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Gesundheit: Erkältung oder Winter-Allergie?

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Wer im Winter unter einer laufenden Nase oder Husten leidet, muss nicht unbedingt erkältet sein, sondern kann auch an einer Allergie oder einer Überreaktion des Immunsystems leiden. Wir klären über die häufigsten Allergiefallen des Winters auf.  Von
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Etwa jeder dritte Deutsche hat eine Allergie. Am häufigsten kommt der Heuschnupfen vor, weshalb sich die meisten Allergiker in der kalten Jahreszeit relativ sicher fühlen. Schließlich sind dann die Gräser gemäht und die Blüten schon lange vertrocknet. Doch der Schein trügt: Für viele Allergiker sind gerade die kalten Monate ein großes Problem. Ein Überblick über die versteckten Allergiefallen des Winters:


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Weihnachtsgebäck

In Deutschland reagieren rund acht Prozent der Kinder und vier Prozent der Erwachsenen allergisch auf unterschiedliche Lebensmittel. Für sie ist Weihnachtsgebäck eine verführerische Gefahr: Schließlich kann praktisch das gesamte Inventar eines Nikolaustellers zu überschießenden Immunreaktionen führen. Nüsse, Erdnüsse, Äpfel, Weihnachtsmänner aus Schokolade, Lebkuchen, Plätzchen, aber auch die typischen Weihnachtsgewürze wie Anis, Zimt und Kardamom können bei Lebensmittel-Allergikern zu Problemen führen. "Gewürze und Nüsse in Weihnachtsgebäck enthalten Stoffe, die ähnlich strukturiert sind wie etwa Birkenpollen", sagt der Allergologe Torsten Zuberbier, Chef der Charité-Klinik für Dermatologie in Berlin. Die Reaktionen machten sich etwa durch ein Kribbeln auf der Zunge und im Hals oder durch Juckreiz am Gaumen und in den Ohren bemerkbar. "Meistens ist das harmlos", sagt Zuberbier. Gefährlich werde es, wenn Mund und Rachen anschwellen - dann muss ein Notfallmedikament her. Das Problem: Nicht immer ist bei Weihnachtsgebäck zu erkennen, ob Nüsse oder andere allergene Stoffe enthalten sind (siehe Kasten). Bessere Variante: selber backen.


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Kälte

Sie ist selten, aber tückisch: 30 000 Menschen in Deutschland leiden an der sogenannten Kälte-Urtikaria, eine Form der Nesselsucht. Die allergische Reaktion tritt immer dann auf, wenn die Haut des Betroffenen mit intensiven Kältereizen in Berührung kommt. Typische Symptome sind rote Hautquaddeln, die sehr stark jucken und zum Aufkratzen verführen. Die genauen Ursachen der Krankheit sind, wie Dermatologe Markus Magerl von der Berliner Charité erklärt, noch "größtenteils unklar". Als gesichert gilt, dass die Patienten oft eine allergische Grunddisposition mitbringen. Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Asthma und Allergien auf Tiergifte kommen bei ihnen ebenfalls häufiger vor. Nachweisen lässt sich die Kälte-Urtikaria mit einem elektronischen Testgerät, das die Haut mit unterschiedlichen Temperaturen provoziert. Ihre Therapie ähnelt denen anderer Nesselsuchtformen: Antihistaminika und - im Notfall - Cortison. Interessanterweise spricht die Kälte-Urtikaria auch gut auf Antibiotika an.


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Duftkerzen

Sie verbreiten weihnachtliche Gerüche - und bestehen teilweise zu 90 Prozent aus potenziell allergenen Stoffen. Von Duftkerzen sollten Allergiker Abstand halten. Besonders problematisch sind die paraffinhaltigen Varianten, die atemwegsreizende Stoffe freisetzen. Laut Harald Morr von der Deutschen Lungenstiftung sind vor allem Menschen gefährdet, die bereits eine Kontaktallergie haben. "Bei ihnen können die beim Abbrennen freigesetzten Stoffe allergische Erscheinungen auf der Haut oder in den Atemwegen verstärken", sagt der Pneumologe. Im schlimmsten Fall kann dies zu Asthma-Anfällen führen. Das Risiko sinkt, wenn man ausgiebig lüftet. Tipp: Anstelle von Paraffinprodukten sollten Allergiker auf Kerzen aus Bienen- oder Sojawachs zurückgreifen.


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Vogelfutter

Eigentlich spricht nichts dagegen, Vögeln mit Futter über den frostigen Winter zu helfen. Allerdings sollte man darauf achten, was genau man ins Vogelhaus legt - das sollte auf keinen Fall Ambrosia enthalten. Denn dieses ursprünglich in Nordamerika beheimatete Kraut gehört zu den stärksten Allergieauslösern überhaupt und ist Vogelfutter oft beigemischt. Zwar drucken manche Hersteller inzwischen das Siegel "Ambrosia geprüft" auf ihre Tüten. "Doch auch solche Produkte sind oft noch mit Ambrosia-Samen verunreinigt", sagt Dirk Petersen, Umweltberater der Verbraucherzentrale Hamburg. Zwar sind die Samen selbst für Allergiker ungefährlich. Sprießt daraus allerdings im nächsten Frühjahr das gefürchtet Unkraut, können dessen Pollen - immerhin 62 000 pro Pflanze - Symptome von Tränenfluss über Kopfschmerzen bis Asthma auslösen. Wer der Allergiegefahr schon im Winter vorbeugen will, sollte Sonnenblumenkerne daher vor der Verfütterung mit einem Salatsieb reinigen.


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Kuscheldecke

Wenn auf der Fensterscheibe Eisblumen blühen, hüllt man sich auf dem Sofa gern in die Lieblingsdecke.

Therapie planen

Heuschnupfen-Allergiker, die eine spezifische Immuntherapie (früher: Hyposensibilisierung) machen wollen, sollten sich dafür spätestens ab Mai wieder bei ihrem Arzt melden, rät Prof. Michael Damm, Oberarzt an der Uniklinik Köln.

Bei der Immuntherapie wird ein Allergenextrakt in mehreren Sitzungen am Oberarm unter die Haut injiziert (subkutan) oder per Tablette verabreicht (sublingual). So soll das Immunsystem langsam lernen, angemessen auf Pollen, Milben oder andere Stoffe zu reagieren. (ma)

Allergiker sollten bei der allerdings wählerisch sein, denn manche Decken sind ein Biotop für Milben. Die finden hier ihr bevorzugtes Nahrungsmittel: menschliche Hautschuppen. Ausgelöst wird die allergische Reaktion durch die Exkremente der Milben, die sich verstärkt in Wolldecken sammeln. Wenn Allergiker diese Allergene einatmen, kommt es zu den typischen Überreaktionen des Immunsystems. Um vorzubeugen, kann man Kuscheldecken mit einem speziellen Waschmittelzusatz waschen, der in Apotheken erhältlich ist. Oder den Rat von Professor Michael Damm befolgen: "Milben fühlen sich vor allem auf Naturprodukten wohl, deshalb sollten Allergiker besser in einer schadstoffarmen Synthetikdecke als in Wolle kuscheln", empfiehlt der Oberarzt der Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde an der Uniklinik Köln.


Pollen

"Es stimmt nicht, dass in den kalten Monaten gar nichts mehr fliegt", sagt Professor Michael Damm. "Im November sind etwa noch Hasel- und Erlenpollen in der Luft. Und danach geht es schon mit der Birke weiter." Deshalb sollten sich Heuschnupfen-Patienten auch in den kalten Monaten nicht in Sicherheit wiegen. Bereits die warmen Winter der vergangenen Jahre haben dafür gesorgt, dass einige Pflanzen schon im Dezember zu blühen anfangen. Die Münchner Ökoklimatologin Annette Menzel hat ermittelt, dass etwa Haselnusspollen mittlerweile bis in hohe Gebirgslagen und sogar Polarregionen vordringen. Ihr ernüchterndes Resümee: "Für Pollenallergiker werden die Rückzugsmöglichkeiten kleiner."


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Rotwein

Im Winter werden gerne länger gelagerte Speisen und Getränke verzehrt wie Rotwein, Glühwein, Salami oder Räucherfleisch. Ihr Nachteil: Sie enthalten besonders viel Histamin, und das ist genau der Stoff, der im menschlichen Körper allergische Symptome in Gang setzt. Aber nicht nur die Histamine im Wein können Allergikern zu schaffen machen. "Im Rotwein sind viele Stoffe enthalten, die Effekte auf das Blutsystem haben", erklärt Michael Damm. "Menschen, die bereits wegen einer allergischen Entzündungsreaktion eine verstärkte Durchblutung haben, reagieren deshalb grundsätzlich empfindlicher auf gefäßaktive Stoffe."


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Tannennadeln

Der Otto-Normal-Weihnachtsbaum wächst heute in einer Plantage auf, wo er gegen Unkraut und Schädlingsbefall gespritzt wird. Steht ein solcher Baum für mehrere Wochen im warmen Wohnzimmer, können Rückstände der Pestizide in die Raumluft gelangen, was bei sensiblen Menschen zu allergischen Reaktionen führen kann. Weihnachtsbäume strömen zudem von Natur aus sogenannte Terpene aus: Auch die machen Allergikern zu schaffen, ebenso wie die ätherischen Öle im Harz der Tannen. "Außerdem wachsen die Bäume ja auch nicht innerhalb eines Tages", sagt Michael Damm. "Deshalb können sie über die Jahre selbst zum Allergenträger werden, wenn sich Schimmelpilzsporen und andere Pollen auf ihnen ablagern." Um einem Asthma-Anfall unterm Weihnachtsbaum zu vermeiden, genügt es oft schon, den Baum nicht zu berühren. Vorbeugen kann man, indem man den Baum ordentlich durchschüttelt, bevor man ihn ins Haus holt, und den Stamm mit einem oxidierenden Bleichmittel abreibt.

Hinergrund: Nahrungsmittelallergie

Wer gegen bestimmte Nahrungsmittel allergisch ist, wirft automatisch einen Blick auf die Zutatenlisten seiner Einkäufe. Denn seit 2005 müssen EU-weit die 14 Produktgruppen ausgewiesen werden, die am häufigsten Allergien auslösen. Trotzdem sollten Nahrungsmittel-Allergiker von abgepackten Süßigkeiten und fertigem Weihnachtsgebäck Abstand nehmen, rät die Ernährungswissenschaftlerin Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund.

Zwar stehe auf manchen Produkten der Hinweis „Kann Spuren von … enthalten“. Aber eben nicht auf jeder Verpackung, warnt Sonja Lämmel: „Es gibt auch Firmen, die verzichten auf den Hinweis auf Spuren, weil der Gesetzgeber diesen nicht vorschreibt.“ Denn die Kennzeichnungspflicht gelte nur, wenn der Allergieauslöser als Zutat im Lebensmittel verarbeitet ist und nicht nur ungewollt durch die Produktion – etwa auf demselben Fabrikband – hineingeraten ist. „Es gibt allerdings einige Hersteller, die ihre Ware in nuss- und erdnussfreien Werken produzieren“, sagt Lämmel. Welche das sind, kann man bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung erfragen: www.dge.de

Doch nicht nur Nussallergiker müssen aufpassen, auch Pollenallergiker können mit sogenannten Kreuzreaktionen auf die typischen Weihnachtsgewürze wie Zimt oder Anis reagieren. Das Problem: Bei verpackten Plätzchen müssen Gewürze nicht einzeln aufgelistet werden, wenn weniger als zwei Prozent enthalten sind.

Auch auf dem Weihnachtsmarkt laufen Allergiker Gefahr, unwissentlich in Naschwerk mit Allergenen zu beißen. „Ein Zutatenverzeichnis ist nur für verpackte Lebensmittel vorgeschrieben“, sagt Lämmel, nicht aber für die lose Ware auf dem Weihnachtsmarkt. „Ich weiß also nicht, was wirklich im Glühwein oder im Bratapfel drin ist“, sagt die Ernährungsexpertin.

Wer etwa allergisch gegen Makadamianüsse sei und sich gebrannte Mandeln kaufe, könne nicht sicher sein, ob die beiden Produkte in der Herstellung wirklich sauber voneinander getrennt wurden. „Man muss immer mit Spuren rechnen und darum besser: Finger weg“, rät Lämmel. (dapd)

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Quelle: Onmeda

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