KÖLN – Das beschauliche Lingen wird auf der offiziellen Homepage der Stadt als „wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Emslandes“ angepriesen. Als Sehenswürdigkeiten gelten die 1653 erbaute Posthalterei und die idyllischen Brögberner Teiche. Fußball-Experten ist Lingen aber nicht wegen der schönen Landschaft bekannt, sondern aufgrund der exzellenten Torwartschule. Nachdem 1998 Stefan Wessels vom TuS Lingen zum FC Bayern München wechselte, gelang zwei Jahre später auch Michael Rensing der Sprung zum Rekordmeister – sehr zur Freude der rund 55 000 Einwohner. „Michael Rensing ist hier jedem ein Begriff und hat hier sehr viele Fans“, sagt TuS-Vorstandssprecher Reinhard Klus, der im vergangenen Jahr Michaels Bruder, Thomas Rensing, zum Obmann beim Bezirksligisten machte und die Laufbahn des ehemaligen Junioren-Nationaltorhüters stets verfolgte.
Nach dem Wechsel zum FC Bayern und dem Sprung in den Profi-Kader erging es Rensing jedoch ähnlich wie seinem ehemaligen Lingener Vereinskameraden Wessels. Als Vertreter für Oliver Kahn und in der Junioren-Nationalmannschaft zeigte er herausragende Leistungen, durchsetzen konnte er sich aber nicht – Rensing war der Aufgabe als Nachfolger Oliver Kahns nicht gewachsen.
Nachdem der Vertrag des Torhüters nach etlichen Patzern und dem Verlust des Stammplatzes an Hans-Jörg Butt in München im Sommer 2010 nicht verlängert wurde, folgten sechs quälende Monate ohne Profi-Fußball, bis er im Dezember beim 1. FC Köln unterschrieb. Eine erneute Parallele zu Wessels, der von 2003 bis 2007 das Kölner Tor hütete. Auch Rensing würde gerne länger am Geißbockheim bleiben. „Es war die richtige Entscheidung, nach Köln zu wechseln. Ich kann mir gut vorstellen, lange hier zu spielen. Das liegt aber auch an in den Händen des Vereins“, sagt Rensing, der mit den Bayern vier Mal das Double aus Pokal und Meisterschaft holte.
Von Titelgewinnen und der Champions League ist der 26-Jährige derzeit weit entfernt, doch das Duell bei Spitzenreiter Borussia Dortmund am Freitag (20.30 Uhr) vor über 80 000 Zuschauern ruft Erinnerungen an erfolgreichere Zeiten hervor – und ist eine Rückkehr auf die große Fußball-Bühne. „Ich habe mit den Bayern schon in Dortmund gespielt und empfinde absolute Vorfreude. Es ist ein besonderes Spiel.“
Bei der großen FC-Karnevalssitzung im Sartory Saal wurden die Spieler und Verantwortlichen des Klubs mit euphorischem Beifall empfangen. (alle Bilder: Dahmen)
Bayern München hat den Schweizer Nationalspieler Xherdan Shaqiri verpflichtet. Wie der Verein mitteilte, erhält der 20-Jährige beim Rekordmeister einen Vierjahresvertrag ab 1. Juli 2012. Der Mittelfeldspieler von Bayerns kommenden Champions-League-Gegner FC Basel war bereits unter der Woche zu medizinischen Untersuchungen in München. „Wir freuen uns sehr, dass wir eines der umworbensten Talente des europäischen Fußballs verpflichten konnten,“ sagte Sportdirektor Christian Nerlinger. Über die Ablösesumme des 17-maligen Nationalspielers wurde offiziell Stillschweigen vereinbart. Nach übereinstimmenden Medienberichten soll Shaqiri mit Erfolgsprämien bis zu zwölf Millionen Euro kosten. „Mit seiner Spielintelligenz und seinen Dribblings wird er unsere Mannschaft in den kommenden Saisonen verstärken“, sagte Trainer Jupp Heynckes. Der 66-Jährige sei „überzeugt, dass er für den FC Bayern ein wichtiger Spieler werden kann.“ (Bild: Reuters)
Den 3:1-Sieg des BVB bei seinem Ex-Klub verfolgte er vor dem Fernseher. „Dortmund ist das Non-Plus-Ultra. Es ist absolut beeindruckend, wie die Borussia aufgetreten ist. Dennoch fahren wir mit breiter Brust nach Dortmund, wir haben auch eine sehr gute Rückrunde gespielt“, sagt Rensing und schwärmt von der Entwicklung beim FC. „Es macht momentan einfach Spaß. Als ich nach Köln kam, war die Situation noch anders. Viele haben nicht wirklich an den Klassenerhalt geglaubt. Aber wir haben alle mitangepackt, das sieht man auch auf dem Platz. Der Zusammenhalt und die Stimmung sind jetzt viel besser.“
Trotz des Aufwärtstrends ist Köln noch immer das Schlusslicht der Auswärtstabelle – schlechte Vorzeichen für das Duell beim Tabellenführer. Doch das Selbstvertrauen ist nach dem Sprung auf Platz drei der Rückrundentabelle groß. „Wir müssen aggressiv und aktiv in den Zweikämpfen sein und konsequent draufgehen, anstatt tief zu stehen und uns einlullen zu lassen. Dann können wir etwas holen“, sagt Rensing, der sich im Falle eines Erfolgs auch dem Karneval öffnen will. „Ich kenne nur den Rosenmontagsumzug in Lingen. Aber falls es sich mit den Mannschaftskollegen ergibt, werde ich mit in die Stadt gehen.“



