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Vettel: Das Verzeihen wird dauern

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Steht in der Kritik: Sebastian Vettel.  Foto: dpa
Sebastian Vettel hat seine Gegner mit einem einzigen Überholmanöver unnötig stark gemacht. Der Vorfall beim Großen Preis von Malaysia ist ein Paradebeispiel dafür, wie Fahrer-Egoismus und der Mannschaftssport Formel 1 kollidieren.  Von
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Sepang

Sich dem eigenen Rennstall zu widersetzen, das gilt in der Formel 1 als Todsünde. Aus gutem Grund. Der Vertrauensbruch führt zur großen Vertrauensfrage: Wer kann sich künftig auf wen verlassen? Sebastian Vettel hat seine Gegner, interne wie externe, mit einem einzigen Überholmanöver unnötig stark gemacht. Der Vorfall aus der 46. Runde des Großen Preises von Malaysia ist ein Paradebeispiel dafür, wie Fahrer-Egoismus und der Mannschaftssport Formel 1 kollidieren, die legale Stallorder ist hier nicht das Thema.

Zum ersten Mal hat sich Vettel gegen Red Bull gestellt, jener Marke, der er fast alles zu verdanken hat. Der Überholvorgang gegen Mark Webber, der auf Anweisung des Kommandostandes die Motorleistung auf 80 Prozent reduziert hatte und sich trotz zu schonender Reifen als sicherer Sieger fühlen durfte, mag Instinkttat eines Vollblutrennfahrers gewesen sein. Dafür hat er nach dem Rennen dann oft genug "sorry" gesagt, dafür wurde er zu Recht als "dümmlich" bezeichnet. Aber reicht das, damit der 25-Jährige künftig in solchen Situationen mehr den Champion-Verstand als das Bauchgefühl bemüht? Er hat um Verzeihung gebeten, aber es wird dauern, bis ihm verziehen wird. Obwohl er sich auf die leidvolle Vorgeschichte der gegenseitigen Respektlosigkeiten mit Webber berufen kann. Der Betriebsfrieden ist schon länger nachhaltig gestört. Webber hatte mit seiner Sturheit zuletzt sogar den Titelgewinn Vettels beim Drama-Finale von Brasilien 2012 gefährdet.

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Die öffentliche Wirkung, die Vettel so wichtig ist, sein Plädoyer für Ehrlichkeit (und damit die indirekten Vorwürfe gegen die Gegner) werden ihm in der Ethik-Debatte jetzt zum Verhängnis, er ist der Doppel-Moral verdächtig. Sein Weltbild hat Vettel einmal so formuliert: "Sobald ich den Helm aufhabe, muss ich zu einem gewissen Grad sehr egoistisch sein - und vielleicht auch ein bisschen ein Drecksack. Aber es gibt keinen Grund, warum ich, wenn ich den Helm wieder abziehe, ein egoistischer Arsch sein sollte."

An diesem grauen Sonntag in Malaysia hat er lernen müssen, dass nicht alle so trennen können und wollen wie er. Daraus entsteht die Anschlussfrage, die erst in den kommenden 17 Rennen beantwortet werden kann: Ist er willens und hart genug, auch mit der ungewohnten Rolle des Ungeliebten klarzukommen? Im besten Fall schärft die unfreiwillige Lehrstunde sein Profil. Zunächst aber ist es ihm beinahe peinlich: "In mir sieht es nicht gut aus."

Mindestens so entscheidend für sein Fortkommen: Kann er nach der Befehlsverweigerung so ohne weiteres wieder jener Leader sein, dem alle blind folgen? Erst nach der Hilfe des Teams rufen, dann die Vorschriften ignorieren. Noch nie war Teamchef Christian Horner so sauer auf seinen Vorzeige-Ziehsohn gewesen. Auf die Frage, warum es keine Anweisung gab, dass Vettel den Kollegen auf den letzten zehn Runden wieder vorbeilassen soll, antwortet der Brite nur gequält: "Glauben Sie wirklich, dass Sebastian den Platz wieder hergegeben hätte? Auf keinen Fall. Seb hört offenbar manchmal nur das, was er hören will. Er hat mit seinem Manöver seine Absicht klargemacht, dass er die Dinge lieber selbst in die Hand nimmt. Er war zu sehr auf diese sieben WM-Punkte mehr fokussiert, und das war falsch."

Horner weiß aber auch, dass er auf keinen Fall einen verunsicherten Titelfavoriten gebrauchen kann: "Sebastian selbst sagt jetzt, dass er sich in der gleichen Situation nun anders verhalten würde. Er ist Rennfahrer, er ist schnell, und er hat seine drei WM-Titel nicht geholt, weil er die Grenzen nicht auslotet. Heute ist er mit dem Teamkollegen und seinem Team aber wirklich an die Grenzen gegangen." Weniger als drei Wochen bleiben allen Beteiligten bis zum Gastspiel in China, um die Wogen zu glätten. Webbers Surfer-Plan klingt gar nicht einmal so schlecht: "Ich werde mir in Australien ein paar Wellen schnappen, das ist eine gute Medizin. Ob es genug Medizin ist, werden wir sehen."

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