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Nationalelf: Löw will Spielstil weiter verfeinern

Viele Talente und ebenso viel Arbeit: Joachim Löw. Foto: dpa
Das Länderspieljahr ist beendet: Trotz des verpassten EM-Titels und der zuletzt offenbarten Schwächen blickt das DFB-Team auf ein erfolgreiches Jahr zurück – und ist gut für die Zukunft aufgestellt. Eine Analyse.  Von
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Amsterdam. 

Das letzte Spiel

Ein 0:0 in den Niederlanden ist eigentlich ein achtbares Ergebnis. Erreicht noch dazu ohne acht Stammspieler. Doch die Ansprüche sind in Deutschland mit der Zahl der Talente gestiegen. So reichte es nicht wirklich, dass die Nationalelf die Kontrolle übernommen und technische Feinheiten hatte aufblitzen lassen. Als Hauptvorwurf gilt mal wieder der Mangel an Siegeswillen – der wunde Punkt der Ära Löw. Zufrieden war der Bundestrainer dennoch. Er habe „wichtige Erkenntnisse“ gewonnen: „Wir haben gute Alternativen.“ Davon ist auch Louis van Gaal überzeugt, der selbst die deutsche Notelf als nahezu unbezwingbar verklärt: „Alle deutschen Spieler haben Champions-League-Niveau, bei uns nur vier. Dann ist Robben ausgefallen, dann waren es noch weniger.“

Die Lage

Wäre die Auswahl Löws bei der Europameisterschaft nicht auf womöglich vermeidbare Weise an Italien gescheitert, hätte das Jahr 2012 auch ohne den ersehnten Titelgewinn das Prädikat „erfolgreich“ erhalten. Doch das von Angst geprägte 1:2 im Halbfinale und die Spiele in Österreich (2:1) und gegen Schweden (4:4 nach 4:0-Führung) haben Narben hinterlassen. Die Folgen: Eine öffentlich geführte Führungsspielerdebatte, eine Taktikdebatte und zuletzt sogar eine Tauglichkeitsdebatte um den Bundestrainer.

Der Trainer

Auch ohne Titel ist der Bundestrainer Löw unumstritten und als Architekt des Erfolgs anerkannt. Die bitter bestrafte Ausrichtung auf das italienische System sowie das argwöhnisch beobachtete Selbstgefallen nach diversen Wechselspielen haben ihn aber geschwächt. Löws Entscheidungen werden seit der EM kritischer durchleuchtet, den Nimbus der Unfehlbarkeit hat er verloren.

Die Mannschaft

2012 hat sich der Nährboden der Nationalmannschaft weiter vergrößert. Löw kommt mit dem Nominieren neuer Talente gar nicht mehr nach. Die rasante Entwicklung von Marco Reus, Mario Götze und Toni Kroos hat nochmals für einen Qualitätsschub gesorgt. Spieler wie Manuel Neuer, Sami Khedira, Mesut Özil und Mario Gomez zählen zur Weltspitze – sind aber dennoch fast gleichwertig zu ersetzen. Selbst die B-Elf ist stärker einzuschätzen als frühere DFB-Teams.

Die Taktik

Noch immer vertraut Löw dem 4-2-3-1-System. Diese Ausrichtung stößt aber allmählich an ihre Grenzen. Die zunehmend verteidigenden Bollwerke der Gegner verlangen nach neuen Lösungen. So hielt am Mittwoch der stürmerlose spanische Kreisel Einzug in das deutsche Taktik-Handbuch. Dennoch wird Löw am 4-2-3-1 festhalten, die Grundformation durch größere individuelle Freiräume und Positionswechsel aber modifizieren. Einen Kurswechsel von Erlebnis- zu Ergebnisfußball schließt er trotz 22 Gegentoren in 14 Spielen aus: „Es wird wichtig sein, die richtige Balance zu finden. Wir wollen unser offensives Potenzial nicht aufgeben, müssen die Unregelmäßigkeiten aber ablegen. Wir dürfen uns nicht von unserem Spielstil abbringen lassen.“

Ausblick 2013 (und 2014)

Die schier unendlich sprudelnde Quelle von Talenten wird Löw auch in den nächsten Jahren erhalten bleiben. Ein Qualitätsverlust bis zur WM 2014 ist nicht zu erwarten, zumal die negativen Erfahrungen durchaus hilfreich werden können. So bilanzierte Löw: „Wenn wir unsere Spielidee durchgezogen haben, ging es gut. Wenn wir davon abgekommen sind, hatten wir Schwierigkeiten.“

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