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VfL Gummersbach und die Handball-Bundesliga

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Gummersbach: VfL blamiert sich, steigt aber nicht ab

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Adrian Pfahl vom VfL Gummersbach. Foto: dpa
Der VfL Gummersbach hat sein letztes Saisonspiel in eigener Halle gegen den TV Neuhausen verloren. Da TV Großwallstadt zu Hause gegen den alten und neuen Meister THW Kiel verloren hat, bleibt Gummersbach in der ersten Liga.
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Gummersbach

Irgendwann an diesem Samstagabend knipste der Hausmeister in der Eugen-Haas-Halle das Licht aus. Das war's dann also für den schmucklosen, aber altehrwürdigen Bau an der Gummersbacher Moltkestraße als Heimspielstätte der örtlichen Profihandballer. Fortan werden die VfL-Berufsballwerfer ihre Partien ja in der neuen Schwalbe Arena bestreiten. Und alles wird gut, oder? Na ja.

Dass für den ruhmreichen einstigen Rekordmeister an diesem Tag nicht auch die Lichter in der Bundesliga ausgingen, hatte sich erst wenige Stunden zuvor entschieden, allerdings nicht in Gummersbach, sondern gut 220 Kilometer weiter südlich, in Aschaffenburg: Dort erlitt der TV Großwallstadt eine zwar erwartete und für ihn doch äußerst schmerzhafte 29:32-Heimniederlage gegen den alten und neuen Meister THW Kiel, was den Absturz der Mainfranken in die Zweitklassigkeit ungeachtet aller anderen Resultate endgültig besiegelte. Die mehr als peinliche 26:28-Heimniederlage, die sich gleichzeitig der VfL Gummersbach gegen den als Absteiger schon vorher feststehenden TV Neuhausen leistete, blieb also ohne Erstliga-existenzielle Folgen für die Oberberger.

Dennoch herrschte alles andere als Partystimmung in der Haas-Halle. Die Einheimischen unter den 2108 Zuschauern im ausverkauften Haus - tatsächlich waren viele von ihnen dem Appell des Vereins gefolgt und zum sichtbaren Zeichen der Solidarität in schweren Zeiten blau-weiß gewandet erschienen - waren entsetzt ob der über weite Strecken fürchterlichen Vorstellung ihres Teams, die eines Absteigers durchaus würdig war. Entsprechend bedient waren die Fans am Ende. Die Schlusssirene wurde von einem gellenden Pfeifkonzert begleitet, gefolgt von Sprechchören für die Schützenhelfer aus Kiel: "THW! THW!" und nicht "VfL! VfL!", hallte es von den Rängen.

Entscheidend für die verdiente Gummersbacher Niederlage war die indiskutable Trefferquote im Angriff. Immer wieder vergaben die Akteure allerbeste Torchancen leichtfertig oder scheiterten am exzellenten Gästekeeper Thomas Bauer. In der Schlussstatistik stand der VfL mit nicht weniger als 27 Fehlwürfen zu Buche. Besonders zu Beginn dilettierten die Gastgeber vor des Gegners Tor - nach 17 Minuten lag man mit sieben (3:10), zur Pause noch mit sechs Toren zurück (9:15). Das Einzige, was den gemeinen VfL-Anhänger zu diesem Zeitpunkt noch beruhigte, war der Blick aufs Smartphone - zur Halbzeit kündeten die Live-Ticker von einem Sechs-Tore-Rückstand der Großwallstädter gegen Kiel.

Das aber sollte sich ändern, und Mitte der zweiten Halbzeit war der VfL gewissermaßen sogar abgestiegen: Plötzlich hatte Großwallstadt den Ausgleich (23:23/47.) hergestellt, während die Oberberger - wenn auch in diesem Moment nur noch mit zwei Toren (19:21) - zurücklagen. Ein eigenes Unentschieden bei einer gleichzeitigen Niederlage des VfL hätte dem TVG zum Klassenverbleib gereicht. Schließlich aber leisteten die Kieler doch noch die erhoffte Schützenhilfe.

Bei aller Erleichterung über den glücklichen Ausgang schien den beteiligten VfL-Profis der Verlauf der Partie und das Resultat wirklich peinlich zu sein. "Die Fans tun mir leid", gestand Kentin Mahé. "Wir haben unseren Anhängern in dieser Saison viel zugemutet", räumte Adrian Pfahl ein.

Der VfL ist also noch mal davongekommen, die Horrorvision, die erste Spielzeit in der so lang herbeigesehnten neuen Halle als Zweitligist bestreiten zu müssen, wird nicht zur grausamen Realität. Dennoch wäre es falsch, nun eine neue Ära auszurufen, in der endlich alles besser wird, nur weil man es jetzt ein bisschen netter daheim hat. Zwar sind die Vermarktungsmöglichkeiten von sofort an ganz andere. Wie weit aber das künftige Team den sicherlich steigenden Ansprüchen gerecht werden kann, muss sich erst zeigen.

Verabschiedet wurden am Samstag die künftigen Hamburger HSV-Akteure Adrian Pfahl (30) und Kentin Mahé (22), der demnächst bei der HSG Wetzlar tätige Dennis Krause (25) sowie Torhüter Aljosa Rezar (30), der in die zweite französische Liga wechselt. Der bisherige Teamkapitän Vedran Zrnic soll nach einem Zerwürfnis mit der Klubführung trotz eines noch bis 2015 gültigen Vertrages nicht mehr zum Bundesliga-Kader des VfL gehören.

Als Zugänge stehen bislang Nationaltorhüter Carsten Lichtlein (32/TBV Lemgo), Mark Bult (30/Füchse Berlin/halbrechts), der am Samstag mit sieben Toren auffällige bisherige Neuhausener Andreas Schröder (22/halblinks), Florian von Gruchalla (23/SG Flensburg/Rechtsaußen) und Philipp Jaeger (18/eigene Jugend) fest. Ein Abwehrspezialist soll mittelfristig noch hinzukommen.

Chefcoach Emir Kurtagic und Geschäftsführer Frank Flatten wollen jedenfalls eine neue Mannschaft basteln, die in der Schwalbe Arena möglichst rasch die Herzen der Anhänger zurückerobern soll. "Die individuelle Klasse einzelner ist nicht immer entscheidend, es kommt darauf an, ob das Team auch als Einheit funktioniert", erklärte Flatten seine und des Trainers Strategie bei den personellen Dispositionen, bevor er hinzufügte: "Unsere künftige Mannschaft soll Charakter zeigen!"

Tore VfL: Pfahl (8), Mahé (6/1), Zrnic (4), Santos (4), Schindler (2), Kopco (1), Lützelberger (1). - Beste Werfer TVN: Schröder (7), Schiller (6). - Zuschauer: 2108 (ausverkauft).
www.ksta.de/handball

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