islam zurückzubesinnen. Somit sind die Salafisten auf den ersten Blick nichts anderes als tief religiöse Moslems, die sich an die Regeln des Koran halten.

So stellte sich dann auch die Gruppe jugendlicher Moslems dar, die zu den gut 100 Gästen im Pfarrzentrum zählten. Sie lobten den Vortrag von Heine für die akkuraten Ausführungen, wollten aber wissen, inwiefern sie sich von den anderen Moslems unterscheiden würden.

Problematisch ist bei der Bezeichnung „Salafist“, dass sie aus dem Bericht des Verfassungsschutzes 2011 in den Sprachgebrauch geschwappt ist und seitdem für eine radikale Form des Islam genutzt wird. Heine erläuterte, dass seiner Ansicht nach die Einstellung zum Jihad die Salafisten von den anderen Moslems unterscheide.

Während die gemäßigten Moslems den Jihad eher als Krieg gegen die eigene Schwächen auslegen, so ist für die radikaleren Moslems der Jihad der Kampf gegen die anderen Religionen. Dabei sei für die meisten allerdings nicht der gewalttätige Kampf, aber immerhin der Kampf mit Worten gemeint.

Korane verteilt

Der Hintergedanke ist: Der jüngste Tag kann erst kommen, wenn der Islam die einzige Religion auf der Welt ist. Deshalb müssen die Andersgläubigen umgestimmt werden. Aus diesem Grund verteilen die Salafisten eben auch Korane kostenlos in der Stadt.

Damit hatten die Anwesenden auch Erfahrungen gesammelt. Hier sprang Prof. Heine den Gästen bei. Er wisse nicht, was das Problem daran sei, ein Buch zu verschenken. „Es gibt genug Leute, die eine Bibel im Schrank stehen haben, in die sie nie reinschauen“, so Heine. Der Besitz des Buches reicht eben nicht aus, um jemanden zum religiösen Menschen zu machen. Welcher Hintergedanke hinter der Verteilung steht, wurde allerdings nicht ausgesprochen.

Aus dem Publikum wurde mehrfach die Frage gestellt, ob der verschenkte Koran gekürzt oder in bestimmten Formulierungen kämpferischer sei. Die Gäste verneinten das; auch Heine bekräftigte, dass der Koran für gläubige Moslems als Wort Gottes gelte und es deshalb nicht erlaubt sei, ihn zu verändern. Deshalb werden die Übersetzungen auch immer mit der Einschränkung „ungefähre Übersetzung“ bezeichnet.

Freundliche junge Männer

Überhaupt waren die jungen Männer freundlich und auskunftsfreudig. Auf die Frage des evangelischen Pfarrers Frank Thönes, warum für sie der Islam die Antwort auf alle Fragen sei, erläuterte einer, im Koran sei vom Aufstehen bis zum Schlafengehen alles geregelt. Wenn man sich an diese Regeln halte, komme man ins Paradies. Diese klare Struktur gebe seinem Leben Sinn. Jene Art tiefe Gläubigkeit wünschen sich wohl viele Christen in ihrer eigenen Glaubensgemeinschaft.

Dennoch war manchem ein Unbehagen dabei anzumerken, so viel Überzeugung in einer anderen Religion zu erleben. Doch gerade das Aufeinandertreffen dieser beiden Welten machte den Diskussionsabend zu einem äußerst spannenden und erhellenden Erlebnis, das sicher zur Annäherung der Kulturen beigetragen hat.

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