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Kultur: Musikalische Kettenreaktion

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Der Cembalist Friedbert Diels spielt auf einer barocken Drehleier. Er und seine Frau Dietrun Heide Diels holten über Jahrzehnte bekannte Musiker zu Konzerten nach Buschbell. Foto: Pamo Roth Pamo Roth Pamo Roth
Das Ehepaar Diels hat über 21 Jahre Konzerte in der ehemaligen Kirche Alt St. Ulrich in Buschbell organisiert. Damit hören die beiden 76-Jährigen nun auf. Übernehmen wird das Programm Musikhochschuldozentin Cordelia Miller.  Von
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Frechen-Buschbell

Der Kuriositäten-Keller des Ehepaars Diels hat schon zahlreiche namhafte Musiker kommen und gehen gesehen. Die Keramik-Künstlerin Dietrun Heide und der Cembalist Friedbert Diels – auch bekannt als „Ton und Töne“ – haben mehr als 21 Jahre Konzerte in der ehemaligen Kirche Alt St. Ulrich in Buschbell organisiert. Doch das müssen die beiden 76-Jährigen nun aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Ihr Wohnhaus avancierte mit ihrer Konzertreihe zu einem Ort des musikalischem Austauschs mit der ganzen Welt. Friedbert Diels, Gründer und Leiter des „Consortium ad Libitum“, versammelte namhafte Musiker um sein Cembalo. 1984 schlugen sogar einmal 27 Schweden in dem Keller eine Woche lang ihr Nachtlager auf. Die Volksmusikanten und -tänzer vom Ensemble „Simming och Omdans“ brachten „schwedische Tanzbodenatmosphäre“ in das Haus, wie sich Friedbert Diels erinnert. „Wir wurden abends mit Musik ins Bett gebracht und morgens mit schwedischer Musik geweckt – das war ganz zauberhaft.“

Der Keller diente aber nicht nur als Musiker-Herberge, hier fand auch der festliche Abschluss der Konzerte statt, die das Ehepaar bis zu viermal im Jahr organisierte. Dort versammelten sich die Musiker und Zuhörer und ließen das Konzert ausklingen.
Renommierte Musiker gingen in diesem Haus ein und aus und sorgten mit ihren Konzerten dafür, dass Alt St. Ulrich zur „Kultur-Kirche“ geadelt wurde. Vor allem aber lösten sie eine musikalische Kettenreaktion aus, weil sie weitere Künstler nach sich zogen. So brachte vor rund zehn Jahren der Pianist Alexander Lonquich das New Zealand String Quartett (Streicher-Quartett) während seiner Europatournee auf dem Weg nach London nach Buschbell. „Sie mochten es lieber, individuell betreut zu werden als immer nur in einem Hotel abzusteigen“, erinnert sich Heide Diels. Eine Woche lang waren die Musiker zu Besuch und nutzten das Wohnzimmer als Übungsraum. Aber auch andere renommierte Künstler wie der Soloflötist Michael Faust oder die Harfenistin Maria Graf aus Berlin kamen nach Buschbell.

Das Engagement der Diels begann, nachdem sie sich für eine neue Pfeifenorgel in der Kirche Alt St. Ulrich eingesetzt hatten. „Für den wunderbaren Anbau, die Renovierung und die Pfeifenorgel aus öffentlichen Mitteln wollten wir ein Dankeschön aus der Gemeinde geben.“ Das war der Anfang ihrer Konzertreihe, die sie später mit ihrem Förderverein „Konzerte Alte Kirche Buschbell“ am Leben hielten. Die Konzerte waren aber nicht nur wegen ihrer hochkarätigen Besetzung etwas Besonderes, auch die Zuhörer trugen ihren Teil dazu bei, wie Friedbert Diels erzählt. „Wir sind stolz darauf, dass wir unseren Musikern sagen konnten: Bei unseren Konzerten wird nicht gehustet.“ Diese intimen Konzerte schätzen die Musiker wegen der unmittelbaren Reaktion ihres Publikums und die Zuhörer gleichermaßen.

„Leider ist unser Akku leer, aber wir haben für Nachwuchs gesorgt, weil es uns gegen den Strich ging, dass es sterben sollte“, so Friedbert Diels – auch wenn mittlerweile die Gold-Kraemer-Stiftung in der Kirche ein umfangreiches Kulturprogramm anbietet. Den Vorsitz des Fördervereins übernimmt nun Cordelia Miller, Kantorin der evangelischen Kirchengemeinde und Musikhochschuldozentin. „Man muss die Jüngeren ranlassen“, so Friedbert Diels.
Das Konzert mit Musik aus Renaissance und Frühbarock mit dem Ensemble Flautando Köln, Countertenor Franz Vitzthum und Lautenist Michael Dücker beginnt am Freitag, 7. Dezember, 20 Uhr. Kartenreservierung bei Familie Diels, ☎ 02234/59836.

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