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F1-Boss: Ecclestone bleibt der Imperator

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F1-Boss Bernie Ecclestone  Foto: dpa
Obwohl Bernie Ecclestone weiterhin ein Prozess vor dem Münchner Landgericht wegen des Verdachts der Bestechung droht, scheint die Macht des 82-Jährigen in seinem Formel-1-Imperium ungebrochen.  Von
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Köln

Sehr laut wird es hinter diesen Panoramascheiben in der ersten Juli-Woche werden - man kann sich das jetzt noch gar nicht vorstellen. Auf der Zielgeraden des Nürburgrings liegt am Donnerstag ein jungfräulicher, lautlos wachsender Schneeteppich, vor der Glasfront, hinter der die Flocken tanzen, steht Karl-Josef Schmidt und breitet in einer entschuldigenden Geste die Arme aus. Schmidt (65) ist Geschäftsführer der Nürburgring Betriebsgesellschaft mbH, die an diesem Tag ihr Sportprogramm 2013 vorstellt, und ja, der neunte Lauf der Formel-1-WM am 7. Juli wird Großer Preis von Deutschland heißen. "Wir haben mit Bernie Ecclestone einen Vertrag abgeschlossen, über Details darf ich aber nicht reden", sagt Schmidt und lässt dann seine Hände weiterreden.

Überraschend ist das natürlich nicht. Wer mit dem 82-jährigen Formel-1-Paten Geschäfte macht, ist zu Verschwiegenheit verpflichtet. "Wir sind nicht wie die Mafia, wir sind die Mafia", hat Ecclestone, als Max Mosley noch Präsident des Automobil-Weltverbandes war, einmal gesagt, und wie das mit vielen Bonmots des kauzigen Briten so ist, sie sind witzig, ironisch und todernst zugleich. Wahrscheinlich würde Mister E, wie der Zeremonienmeister des Grand-Prix-Spektakels stark gekürzt, aber unverwechselbar genannt wird, das Mafia-Zitat heute nicht mehr verwenden, es würde doch sehr provokant wirken vor dem Hintergrund, dass der Formel-1-Chef noch immer mit einer Anklage wegen Bestechung des früheren Spitzenbankers Gerhard Gribkowsky rechnen muss.

Seit Anfang Juli 2012 ist es um die Causa Ecclestone allerdings recht still geworden, die Münchner Staatsanwaltschaft scheint nicht mehr Herr des Verfahrens, seitdem der wegen Bestechlichkeit, Steuerhinterziehung und Untreue zu achteinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilte Ex-Banker Revision beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe eingelegt hat. Solange das Berufungsverfahren läuft, kann Gribkowsky als Beschuldigter nicht gezwungen werden, in einem Prozess gegen den Mann auszusagen, den alle nur Bernie nennen. Und der sogar Verträge nur mit seinem Vornamen unterschreibt, wie Gerhard Gribkowsky im November 2011 vor dem Münchner Landgericht aussagte.

Bei Bernie war er, erläuterte Gerhard Gribkowsky, nur der "Harry". Da musste sogar der Richter lachen, obwohl die Sache ernst ist: Weshalb sind beim Verkauf von Formel-1-Anteilen der BayernLB an die Investmentgesellschaft CVC 44 Millionen Dollar auf Gribkowskys Konten gelandet? Bernie sagt, Harry habe ihn erpresst, und er habe gezahlt, weil Harry "zu viel wusste" über seine, Ecclestones Geschäfte.

Es darf natürlich nicht sein, dass jemand über die Praktiken des Bernhard Charles Ecclestone nicht nur en détail Bescheid weiß, sondern auch noch darüber plaudert oder sich mit seinem Wissen brüstet. Denn die Geschäfte laufen für den kleinen Diktator nach am besten, wenn er seine Klienten und Kunden in seinem verschachtelten Circus Maximus im Stile eines Zampano mit Zuckerbrot und Peitsche dirigieren kann. Strippenziehen ist ein verharmlosender Begriff für die in über 40 Jahren entwickelte Kunst Ecclestones, alle Beteiligten des Formel-1-Universums nach einem nur ihm und seinen Vertrauten bekannten Geheimcode einerseits zur Kasse zu bitten und andererseits am Geldsegen teilhaben zu lassen.

Jährlich werden rund zwei Milliarden Euro umgesetzt, der Gewinn soll bei 700 Millionen Euro liegen. Ecclestone akquiriert neue Strecken, neue Sponsoren, dealt mit TV-Anstalten, handelt Antrittsprämien aus, streitet sich mit den Teams über deren Einnahmeanteile und nimmt nebenbei auch Einfluss auf die Besetzung der wichtigsten Cockpits. Mit anderen Worten: Er macht wirklich alles und kann sich auf eine Reihe an den Schlüsselpositionen installierter Helfer bedingungslos verlassen: Vertrauen gegen Vertrauen.

Das sagt übrigens auch Karl-Josef Schmidt, wenn er nicht gerade seine Hände sprechen lässt. "Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu ihm", sagt der promovierte Wirtschaftsjurist, der Mister E schon aus seinen Geschäftsführer-Jahren in Hockenheim gut kennt. Ob das hilfreich war bei den schwierigen Verhandlungen zwischen dem insolventen Nürburgring und dem ach so geldgierigen Formel-1-Supremo? "Vielleicht", sagt Schmidt und lächelt Fragen nach der üblichen Millionen-Euro-Startgebühr und den Folgen möglicher roter Zahlen routiniert weg.

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Der erst im Februar gestartete Vorverkauf laufe zufriedenstellend, 15.000 Tickets zum Durchschnittspreis von 160 Euro seien bereits abgesetzt worden. Wer für ein eventuelles Minus nach dem deutschen Grand Prix einstehen muss? "Das werden wir sehen. Das kann ich jetzt nicht sagen", sagt Schmidt und schaut dem Schneetreiben zu. Man wird also eine Weile warten müssen - auch, ob ein Fußball-Kollege Schmidts recht behält. Rudi Assauer war das, und schon der wusste: "Wenn der Schnee schmilzt, siehst du, wo die Kacke liegt."

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