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Schützen: Vögel müssen Federn lassen

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So sieht ein Schützenvogel aus, wenn er es hinter sich hat. Doch Meister Edgar Schwerfen ist durchaus in der Lage, neue Zielobjekte zu bauen. Foto: Pamo Roth
Tischlermeister Edgar Schwerfen fertigt Holzvögel für Schützenfeste. Das Vögelzimmern liegt in der Familie. Vor Edgar Schwerfen hat es sein Vater, Tischlermeister Peter Schwerfen, gemacht. Sein Sohn ist auch schon oft in der Werkstatt.  Von
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Schon als kleiner Junge half er seinem Vater immer mit den Vögeln. Er feilte sie mit einer Raspel rund, sodass sie den Körper von Tauben bekamen. Später zeigte ihm sein Vater, wie er aus dicken Holzscheiten die Treffziele für das Schützenfest aussägte. Tischler-Meister Edgar Schwerfen fertigte sich eigene Schablonen an, und nun fabriziert er die Vögel für das Schützenfest in seiner schummrigen Werkstatt, in der es nach frisch gesägtem Holz riecht.

Meister Schwerfen verleimt Fichtenholz-Klötze miteinander. „Wir haben schon Vögel gehabt, die sind bei 100 Schuss runtergefallen, andere erst bei 300 bis 400 Schuss“, sagt Edgar Schwerfen. An einem Vogel arbeitet er zwei bis drei Stunden, denn das Produkt seiner Bemühungen wird zum Schluss auch noch angemalt. Elf Stück bastelt er für das jährliche Schützenfest. Dazu nimmt er sich extra Urlaub, denn dafür geht eine Woche ehrenamtliche Arbeit drauf.

Schwerfen ist seit 15 Jahren Vorsitzender der Schützenbruderschaft St. Mauritius Bachem, er war einmal Schüler- und zweimal Jugendprinz. Nun schießt er in der ersten Mannschaft und liegt so bei 256 getroffenen Spiegeln von 300. Der Beste der Schützenbruderschaft („der ist Weltklasse“) liegt bei 297 Spiegeln: Dominik Harnischmacher. Doch zurück zu den Vögeln: Der Königsvogel hat eine Extra-Spanplatte in seiner Mitte, damit er länger hält. Zurück bleiben oft nur „zwei Hände voll Holzspänen“. Darüber hinaus gibt es noch einen Biervogel, einen Schützenpokal und einen Hühnerpokal, den es abzuschießen gilt, oder, wie es unter Schützen heißt: „Der Vogel muss den Sitz verlassen“. Außerdem gibt es für den verstorbenen Schützen Willi Schiffer, der langjähriges Ehrenmitglied war, einen Gedächtnispokal.

Das Vögelzimmern liegt in der Familie. Vor Edgar Schwerfen hat es sein Vater, Tischlermeister Peter Schwerfen (79), gemacht. Er ist einer der letzten noch lebenden Gründer der Ortsgemeinschaft Bachem.

Auch der dreizehnjährige Sohn von Edgar Schwerfen, Leon, steht oft mit in der Tischler-Werkstatt und hilft bei der Herstellung der Schützenvögel. Aber sein Vater möchte nicht unbedingt, dass er die Familientradition übernimmt. „Danach ist Schluss“, sagt er. Das sei sowieso in ein oder zwei Jahren der Fall wegen der gestiegenen Sicherheitsvorkehrungen. Bald müssten die Vögel nur noch aus einer dünnen Holzplatte bestehen, damit keine Kugel abgefälscht wird. „Die Vögel sind vom Aussterben bedroht“, sagt Edgar Schwerfen, und man glaubt dem „Schützen mit Leib und Seele“, dass er dabei etwas melancholisch wird.

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