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Michael Schumacher: Abschied vom Größten

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Michael Schumacher Foto: dapd
Michael Schumacher spricht vom endgültig letzten Rennen seiner Karriere: Kurz vor dem Großen Preis von Brasilien blickt der mehrfache Formel-1-Weltmeister zurück. Den zweiten Abschnitt seiner Karriere hat er sich anders vorgestellt.  Von
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São Paulo

Die Zeitschrift „L’Uomo Vogue“ hat ihren Erscheinungstermin verschoben. Aus gegebenem Anlass. Sie will noch einmal dem Mann eine ganze Ausgabe widmen, der zwei Jahrzehnte lang die Formel 1 dominiert hat. Es wird eine Hommage an Michael Schumacher, vor dem – im besten Fall – noch einmal 305,909 Rennkilometer liegen. Seine letzten. Ein Ereignis, das es beinahe mit der Titelentscheidung zwischen Sebastian Vettel und Fernando Alonso aufnehmen kann.

Beim verbalen Warm-up für den Großen Preis von Brasilien braucht Schumacher nicht mal eine Minute, um im Stakkato zusammenzufassen, was vor ihm liegt: „Ich will noch einmal das Beste draus machen. Nein, ich bin nicht traurig. Ich habe versucht, auch den zweiten Abschnitt meiner Karriere erfolgreich zu gestalten, aber das hat nicht so funktioniert wie gedacht. Jetzt beginne ich noch einmal ein neues Leben.“

War es das also, Herr Schumacher? „Es waren gute Jahre, aufregende Jahre. Nach fünf Jahren dachte ich eigentlich schon ans Aufhören“, gesteht der siebenfache Weltmeister, „aber dann wurden es doch am Ende doch 21 Jahre.“ Der Blick zurück im Zorn, der liegt dem 43-Jährigen nicht. Rückspiegel sind für ihn so ziemlich die nutzlosesten Ersatzteile, und so hat er auch beim Neu-Start mit dem deutschen Dream-Team von Mercedes nie den Maßstab an seine sieben Titel und 91 Siege zuvor gelegt. Allerdings haben andere eine ähnliche Serie erwartet. Inzwischen ist er froh, dass es vorbei ist, dass Mercedes mit der Verpflichtung von Lewis Hamilton ihm eine schwere Entscheidung abgenommen hat. So richtig geglaubt hat Schumacher nicht mehr, dass er mit der Marke, bei der 1990 im silbernen Sportwagen seine Profi-Karriere anfing, ganz nach vorn kommen würde. Auch ein Rekord-Weltmeister kann immer nur so gut sein wie sein Dienstauto.

Eine Pole-Position, ein dritter Platz in 57 Anläufen, das ist viel zu wenig für einen Mann aus der Champions League. Da war Frust, da kommt vielleicht noch Wehmut, aber in den letzten Jahren hat Michael Schumacher eine neue Formel gelernt, um mit weniger zufrieden sein zu können. Sie lautet: „Warum soll ich mir Gedanken um Dinge machen, die ich ohnehin nicht ändern kann?“ Ein Schutzmechanismus und Ausdruck dessen, dass er im Umgang generell offener geworden ist.

Auch, als er im Autodromo Carlos Pace in der ersten Reihe des Talk-Podiums sitzt, Sebastian Vettel zu seiner Linken, rechts Fernando Alonso. Und das Lob dröhnt in seinen Ohren, von beiden Seiten: „Es war ein Privileg, dass ich so viele Jahre gegen ihn fahren konnte, erst von ihm lernen, dann mit ihm zu kämpfen“, sagt Alonso, der sich 2005 und 2006 gegen Schumacher im Ferrari den Titel sichern konnte. „Er war der Held meiner Kindheit, von uns allen auf der Kartbahn in Kerpen – und meine Inspiration, Rennfahrer zu werden“, gesteht Vettel, „als ich ihn das erste Mal getroffen habe, wusste ich nicht, was ich sagen sollte – ich wollte nichts Dummes fragen. Er schien so weit weg, und heute sind wir Freunde. Schade, dass ich in den letzten drei Jahren nicht so mit ihm kämpfen konnte, wie es Fernando tun konnte.“

Michael Schumacher tut sich grundsätzlich schwer mit Prognosen, weshalb die Erwartungen für sein finales Wochenende als Rennfahrer auch mit Vorbehalt zu werten sind: „Der Abschied von der Formel 1 wird diesmal für mich wahrscheinlich weniger emotional als 2006, weil wir damals noch im WM-Kampf steckten und alles viel intensiver war. Aber diesmal werde ich den Abschied dafür bewusster wahrnehmen – und hoffentlich auch genießen können.“ Das wäre dann die perfekte Vorbereitung für das, was vor ihm liegt: Familie, Fallschirmspringen, vor allem aber: Freiheit. Die große Freiheit, die ganz ohne Formel-1-Lenkrad auskommt.

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