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Fiktion: Frechens verpasste Chance

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Wolfgang Reinert präsentiert sein Erstlingswerk.  Foto: Katharina Blass
In seinem Buch „Die Beatus-Chronik“ stellt Wolfgang Reinert in einer Mischung aus Fiktion und geschichtlichen Fakten dar, wie um 1300 durch die Machenschaften Gelehrter verhindert werden konnte, dass Frechen Universitätsstadt wurde.  Von
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Was wäre aus Frechen geworden, wenn Gelehrte im Mittelalter eine Universität in der Stadt errichtet hätten? Wolfgang Reinert sagt, die Entwicklung hätte eine Wendung genommen und das „Freie Kaufdorf Frechen westlich von Köln“ hätte an Bedeutung gewonnen. Leider kam es nicht zur Gründung einer Universität, und Reinert erklärt in seinem Text, warum.

In seinem Buch „Die Beatus-Chronik“ stellt Reinert in einer Mischung aus Fiktion und geschichtlichen Fakten dar, wie um 1300 durch die Machenschaften hochrangiger Gelehrter verhindert werden konnte, dass Frechen Universitätsstadt wurde. „Es hätte so sein können, aber es war natürlich nicht so“, sagt der ehemalige Gesamtschullehrer.

Die Geschichte: Petrus und der Mönch Beatus reisen als Missionare um 1300 durch die Lande und gründen Klöster. In Frechen besuchen sie eine Abtei und pilgern von dort aus nach Rom. In Rom erteilt Petrus am Sterbebett Beatus das päpstliche Privileg, in Frechen eine Universität zu gründen.

Aus ungeklärten Widrigkeiten verzögert sich die Rückkehr Beatus’, und er trifft erst 1302 in Frechen ein. Währenddessen hat sich jedoch die politische Situation verändert, und der Machtkampf zwischen dem König von Frankreich und dem Papst tobt. Als der Papst schließlich 1303 stirbt, wird auch Frechen überfallen. Obwohl sich bereits Studenten eingeschrieben haben, wird das Universitätsprojekt von der Abtei eingestellt. So kam es, dass Frechen nie Universitätsstadt geworden ist.

Der Text ist von Reinert aus der Perspektive von Beatus als Chronik aufgezeichnet. „Ich wollte Frechen eine Geschichte zuschreiben, und es so mit Leben füllen“, sagt Reinert. Als gebürtiger Frechener ging er in den 50er Jahren in Köln zur Schule. „Jeden Tag, wenn ich am Hahnentor am Rudolfplatz vorbeikam, konnte ich die Geschichte Kölns fühlen. So etwas hätte ich mir auch für Frechen gewünscht“, sagt Reinert. Von außen betrachtet sei seine Heimatstadt durch die Nähe zu Köln jedoch immer nur als Provinz wahrgenommen worden. „Für uns junge Leute gab es nichts, wo wir unsere Freizeit hätten verbringen können.“

Frechen habe immer ein Problem gehabt, sich neben der Großstadt Köln als eigenständige Stadt zu entwickeln. Eine Universität hätte die Geschichte vollständig verändert, so Reinert. Deshalb schreibt er in liebevoller Detailarbeit seiner Stadt eine durchaus authentisch wirkende Geschichte zu.
Nachdem er krankheitsbedingt seit einigen Jahren nicht mehr als Lehrer arbeiten kann, wollte Reinert eigentlich wegen seiner Liebe zum Mittelalter einen historischen Roman schreiben, der in Frechen spielt. „Bei den Recherchen war die Chronik zuerst ein Nebenprodukt, dann aber wurde sie zum Kern des Projektes.“

Die Chronik selbst ist in Rei-nerts Werk umgeben von Anmerkungen, Hintergrundinformationen und einigen Zeittafeln, Karten und Fotos. „Für meine Theorie, dass Frechen mal für eine Universität ausgeguckt war, gibt es jedoch keine Belege. Aber dass es nicht so war, das müssen mir Experten erst mal widerlegen“, sagt Reinert. Der Autor widmet sein Buch den beiden Menschen, die beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs ums Leben kamen.

„Die Beatus-Chronik“, Edition Octopus (MV-Verlag), 170 Seiten. Broschierte Ausgabe, 15,50 Euro. Das Buch ist im Internet als „Book on Demand“ unter www.mv-buchshop.de. erhältlich.

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