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Talent 2: Daheim umstritten, in Afrika geliebt

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Auf den Block einer Briefmarke in Burundi hat es der Talent 2 von Bombardier geschafft. Günther Klebes hat ihn gefunden und abgelichtet. Foto: Privat
Die Liste der Mängel, die man dem neuen Talent 2 auf der Siegstrecke vorwirft, ist endlos lang. Anders ist das im afrikanischen Burundi, wo „Made in Germany" für Qualitätsware steht und der Talent 2 auf einer Briefmarke zu finden ist. Eine Glosse  Von
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Rhein-Sieg-Kreis

Auf der Siegstrecke ist er heiß umstritten: zu wenige und dafür zu harte Sitze, schlechte Klimaanlagen, ruckeliger Fahrstil, Türen, die sich nicht öffnen und Toiletten, die meist kaputt sind: Die Liste der Mängel, die die Fahrgäste der Deutschen Bahn für den Talent 2 von Bombardier aufgestellt haben, ist lang. Einen Ehrenpreis können Hersteller und Betreiber mit ihrem Produkt in Deutschland derzeit nicht gewinnen.

Bis ins afrikanische Burundi ist die Kritik am einstmals hoch gepriesenen Zug offenbar noch nicht gedrungen. In dem kleinen Staat auf dem Gebiet des ehemaligen Deutsch-Ostafrikas gilt offenbar noch immer als Wertarbeit, was allein den Stempel „Made in Germany“ trägt. Wie man hört, haben es gerade die deutschen Eisenbahnen den Menschen in ehemaligen Kolonien des Kaiserreiches bis heute angetan.

Auf eine echte Kuriosität deutsch-afrikanischer Eisenbahn-Nostalgie aus dem vergangenen Mai ist Günther Klebes aus dem bayrischen Erlangen vor ein paar Wochen gestoßen. Auf dem Block einer Briefmarke fand der Eisenbahn- und Briefmarken-Fan unverkennbar zwischen einem ICE und einem Regio-Shuttle den Talent 2. Klebes schlug zu und ersteigerte den Block für fünf Euro. Und weil der Talent bekanntlich seit ein paar Monaten mehr oder weniger erfolgreich durchs Siegtal rauscht, hat Klebes ein Bild seines Fundes an die Redaktion des „Rhein-Sieg-Anzeiger“ geschickt. „Es kommt oft vor, dass auf Briefmarken exotischer Staaten Bahnen oder Lokomotiven europäischer oder amerikanischer Herkunft abgebildet sind, obwohl der Staat selbst keinen Meter Schiene besitzt“, erklärt der Sammler das Bild auf dem Briefmarkenblock.

Was die ostafrikanischen Postler ausgerechnet zu Talent-Fans gemacht hat, kann aber auch Klebes nicht berichten. Vielleicht ist es ja das bullige Äußere des Triebwagens, das ihn Wüsten und Urwald geeignet erscheinen lässt. Vielleicht war es aber auch die Nachricht, dass die Auslieferung des Talent 2 sich um anderthalb Jahre verzögerte. Lange Lieferzeiten haben ja schon vor Jahrzehnten den Trabbi zum begehrten Objekt werden lassen.
Bei allen Spekulationen um den Briefmarkenblock bleibt am Ende eine Lösung, die der Wahrheit am nächsten scheint. Wahrscheinlich ist ja gerade die Tatsache, dass Burundi keinen Meter Schiene besitzt, der Grund, warum der Talent auf dem Blocktitel landete.

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