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Interview und Buchtipp: Selbstbewusstsein kann man lernen

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Kinderbuchautorin Nadia Budde thematisert in ihrem wundervollen Buch Schönheitsideale, Selbstbilder und Selbstwertgefühle. Foto: "Und außerdem sind Borsten schön" von Nadia Budde
Wer Kinder zu sehr behütet, kann damit Minderwertigkeitsgefühle auslösen, sagt die Psychologin Christiane Rademacher. Unser Kinder-Buchtipp zum Thema "Selbstbewusstsein stärken" heißt "Und außerdem sind Borsten schön" von Nadia Budde.  Von
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Köln

Frau Rademacher, der eine findet sich zu rund, der andere seine Haare zu dünn, den Dritten bedrückt eine Unsportlichkeit. Warum haben so viele Menschen Minderwertigkeitsgefühle?
Christiane Rademacher Vorab: Nicht jeder, der mit körperlichen Unzulänglichkeiten hadert, muss sich minderwertig fühlen. Minderwertigkeitsgefühle gehen einher mit einem geringen Selbstwertgefühl, einer schlechten Beurteilung des eigenen Aussehens, der eigenen Leistungen und Eigenschaften.

Selbstwert, Selbstbild, Selbstvertrauen – lotsen Sie mich bitte kurz durch den Begriffsdschungel.
Rademacher Mit Selbstbild ist die subjektive Vorstellung gemeint, die man von sich hat: Wer bin ich? Was kann ich? Das Selbstbild beinhaltet alle auf die eigene Person bezogenen positiven und negativen Beurteilungen. Der Selbstwert hingegen umschreibt die Gefühle, die ich mir selbst entgegenbringe. Kann ich mich selber wertschätzen? Bin ich stolz auf mich? Oder fühle ich mich im Tiefsten meines Herzens wertlos und nicht liebenswert? Selbstvertrauen beinhaltet die Einschätzung, ob ich eine Situation gut meistern kann, und hängt von meinen individuellen Fähigkeiten ab. Je nach Situation kann ich davon mehr oder weniger haben. Grundsätzlich gilt: Wenn ich mich selber nicht so mag, habe ich große Schwierigkeiten, mit Kritik und Misserfolgen umzugehen, weil ich nichts Positives entgegensetzen kann. Dann bin ich sehr leicht kränkbar und fühle mich schon bei kleinen Schwierigkeiten bedrückt und in Not. Dabei setzt sich leider häufig ein Teufelskreis in Gang: Jede Kritik bestärkt das geringe Selbstwertgefühl, und positive Rückmeldungen aus der Umwelt werden gar nicht mehr wahrgenommen.

Auf welcher Grundlage fällen wir ein gutes oder schlechtes Selbsturteil?
Rademacher Das Selbstbild entsteht in frühester Kindheit. Einerseits durch das Verhalten, das andere uns gegenüber zeigen: Freuen sich die Bezugspersonen über mich – oder bin ich eine Last? Erfahre ich Zärtlichkeit – oder vermisse ich Nähe? Aber auch durch Gespräche anderer: Wie reden Eltern, Erzieher, Freunde untereinander und gegenüber anderen über mich? Wie bewerten sie mich? Schließlich spielt die eigene Einschätzung dessen, was man tut, bewirkt und ist, eine Rolle: Werde ich gefordert? Wird mir Mut gemacht, Dingen auf den Grund zu gehen? Habe ich Gelegenheiten, Probleme selbst zu bewältigen?
Ein gesundes Selbstwertgefühl ist demnach nicht angeboren?
Rademacher Zwar gibt es günstige genetische Bedingungen – ein positives Temperament, ein ansprechendes Aussehen oder eine gute Auffassungsgabe. Doch einen größeren Einfluss auf die Selbstwertentwicklung hat der Austausch mit der direkten Umwelt.

Welche Rolle spielen Erwartungen des weiteren Umfelds, also der Gesellschaft, im Selbstwertprozess?
Rademacher Ein Teil des Selbstwertes wird daraus gewonnen, gesellschaftliche Erwartungen und Anforderungen erfolgreich zu bewältigen. Doch zu oft erzeugen Medien und Werbung Wunschbilder, die ein Gros niemals erfüllen kann. Gerade Jugendliche laufen so Gefahr, sich und ihr Äußeres nicht annehmen zu können.

Stichwort Model-Castingshows?
Rademacher Was ich aus der therapeutischen Praxis weiß: Probleme Jugendlicher mit ihrem Aussehen werden zunehmend bedeutsamer. Sicher auch, weil gerade junge Menschen immer stärker versuchen, dieser gesellschaftlich gesetzten – und durch diese Sendungen vermittelten – Schönheitsnorm zu entsprechen. Das Ergebnis: Der ständige Abgleich der eigenen Außenwirkung mit der des Gegenübers, die starke Fixierung auf das Äußere, erzeugt Stress, der zur psychischen Belastung werden kann.

Was kann man tun, um seine Selbstachtung nicht nur vom Äußeren abhängig zu machen?
Rademacher Man kann lernen, sich realistischer mit seinem Selbst auseinanderzusetzen. Akzeptieren, dass man in bestimmten Dingen von der vermeintlichen Norm abweicht, dafür aber andere attraktive Eigenschaften und Fähigkeiten anzubieten hat, für die man geschätzt wird – um nur zwei von vielen Alternativen zu nennen.

Selbstbewusstsein lässt sich also trainieren, und damit auch der positive Umgang mit vermeintlichen und tatsächlichen Makeln?
Rademacher: Oh, ja! Denn der Selbstwert ist über Erfahrungen gesteuert – nicht allein über Erfolg oder Misserfolg. So können selbst Krisen helfen, neue, positive Bewältigungsstrategien zu erlernen. Die Erfahrung, dass man eine Krise gemeistert hat, stärkt den Selbstwert.

Einmal selbstbewusst, immer selbstbewusst?
Rademacher: Das Selbstwertgefühl entwickelt und verändert sich ein Leben lang. So ist es möglich, dass der stabile positive Selbstwert eines Menschen durch eine traumatisierende Erfahrung wie Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Mobbing verunsichert wird. Umgekehrt ist jemand, der von Geburt an belastet ist – weil etwa sein Aussehen nicht der Norm entspricht, er mäßig begabt und intelligent ist oder aus schwierigen Verhältnissen stammt –, nicht wehrlos gegen Minderwertigkeitsgefühle. Alle Gefühle lassen sich bis zu einem bestimmten Grad erzieherisch beeinflussen.

Welche Ursachen hat ein mangelnder Selbstwert außerdem?
Rademacher Mindernd auf das Selbstvertrauen wirken unter anderem frühkindliche unsichere Bindungserfahrungen. Wenn man etwa Zuwendung und Zärtlichkeiten nur erfährt, wenn man sich den Erwartungen entsprechend verhält. Auch Beziehungsabbrüche können sich negativ auswirken. Trennen sich die Eltern, sind Kinder geneigt, die Schuld bei sich zu suchen. Überforderungen und unangebrachte, ständige Kritik sind ebenso Gift für die Selbstwertentwicklung wie übermäßige Kontrolle oder Überbehütung. Kinder, die ständig gesagt bekommen, dass sie etwas falsch machen oder die Eltern enttäuschen, reagieren mit Verunsicherung. Aber auch Kindern, denen aus übergroßer Sorge keine Chance gegeben wird, eigene Erfahrungen zu sammeln, können kein gesundes Selbstvertrauen entwickeln.

Und wie kann das Umfeld den Selbstwert eines Kindes stärken?
Rademacher Indem Eltern und Erzieher viel loben – und zwar die individuellen Fähigkeiten und Stärken des Kindes. Indem sie Vergleiche mit anderen vermeiden und in schwierigen Situationen nicht vorschnell eingreifen, sondern dem Kind eigene Lösungswege zutrauen. Und: Indem das Umfeld möglichst viele Situationen herstellt, in denen das Kind erfolgreich sein kann.
Übrigens profitieren Kinder auch davon, wenn Eltern mal Schwächen einräumen, nicht immer perfekt sind. So können sie Bewältigungsstrategien von den Eltern lernen.

Das Gespräch führte Caroline Kron

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