Frechen
Nachrichten und Bilder aus Frechen

Vorlesen
0 Kommentare

Messdienerin: Liebend gerne als Vorturnerin dienen

Erstellt
Maria Weingarten bespricht mit jüngeren Messdienerinnen in Frechen-Königsdorf den Ablauf der Messe.  Foto: Dr. Horst Komuth
Maria Weingarten ist gläubige Katholikin und seit langer Zeit Messdienerin - trotz einer Phase des großen Zweifelns. Die Studentin aus Frechen-Königsdorf liebt den sonntäglichen Dienst, der ihr Ruhepol nach einer stressigen Woche ist.  Von
Drucken per Mail
Frechen-Königsdorf

Bei Maria Weingarten ist es gar nicht so interessant, warum sie Messdienerin geworden ist, sondern warum sie es geblieben ist. Die 24-Jährige mit den blauen Augen und den leichten Sommersprossen sitzt auf einem hellblauen Sofa in einem der Messdienerräume im Jugendzentrum in Frechen-Königsdorf. Über ihrem Kopf hängen Fotocollagen von Messdienerfahrten und zwei selbst gebastelte Wappenschilder von der letzten Messdieneraktion, bei der sie das Harry-Potter-Quidditch-Spiel nachgespielt haben.

Maria Weingarten ist gerade mit dem Zug von der Universität Bonn gekommen, an der sie Theologie studiert. Den Bachelor-Abschluss in angewandter Medienwissenschaft hat sie bereits in der Tasche. Sie ist strebsam, sie ist religiös, aber ganz sicherlich keine religiöse Streberin. Sie lacht, nein, nach Maria und Josef ist sie nicht benannt, sondern nach der Hauptrolle aus dem Broadway-Klassiker West-Side-Story. „Ich bin ganz normal katholisch sozialisiert“, erzählt sie.
Sonntags ging die Familie in die Kirche, mittags gab es ein Tischgebet, abends beteten sie vor dem Schlafengehen. „Ich kam mir nie besonders konservativ erzogen vor, aber ich habe immer in dem Glauben gelebt, dass es einen Gott gibt und dass es eine ernstzunehmende Wahrheit für mein Leben ist.“

Darüber, ob sie Messdienerin wird oder nicht, hat sie noch nicht einmal nachgedacht. Ihr älterer Bruder Peter war Messdiener, also war es nur „ein logischer Schluss“, dass sie auch nach der Erstkommunion mit zehn Jahren Messdienerin geworden ist. Zwar konnte sie mit sechs Jahren einige Zeit nicht so viel mit dem Gottesdienst anfangen: „Ich fand es doof, wenn ich sonntags den Disney-Club im Fernsehen wegen der Messe verpasst habe.“ Maria Weingartens eigentliche Auseinandersetzung mit der Religion setzte erst später ein. Kurz vor ihrer Firmung mit 18 Jahren kam sie in ihre „religiöse Sturm-und-Drang-Phase“, wie sie es selbst ausdrückt. „Ich hatte meine Schwierigkeiten mit dem starren Korsett, das die Kirche mir auferlegt mit Dogmen und Glaubenssätzen, die man laut der Kirche nicht offen bezweifeln darf.“

Vor allem ärgerte sie, dass Frauen keine Priester werden dürfen. Das beschäftigt sie auch heute noch. Doch damals konnte Pastor Thomas Wolff ihr helfen. „Zu meinen grundlegenden Zweifeln an unserem Glauben hat er mir sehr vernünftige Antworten gegeben, dass Zweifel auch etwas Gutes sind und dass die Kirche das gar nicht so festzementiert sieht.“ Ihren lithurgischen Dienst beschreibt Maria Weingarten in einfachen Worten. „Wir helfen dem Priester in der Kirche aus, er könnte es auch alleine, aber so wird es festlicher.“ So trägt sie mit den anderen Messdienern Kerzen während des Evangeliums, „damit das Wort beleuchtet wird“, und reicht zur Eucharistie Brot, Wein und Wasser.

Messdiener haben auch eine Vorbildfunktion für die Gemeinde. Maria Weingarten: „Wir Katholiken haben ja eine relativ sportive Messe mit aufstehen, knien, hinsetzen, und wir sind im Prinzip ein bisschen wie Vorturner.“ All diese lithurgischen Handgriffe, Bedeutungen und den Messablauf lernen die Messdiener einmal pro Woche in der Gruppenstunde. Vier Gruppen gibt es zur Zeit in Königsdorf mit insgesamt rund 50 bis 60 Messdienern. Zur Adventszeit werden sie als Messdiener eingeführt. Symbolisch bekommen sie dazu in Königsdorf über ihren roten Talar und das weiße Rochette ein kleines Bronzekreuz an einem Lederband umgehängt. Inzwischen will Maria Weingarten gar nicht mehr Priesterin werden, sondern Pressearbeit für die katholische Kirche machen. Aber Messdienerin ist sie noch nach wie vor – sie kann gar nicht ohne. „Es ist eine gewisse Routine und eine schöne Sache.“ Die Woche sei stressig. Die Messe ist ihr Ruhepol. „Diese eine Stunde gibt mir Zeit, mich mit der Gemeinschaft, der Gemeinde, mit Jesus und Gott zu beschäftigen.“

An Weihnachten kommt noch eine ganz besondere Aufgabe hinzu: Die Messdiener sind dafür verantwortlich, dass die Bethlehem-Landschaft richtig aufgebaut ist „mit Sternen, Tannengestrüpp und Kaninchenstreu“. Drei bis vier Stunden bauen sie auf und arrangieren. Da müssen alle Figuren vorhanden sein und die Konstellationen passen. „Sonst stimmt die Weihnachtsszene nicht“, sagt Maria Weingarten.

Auch interessant
FACEBOOK
Kleinanzeigen