Gesundheit
Welche Gesundheitstipps helfen wirklich? Infos zu Krankheiten und Symptomen sowie zu den Themengebieten gesunde Ernährung, Psychologie und Sexualität

Vorlesen
2 Kommentare

"Dr Ed.com" im Netz: Die Pille danach auf Online-Rezept

Erstellt
Die Pille danach ist durch die aktuelle Debatte um die in Katholischen Krankenhäusern abgewiesenen Frauen viel im Gespräch.  Foto: Fotolia
Von London aus betreiben deutsche Ärzte die Website „DrEd.com“, eine sogenannte Online-Arztpraxis, die jetzt auch die sogenannte Pille danach verschickt, mit der sich ungewollte Schwangerschaften verhindern lassen. Eine gute Idee oder gefährlich?  Von
Drucken per Mail

Die Reaktion kam prompt. „Von einer sicheren Notfallverhütung kann unter solchen Umständen nicht gesprochen werden“, ließ sich Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF), in einer „eiligen Pressemitteilung“ seines Verbands zitieren. Der Grund für die mahnenden Worte des Chefs von knapp 10 000 deutschen Gynäkologen: die Aktion dreier Ärzte in London.

"Dr Ed.com"

Das Team um den Hamburger Mediziner Jasper Mordhorst betreibt von der britischen Hauptstadt die Website „DrEd.com“, eine sogenannte Online-Arztpraxis, die seit 2011 auch Patienten in Deutschland behandelt. Bei Dr. Ed können sich Frauen seit vergangener Woche die sogenannte Pille danach verschreiben lassen, jenes Medikament also, mit dem sich noch 72 Stunden nach ungeschütztem Sex eine ungewollte Schwangerschaft verhindern lässt – und das deshalb in den Niederlanden als „Pechpille“ bekannt ist. Die Verschreibung eines heiklen Präparats nach einem virtuellen Arztbesuch? Ein Skandal, findet der BVF. Ein Glücksfall, so sehen das vermutlich die Macher von Dr. Ed. Die Online-Firma stößt damit offenbar in „eine echte Marktlücke“, sagt Jens Apermann, der Sprecher der Webseite.

Hochbetrieb im Online-Wartezimmer

Allein am Tag, als das Magazin „Der Spiegel“ erstmals über das neue Angebot berichtete, seien 15 000 „Patienten in der Praxis“ – also auf der Homepage von Dr. Ed – gewesen, sagt Apermann. Der Hochbetrieb im Online-Wartezimmer ist kein Zufall: Schließlich ist die postkoitale Verhütung in Deutschland seit Jahren ein Reizthema. Anders als in fast allen europäischen Ländern (siehe Karte) gibt es das Hormonpräparat hierzulande nur auf Rezept – und das, obwohl auch das für die Zulassung zuständige Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte für eine Rezeptfreiheit plädiert. Vor allem die Frauenärzte pochen vehement auf die Verschreibungspflicht. Die Weltgesundheitsorganisation WHO dagegen hat die Levonorgestrel-Pille in eine Liste von Medikamenten aufgenommen, die möglichst niedrigschwellig – und rezeptfrei – verfügbar sind.

Kampagne für rezeptfreie Pille

Auch die Schwangerenberatung Pro Familia startete erst 2012 eine bundesweite Kampagne für eine rezeptfreie Pille danach. Die Forderung: Frauen sollten das Notfallmedikament auch ohne ärztliche Beratung in der Apotheke erhalten können und dafür nicht etwa am Wochenende die Notaufnahme eines Krankenhauses aufsuchen müssen – das zudem nicht in katholischer Trägerschaft sein sollte, denn dort wird das Verhütungsmittel meist nicht ausgehändigt.

Pille danach online bestellen

Die Pille danach

Die Pille danach ist keine Abtreibungspille. Bei bestehenden Schwangerschaften wirkt sie nicht. In 28 europäischen Ländern gibt es sie rezeptfrei in Apotheken. 370 000 Verordnungen gab es 2011 in Deutschland.

Das Präparat auf Basis von Levonorgestrel enthält ein Hormon, das auch in Antibabypillen vorkommt. Zur Nachverhütung wird es in höherdosiert. Es verhindert oder verzögert den Eisprung. Vermutet wird, dass es die Beweglichkeit sowohl von Spermien als auch der Eizelle vermindert. Ist die Eizelle bereits befruchtet und hat die Einnistung begonnen, ist die Nachverhütung unwirksam.

Je früher sie eingenommen wird, desto sicherer wirkt die Pille danach: bis zu 24 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr mit einer Wahrscheinlichkeit von 85 Prozent. Sie kann bis zu 72 Stunden danach eingenommen werden. Neuere Mittel mit dem Stoff Ulipristal verhüten bis zu fünf Tage danach. (ma)

Dr. Ed sticht mit seinem neuen Angebot in dieses Wespennest. Zwar gibt es auch in der Online-Praxis die Pille danach nur auf Rezept. Allerdings können sich Frauen dieses seit vergangener Woche einfach online ausstellen lassen. Einzige Bedingung: Sie müssen einen Online-Fragebogen ausfüllen. „Beantworten Sie die Fragen in dem ärztlichen Fragebogen. Spricht aus medizinischer Sicht nichts dagegen, stellen unsere Ärzte ein Rezept für die Pille danach aus“, verspricht die Webseite. Das Rezept werde an eine Versandapotheke übermittelt, die das Medikament per Expressendung am folgenden Morgen „zwischen 8 und 12 Uhr“ frei Haus liefert.

EU-Regelung

Dass die Verschreibung aus der Ferne überhaupt rechtens ist, ist europäischer Gesetzgebung geschuldet. Zwar sind Ferndiagnosen in Deutschland verboten; die Online-Praxis aus London beruft sich aber auf eine EU-Regelung, die Patienten erlaubt, ihren Arzt europaweit frei zu wählen. In Großbritannien können Ärzte bestimmte Medikamente legal aus der Ferne verschreiben – vorausgesetzt, die Online-Praxis wird von einer staatlichen Stelle kontrolliert. Das ist die Nische, in der Dr. Ed operiert.

„Online-Sprechstunden“ aus London

Auch zu anderen medizinischen Problemen wie Impotenz, Akne oder Geschlechtskrankheiten bieten die Londoner „Online-Sprechstunden“ an. „Themen also, über die viele ungern mit einem Arzt sprechen, weil sie ihnen peinlich sind“, wie Sprecher Apermann sagt. In diese Kategorie fällt auch die Pille danach. Als Pro Familia im Jahr 2008 Frauen befragte, die schon einmal ein Notfallkontrazeptivum – so der Fachbegriff – genutzt hatten, gaben zwei Drittel an, es sei „stressig“ gewesen, sich das Präparat zu besorgen. Ein Drittel fühlte sich bei der Beratung „abschätzig, respektlos oder herablassend“ behandelt. Es sei an der Zeit, das Medikament frei verkäuflich zu machen, schließt Pro Familia aus diesen Ergebnissen. Schließlich sei die Pille danach – zumindest die mit dem Wirkstoff Levonorgestrel – gut erforscht. „Aus unserer Sicht spricht deshalb nichts dagegen, die Pille danach online zu verschreiben“, sagt Peggi Liebisch, Geschäftsführerin des Pro Familia Bundesverbands. Aus Sicht vieler Experten reiche es aus, dass die Frau in der Apotheke beraten werde. „Natürlich ist unser Ziel damit nicht erfüllt: Wir wollen ja, dass die Pille danach rezeptfrei zu bekommen ist“, sagt Liebisch. Aber jetzt hätten Frauen durch das Online-Angebot zumindest eine Alternative.

Mehr dazu

Internet-Praxis nicht ohne Tücken

Doch die Alternative aus der Internet-Praxis ist nicht ohne Tücken. Zum einen ist die Beratung teuer: 35 Euro kostet die Pille danach bei DrEd. In einer Praxis dagegen ist das Ausstellen des Rezepts für die Pille laut BVF „normalerweise eine Kassenleistung“, für das Präparat selbst zahlt man knapp 17 Euro. Zum anderen können Frauen, deren Geschlechtsverkehr zwischen Freitag 18 Uhr und Samstag 18 Uhr lag, nicht auf Verhütungshilfe aus dem Netz hoffen – wegen des Wochenendes würde die Pille zu spät geliefert. Zudem gibt es bei DrEd lediglich das Mittel mit dem Hormon Levonorgestrel auf Rezept, das idealerweise 24 Stunden, spätestens aber 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden sollte. Das neuere Präparat Ulipristal, das bis zu fünf Tage später wirkt, verschreibt DrEd nicht.

Kritik vom Frauenärzteverband

Das kritisiert auch der Frauenärzteverband. „Zur Notfallverhütung sollte nach neuen Erkenntnissen Ulipristal verordnet werden, weil es eine höhere Sicherheit bietet“, sagt BVF-Präsident Christian Albring. Zudem sollte die Pille danach Albring zufolge generell „nur nach ärztlichem Kontakt“ verordnet werden. „Ein Online-Fragebogen kann diese Beratung und gegebenenfalls eine Untersuchung nicht ersetzen.“

Notfallmediziner am Wochenende

Dass die Beratung und Untersuchung der Frauen in der Praxis im Normalfall so ausführlich ist, wie es der BVF fordert, hält Jens Apermann für „ein Märchen“. „Wenn man sich die Realität anschaut, gibt es sehr unterschiedliche Situationen, in denen die Pille danach verordnet wird“, sagt der DrEd-Sprecher. So könne die Beratung sehr ausführlich sein, etwa beim Gynäkologen. „Es kann aber auch sein, dass die Frau ihre Nöte am Wochenende mit einem Notfallmediziner besprechen muss – und das Rezept unter Umständen nicht bekommt, weil das Krankenhaus in katholischer Trägerschaft ist.“

Auch interessant
Mini-Implantate
Anzeige
Das Verfahren gilt als schonend und preiswert.

Kostenloser Infotag „Mehr Lebensqualität durch Implantate!“ am 10.5. bei Dr. Wilms.

Bildergalerien Gesundheit
alle Bildergalerien
Gesundheit von A-Z

Quelle: Onmeda

Selbsttest
Videos
Aus der Praxis - Kolumne
Sonderveröffentlichung
Klinik am Ring
Sonnenbrände tun weh und erhöhen das Hautkrebsrisiko.

Auch bei niedrigeren Temperaturen drohen Sonnenbrände. Ein Dermatologe gibt Tipps.

Selbsttest
Onmeda

Bestimmen Sie Ihr tatsächliches Alter!

Ihr Alter (in Jahren)
Ihr Gewicht (in kg)
Ihre Körpergröße (in cm) Berechnen Sie Ihr biologisches Alter
Kleinanzeigen
FACEBOOK