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Haus am Bahndamm: Es herrscht Santa Claus-trophobia

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Singen macht Freude: Anastasia (l.) und Maria Diedrich auf der Bühne mit Daniela Bosenius und Ulrich Lussem.  Foto: Ruth Luetz-Bedorf
Das Trio Bosenius hat im Haus am Bahndamm in Frechen vor begeisterten Zuschauern ein ebenso stimmungsvolles wie satirisch belustigendes Weihnachtsprogramm auf die Bühne gebracht.  Von
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„Trio Bosenius“ nennen sie sich, die Sängerin, die Pianistin und der Rezitator. Am Freitagabend boten Daniela Bosenius, Julia Diedrich und Ulrich Lussem im ausverkauften Haus am Bahndamm einem begeisterten Publikum „Santa Claus-trophobia, das etwas andere Weihnachtsprogramm“. Es ist bereits das vierte gemeinsame Projekt der drei, die sich auf ebenso sensibel konzipierte wie unterhaltsam vorgetragene literarisch-musikalische Präsentationen spezialisiert haben. „Ich bringe die Weihnacht und bringe den Schnupfen, Silvester und Halsweh und Karneval.“ So sagt es Mascha Kaléko (1907-75) in ihrem Gedicht „Winter“ – einem der Texte, die Ulrich Lussem vortrug. Der illusionsfeindliche Ton markiert recht gut den Grundakkord des Abends, der sich auf vielfältige Weise dem weihnachtlichen Zuviel widmete: zu viel Äußerlichkeit, zu viele Geschenke, zu viel Kitsch.

„WSW – was schenke ich wem?“ Leitmotivisch und mit einem Augenzwinkern kam Daniela Bosenius immer wieder auf diese weihnachtliche Kardinalfrage zurück und entlarvte so ihre dumme Oberflächlichkeit. Ulrich Lussem erschien denn auch nur deshalb im roten Weihnachtsmannornat mit Perücke und Mitra, um sich dieser Insignien sofort demonstrativ zu entledigen. Sodann plünderte er Stück für Stück den geschmückten Weihnachtsbaum rechts auf der Bühne – ein Christbaum sei erst am Weihnachtsabend zulässig.

Im Haar zwei wippende rote Samtherzchen, war die Sängerin in ihrem langen roten Kleid mit weißer Federboa und Flügeln der Weihnachtsengel schlechthin und zugleich seine Persiflage. Stimmgewaltig vorgetragen, überspannten ihre Lieder Jahrhunderte. Von Kostbarkeiten wie dem auf Georg Friedrich Händel zurückgehenden triumphalen „Joy to the World“ reichte das Spektrum bis zu spektakulärem Operettenkitsch wie „Es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit“ von Robert Stolz. Ulrich Lussem las abschnittsweise aus dem autobiografischen Bericht „Unterm Christbaum“ von Hermann Hesse – einem Autor, dem sich das Trio Bosenius nicht zum ersten Mal widmet. Auch andere Autoren kamen zu Wort, das reichte von Goethe über Brecht bis zu Robert Gernhardt und durfte gern auch mal deftig werden. So dichtete der als Klabund bekannte Alfred Henschke (1890-1928) in „Bürgerliches Weihnachtsidyll“ über die sich als Straßenmädchen verdingende Emilie: „Papa haut ihr die Fresse breit. O du selige Weihnachtszeit.“

Musikalische Kinder

Die Pianistin und Musikpädagogin Julia Diedrich untermalte das ebenso stimmungsvolle wie satirisch belustigende Bühnenprogramm teils begleitend, teils solistisch und setzte, etwa mit Ludwig van Beethovens Variationen über „Tochter Zion“, eigene Schwerpunkte. Musikalisch sind auch ihre Kinder. Zur großen Freude des Publikums trugen die Zwillinge Anastasia und Maria Diedrich, begleitet von ihrer Mutter, das Weihnachtslied „Ihr Kinderlein, kommet“ vor und stimmten auch in eine Zugabe mit ein.

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