26.07.2016
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Heinz Hermann Göttsch: Kölns letzter Sport-Mäzen geht

Heinz-Hermann Göttsch

Heinz-Hermann Göttsch (Bild: Dahmen)

KÖLN - Am Sonntag bestreiten die Kölner Haie ihr erstes Heimspiel der Saison 2010 / 11. Es ist die 17. Saison der DEL und die 17. für Gründungsmitglied Köln, aber es wird das erste Kölner DEL-Spiel sein, das Heinz Hermann Göttsch nur als Fan erlebt. Ohne großes Aufsehen hat der 59-jährige Unternehmer vor kurzem seine Anteile an der Gesellschaft abgegeben, die er seit 1994 finanziell am Leben gehalten hat; zunächst als Hauptgesellschafter, ab 2002 bis 2009 als Alleingesellschafter. Göttsch wird weiter zum Eishockey kommen. „Die Haie werden immer mein Herzensverein bleiben“, sagt er. Am vergangenen Samstag beim Testspiel gegen Düsseldorf zeigte er sich entspannt unten an der Bande am Spielerausgang, wo er sonst nur bei ganz wichtigen Partien zu sehen war. „Für mich ist er weiter Teil der Haie. So wird er auch behandelt“, sagt Geschäftsführer Thomas Eichin, der elf Jahre lang für Göttschs Klub das Tagesgeschäft führte.

Es geht der vorläufig letzte der großen Kölner Sportmäzene. Männer wie Jochem Erlemann in der 70er Jahren beim KEC, Fritz Waffenschmidt und Heinz Zimmer bei den Basketballern von Saturn und Köln 99ers, Jean Löring bei Fortuna Köln oder Ferdinand Mülhens bei der Viktoria haben den Sport der Stadt früher geprägt. Ihr Verschwinden wird mancherorts durch komplizierte Investoren-Modelle kompensiert, durch Fan-Einbindung via Internet wie bei Fortuna oder: Durch nichts wie im Basketball oder bei Viktoria.

Rund 30 Millionen Euro, so wird geschätzt, hat der Unternehmer und Diplomkaufmann Göttsch in 17 Jahren in den Verein gepumpt. Zwei der acht Meistertitel, vier Vizemeisterschaften, ein Pokalsieg und der Umzug von der Lentstraße in die Deutzer Arena fallen in seine Ära. Als Höhepunkt wertet Göttsch den Meistertitel 2002. Die beste Mannschaft seiner Ära hat er wohl 2000 finanziert: Das Vizemeisterteam von Manager Andy Murray war das Beste, was seit den achtziger Jahren in Köln aufs Eis ging. Und auch das Teuerste.

Es war die Zeit, in der bei den Haien die Lösung der wichtigsten Rechenaufgabe immer aus sieben Buchstaben bestand: Minus plus Minus gleich Göttsch. Per Patronatserklärung sicherte Göttsch den Klub für den Fall von Verlusten am Saisonende ab, die sich so verlässlich einstellten wie Regen im November. Einmal, 2008, gab es eine Ausnahme. Eichin bebt heute noch die Stimme, wenn er berichtet, dass man in jenem Vizemeisterjahr mal einen kleinen Gewinn gemacht habe.

Da war der Klub für einen kurzen Moment auf dem Weg, den sich Göttsch gewünscht hatte. Immer nur reinzubuttern, das hatte er eigentlich nicht geplant. Und er konnte es am Ende auch nicht mehr. Die Wirtschafts- und Finanzkrise machte den Unternehmungen des Projekt- und Grundstücksentwicklers Schwierigkeiten: „Der Klub, die Fans müssen einsehen, dass auch meine Möglichkeiten begrenzt sind. Keiner kann von mir erwarten, dass ich das jetzt entstehende Finanzloch aus eigener Tasche begleiche“, sagte er im Januar 2009 in einem Interview, das den Klub wie ein Keulenschlag traf, weil aus der Befürchtung Wirklichkeit geworden war.

In der Öffentlichkeit trat der Mäzen der Haie wenig in Erscheinung. Der mondäne Auftritt wie er zum Beispiel 20 Jahre zuvor dem Präsidenten Jochem Erlemann zu eigen war, lag Göttsch fern. Der gebürtige Kieler stand für Kölsch statt Champagner, für harte Hinterzimmer-Entscheidungen statt Ankündigungsgedröhne. Bei öffentlichen Auftritten konnte der Millionär schüchtern wirken. Die pharaonenhafte Attitüde, die manche reiche Männer an den Tag legen, wenn sie sich einen Sportverein als Spielzeug zulegen, war Göttsch fremd.

Die KEC-Trainer kamen und gingen, die Manager, die Spieler, die Konzepte auch. Eichin blieb die Konstante, auch wenn der frühere Fußballer aus Kreisen von Fans und Medien im Lauf der Jahre mehr Rücktrittsforderungen erhielt als andere Leute Werbepost in den Briefkasten. „Wir haben Hand in Hand mit großem Vertrauen zusammen gearbeitet“, sagt Eichin über den Chef.

Von nun an kann Heinz Hermann Göttsch zusehen, wie die Haie zurecht kommen, ohne dass er die Rechnung zahlen muss. Die Übergangsphase lief schlecht. In den Sommern 2009 und 2010 stand der Klub jeweils kurz vor der Insolvenz. Jetzt glaubt der Klub, mit neuen Investoren ein stabiles Gerüst gefunden zu haben. Insgesamt sechs Herren sind in der Sports Holding Cologne engagiert, die den Klub trägt. Heinz Hermann Göttsch, so heißt es, stehen Businesskarten zur Verfügung.

 www.ksta.de/eishockey


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