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Formel 1: Ecclestone verliebt sich in die Eifel

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Das "volle Programm" in der Eifel scheint vorläufig gesichert: Formel-1-Autos auf dem Nürburgring (2011). Foto: dpa
Der legendäre Eifelkurs hat überzeugt. Formel 1-Promoter Bernie Ecclestone lässt sich auch ohne Landeszuschuss auf ein Rennen am Nürburgring ein. Der Brite scheint bereit zu sein, ein finanzielles Risiko einzugehen.  Von
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Mainz

In ihrer ersten Regierungserklärung war Marie-Luise Dreyer, die neue Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, am Mittwoch nicht umhin gekommen, sich auch zur schwersten Erblast zu äußern, die ihr Vorgänger und SPD-Parteifreund Kurt Beck hinterlassen hat: dem Investitionsgrab Nürburgring. "Ich verstehe die Kritik", sagte Dreyer, man wolle aber aus Fehlern lernen. Sie wünsche sich "eine gute Zukunft für den Nürburgring". Kaum waren die Worte der Regierungschefin im Mainzer Landtag verklungen, hellte eine Erfolgsmeldung den düsteren Himmel über dem legendären Eifelkurs auf: Die Nürburgring Betriebsgesellschaft (NBG) meldete, dass die Stars der Formel 1 am 7. Juli ihre Runden auf der traditionsreichen Rennstrecke drehen werden.

Ecclestone nimmt finanzielles Risiko in Kauf

"Gerne habe ich mich für die Austragung der Formel 1 am Nürburgring eingesetzt, um diese Traditionsstrecke weiterhin zu erhalten", lässt sich Formel-1-Impresario Bernie Ecclestone (82) vom deutschen Vertragspartner zitieren. Der Brite hat offenbar die Liebe zur Eifel entdeckt und scheint bereit, ein gewisses finanzielles Risiko einzugehen. Denn auf den üblichen Landeszuschuss in Millionenhöhe muss er verzichten.

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"Für das Rennen gibt es keinen Cent Landesgeld", erklärte am Donnerstag ein Sprecher des Mainzer Landtags. Politisch ist das Motorsport-Mekka vermintes Gelände, seit sich die Regierung Beck bei dem Versuch, der strukturschwachen Region mit einer absurd überdimensionierten Erlebniswelt mehr Besucher und neue Einnahmen zu verschaffen, spektakulär verhoben hat. Die Skandalgeschichte um das mit 350 Millionen Euro aus Landesmitteln geförderte Prestigeprojekt, um roten Filz, größenwahnsinnige Politiker und windige Geschäftemacher, weist mehr Kurven auf als die für den Formel-1-Verkehr längst gesperrte legendäre Nordschleife. Der ehemalige rheinland-pfälzische Finanzminister und einstige Aufsichtsratschef der Nürburgring GmbH, Ingolf Deubel (SPD), musste 2009 wegen des Debakels zurücktreten und steht gerade in Koblenz wegen des Verdachts der Untreue vor Gericht. Die Nürburgring GmbH (NG) befindet sich seit dem vorigen Sommer in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung und müht sich, aus dem gewaltigen Schlamassel wieder rauszukommen. Die 2010 ins Boot geholte Betreibergesellschaft Nürburgring Automotive GmbH (NAG) gab Rennstrecke und Immobilien nach zähen Verhandlungen und einer Vielzahl wechselseitiger Schmähungen und Anschuldigungen vor gut zwei Monaten an die NG zurück.

"Der Abschluss ist ein sehr positives Signal - für die Mitarbeiter, für die Region, aber auch für den Investorenprozess", sagt Pietro Nuvoloni, der Sprecher der überwiegend landeseigenen NG und ihrer Tochter NBG. Die Sanierer streben für März in Abstimmung mit der EU-Kommission ein Bieterverfahren an. "Jeder seriöse Investor kann sich bewerben", sagt Nuvoloni, "wir werden dann schätzungsweise im Spätsommer wissen, wer sich interessiert und wie die Gebote aussehen." Auf diesem Weg könnte es noch holprig werden. Das NAG-Management um Jörg Lindner, einen Spross der gleichnamigen Düsseldorfer Hotelierdynastie, will sich nicht ohne weiteres aus dem Geschäft drängen lassen.

Investoren können sich bewerben

Eines hat Lindner und seinem Mitstreiter Kai Richter besonders auf den Magen geschlagen: Den Deal mit Ecclestone hat Karl-Josef Schmidt eingestielt. Der Frankfurter Jurist und Branchenkenner, einst Geschäftsführer der Hockenheim-Ring GmbH, war bis vor kurzem noch für die NAG tätig. Er kündigte dort am 19. Dezember 2012 im Zuge der Rückgabe des operativen Geschäfts an NG/NGB fristlos. Nachdem Ecclestone am 24. Januar die Verhandlungen mit Lindner und Richter für gescheitert erklärte, übernahm Schmidt und wurde binnen weniger Tage mit Ecclestone handelseinig. "Die Düsseldorfer lecken jetzt ihre Wunden", sagt ein Kenner der Szene. Dabei scheint es aber nicht zu bleiben. Die NAG soll Ex-Mitarbeiter Schmidt verklagt haben. Der Vorwurf: Untreue. Lindner und Richter fühlen sich vom Ex-Mitarbeiter um Millionen gebracht, weil ihnen der Formel-1-Deal durch die Lappen ging.

Noch ist nicht klar, wer als sportlicher Ausrichter des Rennens auftreten wird - der Automobilclub von Deutschland (AvD) oder der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC). Die Fans wird es freuen, wenn am 7. Juli der Kreisverkehr startet. Dass am Nürburgring aber fortan alles rund laufen wird, ist eine sehr vage Hoffnung.www.ksta.de/formel1

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