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Schlafforscherin: Schnarchende Kinder oft falsch behandelt

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Das eher bei Erwachsenen bekannte Schlafapnoe-Syndrom tritt bei rund sieben Prozent der Kleinkinder auf.
Das eher bei Erwachsenen bekannte Schlafapnoe-Syndrom tritt bei rund sieben Prozent der Kleinkinder auf.
Foto: dpa

Viele Kinder schnarchen nach Beobachtungen von Schlaflaboren so stark, dass es zu Atemnot und ständigen Weckreizen kommt. „Anders als Erwachsene reagieren Kinder tagsüber darauf aber weniger mit Müdigkeit, sondern mit Zappeligkeit und Unaufmerksamkeit“, sagte die Schlafforscherin Sabine Scholle vom Robert-Koch-Krankenhaus Apolda. „Sie werden deshalb oft in die ADHS-Ecke gestellt und fälschlicherweise mit Medikamenten behandelt.“ Mit Schlafstörungen bei Kindern befasst sich eine Tagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) in Jena.

Das eigentlich von Erwachsenen bekannte Schlafapnoe-Syndrom - starkes Schnarchen mit Atemaussetzern - trete etwa bei sieben Prozent der Kleinkinder auf, verwies Kongressleiterin Scholle auf Studienerkenntnisse. „Zur Abgrenzung von ADHS sollten Kinderärzte fragen, ob die Kinder schnarchen“, sagte sie. Für eine weitergehende Diagnostik könnten diese dann in ein Schlaflabor überwiesen werden. Nach Angaben der Expertin behandeln mindestens 50 der rund 300 Schlaflabore bundesweit auch Kinder.

20 Prozent haben Schlafstörungen

Dazu gehört auch das schlafmedizinische Zentrum Apolda, das 1992 als eines der ersten im Osten Deutschlands eröffnet wurde. Es stellt in Jena die nach eigenen Angaben erste nationale Studie zu Normwerten für den Schlaf von Kindern und Jugendlichen vor, in die Daten aus 16 deutschen Laboren eingeflossen sind. „Damit lässt sich abgrenzen, ab wann es sich um eine echte Schlafstörung handelt“, sagte Scholle. Die Labore zeichnen mit spezieller Untersuchungstechnik die Körperfunktionen während des Schlafs auf, was etwa einen Überblick über die Zahl der Atempausen oder der Beinbewegungen gibt.

Die DGSM geht davon aus, dass bei etwa 20 Prozent aller Kinder Schlafstörungen auftreten. Dabei spielten neben dem Alter der Kinder auch bestimmte Umbruchphasen in deren Lebensgewohnheiten eine Rolle, etwa der Wechsel der Kita oder der Schulbeginn, sagte Scholle. Ein- und Durchschlafstörungen würden von den Eltern allerdings mitunter auch gefördert. „Schreiende Kleinkinder müssen nicht gleich aus dem Bett geholt und gefüttert werden, damit sie wieder einschlafen.“ Es sei völlig normal, dass Kinder nachts immer einmal aufwachten. „Erst wenn das mindestens viermal pro Nacht und das auch über einen längeren Zeitraum passiert, kann man von einer Schlafstörung reden.“ (dpa)