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Reifendiskussion: Red Bull setzt Pirelli unter Druck

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Reifenprobleme: Sebastian Vettel in seinem Red Bull. Foto: REUTERS
Das Thema Reifen wird immer brisanter. Nachdem es bereits seit Beginn der Saison Kritik an den schnell abnutzenden Reifen von Pirelli gibt, macht Red Bull nun ernst. Rennstall-Besitzer Dietrich Mateschitz will das Thema zum Politikum machen.
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Barcelona

Weltmeister Sebastian Vettel zürnt, und Red Bull macht mächtig Druck. Nach dem vierten Platz des Heppenheimers beim Großen Preis von Spanien ist das Thema Reifen endgültig zum Politikum geworden.

Einen „Griff ins Klo“ hatte der dreimalige Champion den neuen harten Reifen genannt und damit eine Lawine losgetreten. „Das hat nichts mehr mit Rennsport zu tun, das wurde ein Wettbewerb im Reifenmanagement. Autorennsport sieht anders aus“, sagte der mächtige Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz bei speedweek.com: „Wir können unter diesen Umständen das Potenzial unseres Autos und unserer Fahrer nicht mehr nutzen.“

Zuvor hatte bereits Red Bulls Motorsport-Berater Helmut Marko direkt nach dem Rennen angekündigt, den Druck auf Pirelli erhöhen zu müssen, und auch Mercedes-Aufsichtsrat Niki Lauda meckerte, dass „es nicht sein kann, dass das schnellste Auto nicht gewinnt“. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff stellte im Gespräch mit motorsport-magazin.com fest: „Wir haben ein schnelles Auto, aber es beansprucht die Reifen zu stark.“

Weil auch Mercedes trotz der Doppel-Pole von Nico Rosberg und Lewis Hamilton weiter keine Lösung findet, die sensiblen Gummis über die Renndistanz zu bringen, und selbst Ferrari nach dem Sieg von Fernando Alonso die vielen Boxenstopps kritisierte, fallen die Alpha-Tiere der Königsklasse geschlossen über Hersteller Pirelli her.

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Pirellis Motorsport-Direktor Paul Hembery kündigte noch am Sonntag Veränderungen an den Pneus bis zum Rennen in Silverstone Ende Juni an, betonte aber gleichzeitig: „Wir verstehen nicht, warum ihr alle so aufgeregt seid. Es sei denn, ihr wollt, dass wir Red Bull die Reifen geben, um den Titel zu gewinnen.“

Genau dort liegt die Krux der Geschichte. Schließlich gibt es Teams, die auch mit den 2013er Reifen höchst erfolgreich arbeiten. Lotus und der WM-Zweite Kimi Räikkönen müssen sich derzeit wie das berühmte gallische Dorf vorkommen, das allein gegen die Schar der Kritiker steht. „Das ist wie beim Fußball - wenn eine Mannschaft immer an den Pfosten schießt, macht man die Tore auch nicht größer.

Ich finde die Diskussion einfach nur bescheuert“, sagte Lotus-Mitbesitzer Gerard Lopez bei auto, motor und sport. Und „Reifenflüsterer“ Räikkönen weiß: „Die Aufgabe ist für alle gleich. Wir haben sie einfach besser gelöst.“ Nach Lösungen sucht auch Mercedes. Wie schon in Bahrain war Rosberg trotz Platz eins im Qualifying chancenlos im Kampf um die Podestplätze.

Die Abstimmung der Silberpfeile passt für eine schnelle Runde, doch im Rennen werden die Trainingsweltmeister zu Reifenfressern. Motorsportchef Toto Wolff sprach in Katalonien von einem Weckruf und kündigte an „infrage zu stellen, ob all unsere Ansätze richtig sind“. Mit Rennen wie in Barcelona vergrault die Königsklasse aber auch ihre Fans. Mehr als 80 Boxenstopps lassen niemanden mehr durchblicken.

„Wenn ich auf bestimmten Strecken auf der Tribüne sitzen würde, ohne jede Information, würde ich nur Autos vorbeifahren sehen“, gibt auch Alonso zu. Anderseits sind eben auch die Zeiten der „Prozessionen“ (Bernie Ecclestone) auf dem Circuit de Catalunya vorbei, als sich der Pole-Mann praktisch ohne Überholvorgänge auch den Sieg schnappte.

Doch nicht nur das Rennen selbst erzürnt die Fans, inzwischen können viele das Gejammer danach noch viel weniger ertragen. In den Internet-Foren wird die Reifen-Kritik gekontert mit Sprüchen wie „Kann der Bauer nicht schwimmen, ist die Badehose schuld“... (sid)

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