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Weltmeisterschaft: DHB-Team kommt mit Rückenwind

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Handball-Bundestrainer Michael Heuberger Foto: Bongarts/Getty Images
Martin Heuberger bestreitet bei der WM in Spanien sein zweites großes Turnier als Bundestrainer. Trotz des von ihm forcierten Umbruchs steht der Nachfolger von Weltmeister-Coach Heiner Brand unter Druck.
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Die Gesichtszüge des hageren 1,93-m-Hünen hatten sich deutlich entspannt. Mit beiden Händen in den Hosentaschen und dem Anflug von einem Lächeln im Gesicht stand Martin Heuberger auf dem Parkett der Stuttgarter Porsche-Arena und zog ein positives Fazit der WM-Vorbereitung. So locker wie nach der gelungenen WM-Generalprobe gegen Rumänien (35:25) hatte man den Handball-Bundestrainer lange nicht mehr erlebt.

Doch obwohl seitens des Verbandes keine offiziellen Vorgaben existieren, steht der Nachfolger von Weltmeister-Coach Heiner Brand mit seiner neu formierten Mannschaft beim WM-Turnier in Spanien unter Druck. Heuberger spürt das. „Ich bin angespannt“, sagte er im SID-Interview, „aber ich freue mich auf dieses Turnier, weil ich eine hungrige und begeisterungsfähige Mannschaft habe. Das ist hoffentlich die Grundlage für einen Erfolg.“

Scheitern in der Vorrunde wäre fatal

Der 48-Jährige weiß um die herausragende Bedeutung der WM. Ein Scheitern in der Vorrunde wäre fatal. Für den deutschen Handball - und für ihn selbst. „Martin muss gucken, mit dem Team wieder an die Weltspitze zu kommen. Ich bin gepannt, ob sich die Mannschaft weiterentwickelt hat, und hoffe auf den Viertelfinaleinzug“, sagte DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID): „Mit den Junioren hat Martin gezeigt, dass er Erfolge feiern kann. Das muss er nun auch bei den Männern beweisen.“

Heuberger ist anders. Anders als sein Vorgänger Heiner Brand. Und anders als viele andere Trainer in seinem Geschäft. Er spricht viel. Kommunikation ist seine Stärke. Er war es, der bei seinem Amtsantritt vor anderthalb Jahren das „Wir“ zur neuen Maxime der Nationalmannschaft erklärte. Er war es, der einen neuen Führungsstil beim Deutschen Handballbund (DHB) implementierte. Und er war es, der den Umbruch mit jungen Spielern forcierte.

Die Linie des Trainers ist unverkennbar. Heuberger setzt auf flache Hierarchien. Demokratie statt Autokratie lautet seine Formel. Bei Videoanalysen mit der Mannschaft gibt es auch mal ein Späßchen. Und während der Spiele pickt er sich immer wieder Einzelne heraus und gibt gesonderte Anweisungen. Heuberger will mündige Spieler. „Martin hält während eines Spiels immer Kontakt zu uns. Er ist offen für die Meinungen jedes einzelnen Spielers“, sagte Dominik Klein dem SID. Er bringe jedem in der Mannschaft großes Vertrauen entgegen.

Heuberger wird geschätzt

Auch beim DHB wird Heuberger für seine kommunikative Art geschätzt. Bei den Verbandsoberen gilt er als „aufrichtiger und ehrlicher Arbeiter mit Sachverstand“. „Fachlich gibt es über Heuberger gar keine Diskussion“, sagte der ehemalige Nationalspieler Stefan Kretzschmar bei Sport 1, aber er müsse „die Mannschaft auch mal an den Eiern packen, wenn es schwierig wird“. Er müsse laut werden und noch mehr Profil entwickeln. Kretzschmar hält Heuberger und seinen Co-Trainer Frank Carstens für das richtige Trainergespann. Doch nach dem Turnier stehe „jeder auf dem Prüfstand“.

Fakt ist: Heuberger ist kein Alpha-Männchen wie sein Vorgänger Heiner Brand, dem er sieben Jahre lang als Co-Trainer diente. Während Brand nach dem Weltmeistertitel 2007 im eigenen Land zur Lichtgestalt aufstieg, genoss Heuberger den Erfolg still und hamsterte mit den deutschen Junioren - weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit - weiter fleißig WM-Titel (2009 und 2011). Diese Bescheidenheit kommt nicht von ungefähr.

Seinen Lebensmittelpunkt hat der gelernte Bauzeichner und frühere Kreisläufer im 7000-Einwohner-Örtchen Schutterwald in der südbadischen Provinz, wo er zusammen mit seiner Frau Beate und den beiden Söhnen Felix und Tim wohnt. Von dort stammt auch sein ungewöhnlicher Spitzname „Der Bott“. Die „Legende“ besagt, dass er die schwäbische Bezeichnung für „Bote“ von seinem Urgroßvater geerbt hat, der einst in Schutterwald als Postbote Briefe verteilte. (sid)

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