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VfL Gummersbach und die Handball-Bundesliga

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Interview mit VfL-Trainer: „Wir werden uns wieder fangen“

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Emir Kurtagic (32) ist seit Dezember 2011 als Nachfolger von Sead Hasanefendic Cheftrainer des VfL Gummersbach.  Foto: Philipp Ising
Beim VfL Gummersbach läuft es derzeit alles andere als gut, die Tabellensituation wird immer bedrohlicher. Von einem möglichen Abstieg will Emir Kurtagic aber nichts wissen. Der VfL-Trainer im Interview.
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Gummersbach

Herr Kurtagic, was halten Sie von diesem Szenario: In Gummersbach wird nächsten Sommer die neue Schwalbe-Arena eingeweiht, und der VfL spielt in der Zweiten Liga?

EMIR KURTAGIC: Das ist eine Horrorvision, aber sie wird nicht Realität. Natürlich ist die Lage im Moment ein wenig bedrohlich, aber wir werden uns wieder fangen und nicht absteigen. Wir müssen die kritische Situation irgendwie überstehen und hoffen, dass unsere Verletzten nach und nach wieder gesund werden, dann holen wir auch wieder die nötigen Punkte.

Bis dahin stehen aber noch schwere Wochen bevor, in der sich die jetzt schon heikle Tabellensituation noch dramatisch verschärfen könnte ...

KURTAGIC: Das ist leider wahr, wir spielen 2012 noch zu Hause gegen Magdeburg, Berlin und Minden sowie in Neuhausen und Kiel - das sind fünf unheimlich schwere Spiele, und es ist keines dabei, in dem wir mal eben von einem Sieg ausgehen könnten.

Im Vorjahr hatte der VfL zum selben Zeitpunkt nur einen Punkt weniger auf dem Konto - ist die Situation mit der damaligen vergleichbar?

KURTAGIC: Ich glaube nicht. Damals konnte der VfL fast immer in Bestbesetzung antreten, spielte aber schlecht. Diesmal haben wir gut begonnen, aber seit einigen Wochen leiden wir unter extremem Verletzungspech. In Kentin Mahé, Christoph Schindler und neuerdings auch Vedran Zrnic fallen gleich drei Stammspieler langfristig aus. Trotzdem schlägt sich die Mannschaft wacker, spielt auch häufig gut, nur können wir diese Ausfälle nicht 60 Minuten lang kompensieren.

Vor fast auf den Tag genau einem Jahr wurde das gängige Mittel des Trainerwechsels angewendet - Sead Hasanefendic musste gehen, Sie als sein bisheriger Assistent wurden Chefcoach. Sind Sie zwölf Monate später noch unumstritten?

KURTAGIC: In einer Situation wie der unseren hat jeder das Recht, auch die Frage nach dem Trainer zu stellen. Bleiben die Erfolge aus, steht seine Arbeit zu allererst auf dem Prüfstand - das ist im Sport so. Ich höre mir auch jedes kritische Wort gerne an. Aber wenn ich selbst mich hinterfrage, kann ich mir keinen Vorwurf machen. Morgens beim Aufwachen gilt mein erster Gedanke dem VfL. Und wenn ich abends zu Bett gehe, weiß ich, dass ich alles Menschenmögliche für diesen Verein getan habe.

Und wie ist mittlerweile Ihr Verhältnis zur Mannschaft?

KURTAGIC: Aus meiner Sicht genauso gut wie noch vor vier, fünf Monaten, als wir bessere Ergebnisse hatten. Wir arbeiten jeden Tag großartig zusammen, die Spieler geben alles und ziehen vorbildlich mit, aber die widrigen Umstände mit den vielen Verletzten erschweren den Alltag. Wenn du ein paar Mal hintereinander gewinnst, sind die Gesichter natürlich fröhlicher als in Krisenzeiten. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass im Verhältnis zwischen mir und diesem Team irgendetwas kaputt sein könnte.

Wird der Verein auf dem Transfermarkt reagieren, und kann er das mit Blick auf die Finanzlage überhaupt?

KURTAGIC: Wir wollen im Rahmen unserer Möglichkeiten noch jemanden verpflichten, was allerdings nicht einfach ist, zumal sich viele Vereine in einer ähnlichen Situation befinden. Es sollte aber jemand sein, der uns nicht nur in den fünf Spielen bis zum Jahresende, sondern möglichst in den 20 Spielen bis zum Ende der gesamten Saison und vielleicht sogar darüber hinaus weiterhilft.

So gesehen muss es nicht unbedingt ein Vertreter für Mahé oder Schindler auf der Mittelposition sein ...

KURTAGIC: Stimmt, die beiden kommen ja hoffentlich zur zweiten Saisonhälfte wieder. Mittel- und langfristig wichtiger wäre für uns ein gestandener Abwehrspieler, damit Dennis Krause und Michal Kopco im Mittelblock etwas entlastet werden. Der neue Mann muss jedenfalls passen und bezahlbar sein.

Am Ende der laufenden Saison wird Adrian Pfahl den Verein Richtung Hamburg verlassen. Stimmt es, dass auch Kentin Mahé ein Angebot des HSV vorliegt?

KURTAGIC: Offiziell weiß ich davon zwar nichts, aber ich kann mir das durchaus vorstellen, da ein solch talentierter und junger Mann wie Kenny natürlich für jeden Klub interessant ist. Aber er hat noch anderthalb Jahre Vertrag beim VfL, so dass ich in dieser Hinsicht erst mal gelassen bleibe.

Können Sie unter den gegebenen Umständen überhaupt schon personell für die nächste Spielzeit in der Schwalbe-Arena planen?

KURTAGIC: Natürlich befassen wir uns damit und haben auch schon den einen oder anderen Kandidaten im Auge. Aber wir dürfen den zweiten Schritt nicht vor dem ersten tun, erst mal müssen wir unsere aktuellen Probleme lösen. Das hat absolute Priorität. Wir müssen mit der Mannschaft so schnell wie möglich in die Erfolgsspur finden, um endlich mal wieder durchatmen zu können.

Das Gespräch führte Christoph Pluschke

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