27.07.2016
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Café in Köln: Kurzurlaub für Kaffee-Kenner

Barista Ali Badre-Eddine (r.) holt das volle Aroma aus den Kaffeebohnen.

Barista Ali Badre-Eddine (r.) holt das volle Aroma aus den Kaffeebohnen.

Foto:

Goyert

Köln -

Ein freundlicher Barista mit südländischem Teint, der die Kundschaft mit seinem Lächeln verzaubert, entspannte Chill-out-Musik, die leise aus den Lautsprechern rieselt und über allem ein kräftiger Duft von gerösteten Kaffeebohnen – Wer die „Coffee Lounge“ an einem kalten Wintertag betritt, wähnt sich schnell in einem mediterranen Kurzurlaub. Dass sich dieses Gefühl mit Hilfe der angebotenen Espressospezialitäten auch auf den Gaumen erweitern lässt, scheint sich herumgesprochen zu haben. Viele Gäste nutzen selbst ihre Mittagspause, um für einen kurzen Stopp bei Stefan Vornholt und seinen Mitarbeitern vorbeizuschauen. „90 Prozent sind Stammgäste“, sagt der Besitzer. Das war nicht immer so: Als er das Café vor knapp zwölf Jahren übernahm, liefen die Geschäfte eher schlecht.

Geändert hat sich dies mit der neuen Kaffeemischung, die seit einigen Jahren in der Espresso-Bar zum Einsatz kommt. „Es ist ein Kaffee für Kenner, den es nicht für den Hausgebrauch zu kaufen gibt. Eine 7-zu-1-Mischung, bestehend aus sieben Anteilen Arabica-Bohnen und einem Anteil Robusta-Kaffee.“ Vor allem Letzterer sorge für die unverwechselbare Crema des Kaffees.
Produziert wird die unverzichtbare Grundzutat in einer kleinen Privatrösterei in Florenz. „Dort wird die Arbeit noch von Hand gemacht“, sagt der Experte und berichtet von den Vorteilen gegenüber der Maschinenproduktion: „Anders als in großen Unternehmen werden die Bohnen nicht mit Wasser abgekühlt.“ Das sei gut für das Aroma.

Verspielt verzierter Kaffee

Angeeignet hat sich Vornholt diese Kenntnisse während des laufenden Betriebs. „Als ich hier angefangen habe, hatte ich noch gar keine Ahnung von Kaffee“, gesteht er freimütig. Um die Wissenslücken zu schließen, besuchte er die Barista-Meisterschaften im italienischen Sanremo und in Monaco. Dort habe er auch gelernt, dass der Schlüssel zu einem perfekten Kaffeeerlebnis die aufgeschäumte Milch ist. Viele Cafés begnügten sich in diesem Punkt damit, Luftbläschen in die Milch zu pusten, was geschmacklich dann auch eher einer Luftnummer gleiche. Was Vornholt damit meint, erklärt sich nach einem Nippen am frisch zubereiten Schaum eines Cappuccino der Coffee Lounge. Die weiße, aus frischer Milch zubereitete Wolke erinnert in ihrer Konsistenz tatsächlich an Creme.

Eine Kunst für sich ist auch die verspielte Verzierung der Kaffeekreationen. Ist die Milch richtig aufgeschäumt, lassen sich mit einem dünnen Stab verschiedene Motive auf den Schaum bringen. Herzen, Blätter, sogar ein Schwan sind mit ein wenig Fingerspitzengefühl möglich. „In Italien ist es nicht unüblich, dass ein Barista seinen Kunden mit der Hand das Fußballergebnis in den Schaum schreibt“, sagt Vornholt.

Brownies und Muffins

Dass er neben seiner Liebe zum Kaffee noch ein weiteres interessantes Faible besitzt, fällt recht schnell auf, wenn man der Theke den Rücken kehrt und seinen Blick über die Wände der Lounge schweifen lässt. Hier hängen, elegant gerahmt, mehrere Schwarz-Weiß-Bilder des Fotokünstlers Garry Winogrand. „Er ist einer der bekanntesten Street-Art-Fotografen der Welt. Seine Serie «Women are beautiful» hatte großen Einfluss auf die Werbefotografie der 70er und 80er Jahre“, sagt Stefan Vornholt.

Eine wichtige Information zum Schluss: Wer mit leerem Magen in der Coffee Lounge eintrifft, braucht selbstverständlich nicht zu darben. Es gibt täglich frische Brownies und Muffins. Sehr zu empfehlen sind auch die belegten Bagel, die auf Kundenwunsch frisch und in verschiedenen Variationen zubereitet werden. Wer seinen Snack in Ruhe zu sich nehmen möchte, kann dies – ein wenig abseits des Bar-Trubels – in der schön eingerichteten Sitzecke tun.