28.08.2016
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Tippeltour 306: Mörderisches am bergischen Wegrand

Wasserfall am Weg

Wasserfall am Wegesrand.

Foto:

Squentz

Müllenbach -

Ob der Unnenberg den Namen von den „Hunnen" oder doch von „Nonnen" hat: Das zu entscheiden, dazu reicht der Fifty-fifty-Joker nicht. Denn weder Attila noch Klosterfrauen waren jemals hier. Außerdem gibt es noch das Wörtchen „unda", das als Namensgeber schon herangezogen worden ist: lateinisch für „Welle". Nun ist der Unnenberg weit älter als die Genkel-Talsperre zu seinen Füßen, aber deren Wellen sind auch nicht gemeint, sondern jene, deren Form dem Bergland nachempfunden worden ist. Und an den Unnenberg grenzen der „Lange Berg" und gegenüber der „Engelnberg". Sie alle liegen auf dem Weg, den wir uns vorgenommen haben.

Wir beginnen an der Müllenbacher Kirche: Die frische weiße Farbe kann ihr Alter nicht verbergen. Sie stammt aus dem 11. Jahrhundert, der Turm ist wenig jünger und wurde repariert, als Goethe sieben Jahre alt war: „Turris reparata 1756", lesen wir auf einer Tafel an der Außenwand. Als Luther seinen Hymnus „Ein feste Burg ist unser Gott" schrieb, da hätte er an diese Kirche denken können. Im Innern glaubt man gerne, dass ihr Mauerwerk mehr Volumen misst als der umbaute Raum.

Wir gehen vom Seitenschiff weiter bis zum Querschiff im Altarbereich, dann über Treppenstufen links hinab und auf die Straße. Wir gehen links hinauf, berühren noch einmal den Ort, und folgen rechts der Straße „Zu den Rödelteichen" geradewegs zum Ort hinaus. Vom letzten Wohnhaus aus geht es auf Schotter sacht zu Tal, nach 400 Metern bei einer grünen Bank im Rechtsschwenk über einen Bachlauf hinweg und mit ihm weiter sacht hinab. Hier finden wir das Zeichen des Rundwegs „A 3", dem wir fast auf der ganzen Strecke folgen. Nach 350 Metern schwenkt der Weg nach links und knickt dann 100 Meter weiter, ehe das Gelände vor uns abfällt, scharf nach links. Jetzt haben wir den Lambach auf der Rechten unter uns.

Aussicht vom Unnenberg

300 Meter weiter überqueren wir bei einem Wegedreieck nun auch diesen Wasserlauf in einer spitzen Kehre und folgen ihm auf dem linken Ufer, weiter mit „A 3". Der Bach in seinem Kerbtal schwenkt nach links, wir mit ihm, und stoßen unten schließlich auf die kleine Straße. Bis hierhin sind wir nur bergab gegangen. Jetzt steht vor uns der Unnenberg, und wir sind bereit für die Erklärung, dass er so heißt, weil wir ja „unnen" anfangen zu steigen. Wir kreuzen erst die Straße, dann die kleine Thalbecke dahinter und wenden uns dann links und wandern weiter mit „A 3".

So geht es mehr als einen halben Kilometer weit mit sachter Steigung. Dann queren wir, etwa 50 Meter vor einer Schutzhütte, aufs Neue eine kleine Straße und steigen vor der Hütte halbrechts weiter auf. So erreichen wir 850 Meter weiter den Parkplatz „Unnenberg" auf der Passhöhe unter dem Gipfel. Hier gehen wir rechts, orientieren uns an der Wandertafel und wandern mit der Straße dann bergauf (Zeichen: „A 3", „X", „Straße der Arbeit" und „Wasserquintett"). 300 Meter weiter knickt die Straße links und steigt nun steiler an. Bald sehen wir tief unter uns das Wasser der Genkel-Talsperre. Nach abermals 400 Metern schwenkt die Straße scharf nach rechts und bringt uns auf das Gipfelplateau. Noch vor der Turmgaststätte (die leider geschlossen ist) verlassen wir die Straße und gehen geradewegs auf den Turm zu. Der neue Aussichtsturm von 2001 ist glücklicherweise geöffnet, und so steigen wir hinauf rechtsgewendelt, 171 Treppenstufen in praktischen Siebenerpäckchen, bis wir die 31,80 Meter bis zur Plattform bezwungen haben. Der Unnenberg, 505,70 Meter hoch, ist nicht der höchste Turm im Oberbergischen: Der Homert, sechs Kilometer weit entfernt, ist mit 519,20 Metern höher. Aber der hat keinen Turm. Also sind wir doch am höchsten. Und entsprechend ist die Aussicht: Von der Hohen Acht bis Schmallenberg soll hier die Fernsicht reichen. Wir sehen immerhin den Sender auf der Gummershardt, den Holzturm auf dem Knollen bei Bergneustadt, das ganze Oberbergische von oben. Dazu zwei Sendemasten nebenan.

Abwärts am Langen Berg

Wieder unten, gehen wir zwischen Turm und Turmgaststätte weiter („A 3" und andere, auch „Wasserquintett") hinter einer großen Buche links in den Fichtenwald, vorbei an den zwei Antennen. Es geht auf einem schmalen, gutmarkierten Pfad hinab, links vorbei am Wasserhochbehälter der Stadtwerke Gummersbach. Dann stoßen wir bei einer Holzbank wieder auf die kleine Straße und folgen ihr links („X", „A 3", „Wasserquintett"). Gut 100 Meter nehmen wir den Querweg rechts und folgen unseren vertrauten Zeichen auf den Wanderparkplatz zu mit der Schutzhütte dahinter: Wir gehen, wo der Weg sich gabelt, rechts („A 3", „Wasserquintett"), an einer Waldwiese zur Rechten entlang mit einer Bank, und bei der nächsten Gabelung nach 150 Metern wieder rechts.

Tief ist der Bachlauf auf der Rechten eingekerbt, den den Unnenberg vom Langen Berg trennt, an dessen Rand wir abwärts steigen. Nach rund 450 Metern stehen wir bei einer grünen Bank auf einem Querweg, der weniger steil in der Böschung verläuft. Ihm folgen wir nun mit dem „Wasserquintett" nach rechts, während Weg „A 3" schnurstracks bergab führt. So queren wir das Kerbtal des kleinen Sturzbachs und passieren etwa 150 Meter weiter noch einen zweiten Quellbach. Hier schwenkt der Weg nach links und bringt uns wieder durch das Kerbtal über das Wasser hinweg und weiterhin den Wald hinab.

Ehemalige Galgenstätte

Nach reichlich 100 Metern verlässt ein breiter Schleppweg unseren markierten Weg nach links. Hier finden wir zur Rechten einen Trampelpfad und folgen ihm für einen Abstecher zurück zum Bach, der hier als kleiner Wasserfall über die Grauwacke schießt. Zurück auf dem markierten Weg, folgen wir den grünen Zeichen des „Wasserquintett" weiter hinab, bis wir das Tal am Fuß des langen Bergs erreichen. Wir gehen links, von rechts stößt bald ein unmarkierter Weg hinzu, sowie von links oben der „A 3". So erreichen wir die Dahler Brücke über die Thalbecke, wie nun das Wasser heißt. Wir gehen hinüber auf den Parkplatz.

Vor Zeiten, so wird erzählt, war dies die Stätte für den Galgen. Der Ort, an dem sich nicht nur die Gewässer trafen: Ein Mann ohne Kopf, ein Ziegenbock sowie ein weißer Hahn sind belegt. Dazu passt, dass die „Thalbecke" nur einen Kilometer unterhalb verschwindet, um dann als „Becke" wieder aufzutauchen und zuletzt als „Seßmarbach" in die Agger zu münden. „Müllenbach 2 km" steht an der Straße. Ein Katzensprung. Wir aber gehen links im schönen Bogen, und müssen erst den Engelnberg bezwingen: von 290 Metern auf 400 hinauf. Wir folgen unseren beiden Wegmarkierungen nach links, über einen Bachlauf hinweg und gleich darauf im spitzen Winkel in die Böschung. Ein Hinweis der „Basalt AG" verspricht hier einen Aussichtspunkt auf den Steinbruch Niederhagen in 1,6 Kilometern. Der Weg steigt an und schwenkt bei einem Wegedreieck nach reichlich 100 Metern scharf nach links. So folgen wir der Thalbecke auf diesem alten Karrenweg für mehr als einen halben Kilometer rasch hinauf.

Mörderische Jungfrau

Beim nächsten Wegedreieck sind es weiter geradeaus noch 1,1 Kilometer zum Aussichtspunkt. Wir gehen an der grünen Bank vorüber scharf nach rechts und steigen weiter mit den beiden Zeichen. Oben schwenkt der Weg nach links. Nun sehen wir beim Blick zurück den Unnenberg, passieren eine Rinderweide und kreuzen rechts neben dem hellgelben Haus 2a die Höhenstraße („Müllenbach 1 km"). Hier geistert eine Jungfrau herum, die einst ihr Kind im Kuhstall umgebracht haben soll. Bei einer gelben Schranke geht es in den Wald. Hier umrunden wir nun mit dem sogenannten „Steinbruchweg" halb die flache Höhe rechter Hand („A 3"): Überall sind Spuren alter Steinbruchtätigkeit zu finden. Bis weit ins 20. Jahrhundert war Grauwacke aus Müllenbach als Straßenbelag beliebter als Basalt, weil sie griffiger und spaltbar war.

Seit 1898 gab es gar eine elektrische Kleinbahn für den Abtransport. Wir passieren den Schießstand der Polizei in einem der Brüche. Nach etwa einem Kilometer verlässt uns am Ende einer alten Stützmauer der Weg „A 3" im spitzen Winkel rechts. Wir gehen weiter mit dem breiten „Steinbruchweg" („A 2" und das Zeichen der „Straße der Arbeit"). Bei einer rostigen Schranke kommen wir aus dem Wald hinaus und zurück in den Ort. Wer Blasen hat, der findet, wenn er Glück hat, Hilfe in Haus 36 b: Dort sitzt die Bergrettung von Südtirol.

Was man nicht mehr findet, ist das Müllenbacher Schloss. Der Pastor vom Ort musste einst seinen Predigttext allsonntäglich vom Herrn von Möllenbeck, sagen wir: absegnen lassen. Doch eines Sonntags war der Herr zur Jagd, der Pfarrer predigte auch ohne ihn, und als der Grundherr ihn so antraf, erschoss er ihn vom Pferd aus wie ein wildes Schwein. Daraufhin stürmten die Bauern das Schloss und brannten es nieder, und der Herr von Möllenbeck floh in die weite Welt. Zurück ließ er bloß seinen Namen: Möllenbeck, Müllenbach.