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Amtsgericht: Kamikazefahrt milde bestraft

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Ein 20-Jähriger musste sich wegen seiner Kamikazefahrt durch Frechen vor Gericht verantworten. Foto: dapd
Wegen einer „fast filmreifen Kamikazefahrt“ muss sich nun ein 20 Jahre alter Frechener vor Gericht verantworten. Er hatte sich bei einem Autokorso eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert.  Von
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Frechen/Kerpen

Völlig aus dem Ruder gelaufen war ein Autokorso in der Innenstadt von Frechen am 22. Juni 2012, als die Fußballfans den Sieg Deutschlands über Griechenland bei der Europameisterschaft feierten. Jetzt musste sich ein 20-jähriger Frechener für seine, so der Staatsanwalt, „fast filmreife Kamikazefahrt“ vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichtes Kerpen wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs, unerlaubten Entfernens vom Unfallort und fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Da er vor Gericht einen guten Eindruck machte, voll geständig war und die Vorgänge bedauerte, kam er mit einer Geldstrafe von 1500 Euro davon, muss aber noch mindestens ein halbes Jahr auf seinen Führerschein verzichten.

Der junge Mann hatte sich in einer Kneipe mit Freunden getroffen, um das Fußballspiel anzugucken. Wegen seiner gerade bestandenen Gesellenprüfung und des Fußballspiels war die Stimmung gut. So machte der Angeklagte mit zwei Kumpels nach dem Spiel beim Autokorso mit. Einer saß im Kofferraum des Kombis, um mit der Deutschlandfahne aus der geöffneten Hecklappe zu wedeln. Drei weitere Heranwachsende, die der Angeklagte erst in der Kneipe kennengelernt hatte, stiegen hinzu und setzten sich auf die Rückbank. Zwei von ihnen hatten Feuerwerkskörper, sogenannte Bengalos, dabei, die sie gerade am offenen Fenster gezündet hatten, als ihnen auf der Dr.-Tusch-Straße ein Polizeiwagen entgegenkam.

Starker Qualm

Da es stark qualmte, wollten die Polizisten den Wagen anhalten. Doch der Angeklagte gab Gas, stieß an der Blindgasse mit einem vor einer Ampel wartenden Wagen zusammen, dessen Insassen – eine Mutter und ihr Kind – Prellungen erlitten. Trotzdem raste er, auch auf der falschen Fahrspur, weiter und stieß in der Alten Straße mit einem geparkten Wagen zusammen. Dabei wurde noch eine Passantin auf dem Bürgersteig getroffen, die Verletzungen der Wirbelsäule erlitt und bis heute arbeitsunfähig ist. Schließlich stoppte der Unfallwagen, alle Insassen rannten davon. Nachdem er erst über eine Mauer geflüchtet war, kehrte der Unfallfahrer nach wenigen Sekunden aber zurück und stellte sich der Polizei. Bei ihm wurden 1,25 Promille Alkohol im Blut festgestellt.

Der junge Mann war bis dahin polizeilich noch nie aufgefallen, hatte seine Ausbildung absolviert und arbeitet ehrenamtlich in der Kirche mit. Dennoch habe er sich an diesem Tag wie ein „hirnloser FC-Proll“ verhalten, tadelte Königsfeld. Er sei aber optimistisch, dass dies nicht wieder vorkommen werde. Das versprach auch der Angeklagte: „Das wird eine einmalige Sache bleiben.“

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