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Wissenschaftler: Warnung vor Chemikalien im Trinkwasser

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Medikamente, Reinigungsmittel und andere chemische Stoffe gelangen täglich in den Wasserkreislauf.
Medikamente, Reinigungsmittel und andere chemische Stoffe gelangen täglich in den Wasserkreislauf.
Foto: dpa

Aus Medikamenten und Reinigungsmitteln: Ins Abwasser gelangen tausende Chemikalien. Ihre Wirkung ist kaum bekannt. Industrie und Verbraucher sollten etwas dagegen tun, fordert ein Umweltwissenschaftler.

Durch den verschwenderischen Umgang mit Medikamenten und Reinigungsmitteln gelangen immer mehr Chemikalien ins Trinkwasser. „Vermutlich sind bereits mehrere tausend chemische Stoffe in dem vom Menschen genutzten Wasserkreislauf. Über ihre Wirkung wissen wir wenig“, sagt der Lüneburger Umweltwissenschaftler Klaus Kümmerer. „Wir müssen vermehrt dafür sorgen, dass derartige Stoffe nicht in den Wasserkreislauf kommen“, fordert er.

„Weltweit wird über den Wassermangel gesprochen, aber über die Qualität des Wassers meist nur unter Experten“, sagt Kümmerer mit Blick auf den Weltwassertag am 22. März. „Auch weil sich die Stoffe in Wasser und Boden chemisch verändern, haben wir kaum Erkenntnisse über mögliche Auswirkungen auf Mensch und Tier“, ergänzt der Wissenschaftler, der an der Lüneburger Leuphana Universität das Institut für Nachhaltige Chemie und Umweltchemie leitet.

Mehr Substanzen gelangen ins Grundwasser

Selbst mit neuen Methoden könne man nicht alle Stoffe herausfiltern. „Manche Methoden produzieren sogar Stoffe, die giftiger sind als die Ursprungssubstanzen“, erläutert der Chemiker. Auch Aktivkohle könne nur einen Teil der vielen Stoffe herausfiltern. Je nach Technik könnten die meisten Stoffe trotz erweiterter Behandlung Kläranlagen passieren und zum Teil ins Trinkwasser gelangen. Auch neue Methoden der Erdgasförderung wie Fracking stellten eine Gefahr für das Trinkwasser dar, mahnt Kümmerer. „Was im Grundwasser ist, kann man nicht mehr herausholen.“

„Wir haben in Mitteleuropa noch sauberes Trinkwasser, da muss man sich keine Sorgen machen“, betont der Forscher. „Aber damit es nicht endet wie in anderen Regionen der Welt, müssen wir vorsichtig sein.“ Derzeit gebe es zwar keine großen Schadstoffmengen. „Dafür sind es aber viel mehr Substanzen als früher, die ins Grund- und Trinkwasser gelangen“, ergänzt er.

Dazu gehörten viele Medikamente, die über Ausscheidungen ins Wasser gelangen oder einfach in der Toilette entsorgt werden. Schmerzmittel und Hormone aus Antibabypillen schädigten laut Studien bereits die Fische. Auch Mittel gegen Pilze aus importierter Kleidung gelangten beim Waschen ins Wasser. Kümmerers Fazit: „Wir müssen am Beginn des Rohres ansetzen und die Stoffe reduzieren, damit man nicht am Ende aufwendig filtern muss.“ (dpa)

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