24.07.2016
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Lieblingsort : Pablo und die Tapas

Köchin Julia Floß stellt einmal im Monat ihre kulinarischen Lieblingsorte vor. Hier ist es das Pablo in Sülz.

Köchin Julia Floß stellt einmal im Monat ihre kulinarischen Lieblingsorte vor. Hier ist es das Pablo in Sülz.

Foto:

Bilder: Dörthe Boxberg

Köln -

Sülz ist eigentlich eines der hübscheren Viertel Kölns – familienfreundlich, viele Spielplätze, pittoreske Straßenzüge mit viel Grün und sanierten Altbauten. Mittendrin verläuft die Marsiliusstraße – wenig malerisch und eher aus der Abteilung urbane Tristesse. Ich stolpere über das Kopfsteinpflaster vorbei an Discounter und Parkplätzen und blicke auf eine geometrisch korrekte Linie grauer Garagentore. Die einzigen Farbtupfer: eine orangefarbene Neonreklame aus den 70ern und eine angestaubte Hausfassade in Mint. Die Nummer 39 passt ins karge Straßenbild. Die Front ist grau-weiß gefliest, die Fenster sind vergittert. Über der weinroten Markise steht schlicht und unauffällig „Pablo“.

Normalerweise wehre ich mich mit Händen und Füßen gegen Tapasbars. Das hat einen guten Grund: Die meisten vermeintlichen Tapas-Konzepte bestehen aus miesen Cocktails, unerträglichem Latinpoplärm und frittierten Krebsfleischbällchen. Die haben zu 90 Prozent weder etwas mit Tapas noch mit Krebsfleisch zu tun.

Leckere Klassiker

Das Pablo widerlegt mühelos alle meine Vorurteile und schreibt mit hocherhobenem Haupt Klassiker wie Datteln im Speckmantel, Patatas Fritas und Lamm mit Pflaumen aufs Menü. Das Restaurant ist so schlicht wie seine Fassade. Auf jedem Holztischchen steht eine Kerze, an der Wand hängt eine Tafel mit Tagesangeboten und die Karte besteht aus drei Blättern: Tapas, Rotwein, Weißwein – das war’s. Der strukturierte Deutsche muss sich mit dem Gedanken anfreunden, dass die Speisen nach und nach in kleinen Portionen auf dem Tisch eintreffen. Man probiert überall, tunkt das Brot in jeden Dip, bestellt während des Essens Köstlichkeiten von der Tageskarte und redet darüber, wie lecker alles ist – spanische Lebenslust für Anfänger.Learning by eating.

Die Sardellen (Boquerones) sind mit viel Knoblauch eingelegt und angenehm sauer abgeschmeckt. Empanadas sind knusprige Teigtaschen mit Hackfleischfüllung. Die Salsa Brava dazu schmeckt fruchtig-süß, mit leichter Schärfe und frischem Koriander. Die Gambas werden natürlich vom Gast gepult und man tunkt anschließend sein Brot in den Bratsaft – so simpel, so großartig.

Übrigens, auch wenn der spanische Inhaber mittlerweile auf die Anrede „Herr Pablo“ reagiert, Namensgeber ist eigentlich ein gewisser Herr Picasso.

Pablo, Marsiliusstraße 39, 50937 Köln, 0221/4759252;

Öffnungszeiten: Mo bis So ab 18.30 Uhr, Küche von 19 bis 23 Uhr