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Nach 14 Jahren: Spröde Scheidung an der Wester

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Abschied bei Werder: Thomas Schaaf. Foto: dpa
Thomas Schaaf und Werder Bremen gehen getrennte Wege. Nach 14 Jahren ist Schluss. Bei Bremen will Sportdirektor Thomas Eichin einen Neuanfang einläuten. Es sei aber eine harte Entscheidung gewesen, sich von Schaaf zu trennen.  Von
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Bremen

Was bleibt? Immerhin ein ideales Refugium zum geordneten Rückzug. Schon seit seiner Zeit als Spieler bewohnt Thomas Schaaf mit seiner Frau Astrid jenen gepflegten Bungalow in Brinkum, der von hohen Hecken umgeben ist. Gleich dahinter liegen Wiesen und Weiden, zwischen denen der Familienvater gern auf dem Rennrad fährt. Und dann ist da noch sein bester Freund, der Jugendtrainer und Nachbar Bernd Pfeifer, der immer ein offenes Ohr für jenen Mann hat, der seit Mittwochmorgen kein Bundesliga-Trainer mehr ist.

Um 10.05 Uhr verschickte der SV Werder am Mittwoch eine Pressemitteilung, die die Trennung von Trainer Thomas Schaaf verkündete, der seit 1972 dem Verein angehört. Schaaf war Erstliga-Coach seit fast genau 14 Jahren oder exakt 5119 Tagen - das hat noch nie jemand in 50 Jahren Bundesliga geschafft. Wie kam es zu der Trennung? "Wir haben unsere sportliche Entwicklung analysiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir einen Neuanfang wagen wollen", teilte Geschäftsführer Thomas Eichin mit. "Es war eine harte Entscheidung."

An der Veranstaltung im fensterlosen Mediensaal unter der Ostkurve des Weserstadions, wo Schaaf zuletzt nach dem 1:1 gegen Frankfurt so missmutig gesessen hatte, nahm der 52-Jährige nicht mehr teil. Ein Indiz dafür, dass es doch zur eher unschönen Scheidung kam, sooft auch Eichin betonte, man habe das "harmonisch" gelöst. Dass Schaafs Vertrag bis 2014 läuft, werde "Werder-like" geregelt: Es gibt eine Abfindung. Nach dem Gespräch mit der Geschäftsführung in Person von Vorstandschef Klaus Filbry, Klaus-Dieter Fischer und Eichin zog der Fußballlehrer einen Schlussstrich, der zu seiner mitunter eigenwilligen, aber konsequenten Art passte: Mit der Verabschiedung von den Spielern beendete der gebürtige Mannheimer seine Tätigkeit. Seine Co-Trainer Wolfgang Rolff und Matthias Hönerbach haben beim Saison-Finale in Nürnberg die Verantwortung. Schaaf wollte das "nicht mehr machen", so Eichin.

Den Daumen senkte schlussendlich im Zusammenwirken mit Aufsichtsratschef Willi Lemke wohl der mächtige Vereinspräsident Fischer - ohne die graue Eminenz wird keine grün-weiße Personalie abgesegnet. Der 72-Jährige machte aus dem Spieler Schaaf überhaupt erst den Trainer Schaaf, indem er ihn einst für eine Gehaltserhöhung von wenigen Hundert Mark in die Pflicht nahm, bitte schön nebenbei noch eine Jugendmannschaft zu betreuen.

Ein Gewinn für beide Seiten: Schon bald übernahm der ehemalige Rechtsverteidiger die Amateure und führte in der Regionalliga eine Viererkette ein, als die Bundesliga noch mit Libero spielte. Am 10. Mai 1999 erfolgte seine Beförderung zu den Profis, die er wettbewerbsübergreifend in 644 Partien betreute.

Der Schnauzbartträger schaffte es, dem damals darbenden Klub eine unverwechselbare Identität zu geben. Mit forschem Vorwärtsfußball, bei dem die Mittelfeldraute genau wie die Gegentorflut zum Markenzeichen mutierte. Stars wurden an der Weser entwickelt, wo um Strategen und Künstler wie Johan Micoud, Diego und Mesut Özil stilbildende Teams begeisternde Spiele boten. Gleich am Anfang gewann Bremen unter Schaafs Führung den DFB-Pokal, das sensationelle Double 2004 leitete eine Hochphase mit sechs Champions-League-Teilnahmen ein. Doch das Gebilde wurde sportlich größer, als es der Standort wirtschaftlich sein konnte.

Seit etwa drei Jahren wirkte man in Bremen irgendwie hilflos, weil plötzlich findige Perlentaucher aus Freiburg und Mainz, zuletzt sogar aus Nürnberg oder Frankfurt die besseren Perspektivspieler aufspürten. Mit Klaus Allofs ging Schaafs vertrauter Weggefährte im November 2012, im Januar sollten im Wintertrainingslager im türkischen Belek neue Kräfte mobilisiert werden, aber es folgte eine fürchterliche Rückrunde. Schaaf gingen zudem die Mitstreiter aus - intern wird von einer Beratungsresistenz in Krisenzeiten berichtet.

Den Klub stellt die Trennung vor eine Zeitenwende: Mit Kevin de Bruyne und Sokratis wird Werder seine besten Kräfte verlieren. Wer nun diesen mittelmäßigen Kader übernehmen soll, das wird eine schwierige Entscheidung für Eichin. Vorgabe des 46-jährigen Krisenmanagers: "Es wird ein Trainer von außen kommen, einer, der hier nicht jeden Stein kennt."

Aber das ist nicht mehr Thomas Schaafs Problem. Er zieht sich erst mal zurück. Nach Brinkum.

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