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Reifen-Streit: Red Bull verschärft den Ton

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Der Reifenstreit in der Formel 1 dauert an. Foto: dpa
Der exklusive Reifentest von Mercedes kocht in der Formel 1 weiter hoch. Besonders Red Bull geht auf die Barrikaden. Hast sich der deutsche Rennstall einen Vorteil verschafft? Oder waren auch andere zu Sonderfahrten auf Pirelli-Einladung auf der Formel-1-Strecke?
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Monaco

Red Bull hat seine Kritik am Reifentest von Rivale Mercedes noch einmal verschärft und fürchtet einen Vorteil des deutschen Formel-1-Teams, der sich bis zum Saisonende durchzieht. Kann das sein? Nur, weil Monaco-Sieger Nico Rosberg und Neuzugang Lewis Hamilton etwa 100 Kilometer mit dem aktuellen Wagen ohne Kenntnis auf Reifen absolvierten, die beim nächsten Rennen zum Einsatz kommen? Mercedes streitet jeglichen Vorteil ab und sieht sich mit dem Regelwerk im Reinen.

Red Bull sieht das anders. „Das ist ein klarer Regelbruch. Der Vorteil von Mercedes zieht sich ab jetzt durch die ganze Saison. Wir verlangen Aufklärung“, sagte Motorsportchef Helmut Marko am Montagabend beim hauseigenen Sender ServusTV. Entscheiden muss der Weltverband FIA. Wann? Offen. Wie? Völlig unklar. Und was ist mit Ferrari? Die Scuderia - wenngleich mit einem älteren Modell - ließ sich auch schon von Pirelli zu einem Test einladen.

Was ist die Ausgangslage?

Mercedes hat auf Bitten von Reifenhersteller Pirelli vom 15. bis 17. Mai auf dem Circuit de Catalunya getestet. Dabei kamen laut Pirelli zu 90 Prozent Reifen für das nächste Jahr zum Einsatz, zu zehn Prozent etwa aber überarbeitete, neue Pneus, die beim kommenden Rennen allen Teams zur Verfügung gestellt werden. Laut einer Einigung zwischen Pirelli und dem Internationalen Automobilverband sind solche Tests erlaubt in der Saison, WENN sie auf 1000 Kilometer pro Team begrenzt bleiben und WENN alle Rennställe dazu eingeladen werden.

Wurden alle elf Rennställe eingeladen?

Nicht direkt. Vor etwa einem Jahr machte Pirelli den Teams das Angebot der zusätzlichen Tests. Das Interesse war gering. Nachdem es in dieser Saison noch massivere Kritik an den allesamt weicheren Reifen als im vergangenen Jahr gab - allen voran von Red Bull und Mercedes - ging Pirelli auf einzelne Teams zu. Mercedes nahm das Angebot an, Ferrari auch, Red Bull nicht. Die FIA beklagte in einer ersten Stellungnahme, dass es keine Bestätigung dafür gebe, dass alle Teams zu dem Test in Barcelona eingeladen wurden. Dasselbe dürfte auch auf die Ferrari-Extrarunden zutreffen.

Warum darf während der Saison nicht getestet werden?

Aus Kostengründen verringerte die FIA vor der Saison 2009 die Zahl der Testfahrten. Erlaubt sind nur noch dreimal jeweils vier Tage vor dem Saisonbeginn - mit nur jeweils einem Auto pro Team. Zudem dürfen die Teams bis zu acht PR-Termine absolvieren, allerdings nur mit Demo-Reifen, nicht mit aktuellen Rennreifen. Maximal dürfen dabei pro Event 100 Kilometer gefahren werden. Zudem gibt es die Möglichkeit von vier Aerodynamik-Tests, bei denen nur geradeaus gefahren werden darf, und die Nachwuchsfahrer-Tests. Insgesamt dürfen nicht mehr als 15.000 Kilometer im Jahr getestet werden. Festgeschrieben ist das alles in Artikel 22 der Sportlichen Regeln der FIA.

Welchen Vorteil könnte Mercedes von dem zusätzlichen Test haben?

Der Rennstall betont: Keinen - weil man gar nicht wusste, dass auch Reifen für diese Saison aufgezogen wurden. Mercedes sagt auch, dass keinerlei Neuerungen am F1 W04 getestet wurden, dafür hätte die Zeit gar nicht ausgereicht. Die Pirelli-Anfrage kam kurzfristig, etwa zehn Tage vorher. Gleichwohl werden die Daten jeder Fahrt detailliert aufgezeichnet und Mercedes bot auch keinen Ersatz-, sondern beide Stammfahrer auf. Die Ingenieure könnten so die Unterschiede zwischen den Reifen für das nächste Jahr und den überarbeiteten für diese Saison erkennen.

Davon geht Red Bull aus, zumal die Tests unmittelbar nach dem Spanien-Rennen stattfanden, bei dem Mercedes erneut eklatante Reifenprobleme hatte. Rosberg konnte sein Pole Position wie schon in Bahrain nicht verteidigen, kam nicht mal aufs Podest. „Dort, wo man geschwächelt hat, sieht man es genau, und man kann die ganzen Verbesserungen dezidiert einleiten und messen“, meinte Marko.

Was passiert nun weiter?

Alles hängt von der FIA ab. Die Rennkommissare, die Pirelli, Mercedes und die Protestführern Red Bull und Ferrari in Monte Carlo anhörten, müssen einen Bericht an die FIA schicken. Dann legt der Verband das weitere Prozedere fest. Sprich: Der Fall geht vor das Internationale Tribunal der FIA - oder eben nicht.

Welche Strafen sind möglich?

Von gar nichts über Punkteabzug bis Verbannung von Rennen ist alles theoretisch möglich. Zumindest für Mercedes. Für Pirelli? Wohl letztlich nur eine Geldstrafe, handelt es sich schließlich nicht um ein Team, sondern um den exklusiven Reifenausrüster.

Wie lange läuft der Vertrag von Pirelli mit der Formel 1 noch?

Pikant: Nach drei Jahren endet der Vertrag nach dieser Saison. Es gibt Gespräche, aber noch keine Entscheidung für eine Verlängerung. Die weiteren Negativ-Schlagzeilen um die Testaffäre dürfte bei der Konzernleitung in Italien nicht gerade Freude hervorrufen.

Gibt es eine Alternative?

Zumindest weiß eigentlich niemand etwas von einem möglichen Ersatz. Und die Zeit drängt, zumal 2014 mit der Einführung der neuen Turbo-Motoren die größte technische Reform der Formel 1 seit über zwei Jahrzehnten ansteht. (dpa)

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