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Band Prim(e)age: Konzerte für Afghanistan

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Für zwei Konzerte zur Jahreswende für die Soldaten in Afghanistan hat die Band Prim(e)age die Koffer gepackt.  Foto: Ralf Rohrmoser von Glasow
Die Hennefer Band Prim(e)age spielt an Silvester vor Soldaten, die in Kunduz im Isaf-Einsatz sind. Möglich wurde das ungewöhnliche Open-Air-Konzert durch die "Oase", die seit 17 Jahren die Truppen betreut.  Von
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Hennef/Buchholz

Es wird ein besonderer Silvester-Gig - live, Open-Air, aber mit beheizter Bühne und 5000 Kilometer weg von zu Hause. Die Hennefer Coverband „Prim(e)age“ will im afghanischen Kunduz das Bundeswehrcamp rocken. Die sieben Musiker hoffen, dass der Begriff Feuerwerk für sie keine neue Bedeutung erfährt. Gespannt sind sie und ihr Techniker Dietmar Kohlars schon wie die Flitzebogen, aber Angst hat keiner von ihnen. Gemeinsam starteten sie am vergangenen Donnerstag vom militärischen Teil des Flughafens Köln/Bonn zum wohl größten Abenteuer ihres Lebens.

Mit einem Airbus der Bundeswehr flogen sie zunächst nach Termes in Usbeskistan, um anschließend in einer Transall in das Lager nach Kunduz gebracht zu werden – ausgerüstet mit Splitterschutzweste und Stahlhelm. Vom Flugfeld aus geht es in gepanzerten Fahrzeugen zum Camp. Denn dort spielen sie am 29. und 31. Dezember zwei Konzerte vor den Soldaten, die im ISAF-Einsatz sind. Dahinter steckt die Oase, die seit 17 Jahren Truppenbetreuungsarbeit macht. Die katholischen und evangelischen Arbeitsgemeinschaften für Soldatenbetreuung, KAS und EAS, haben sich dafür zusammengeschlossen.

„Eine gewisse Grundnervosität ist schon dabei“, erzählt Mike Gahre an einem Probenabend. Der Polizist aus Eitorf ist Frontmann und Gründungsmitglied der Cover-Band, die in einem Gewerbegebiet an der Kreisgrenze ihre Songs einstudiert. 2009 taten sie sich zu viert in der BB music school in Hennef zusammen, 2010 kam der Umzug in den eigenen Proberaum. Die beiden Frauen kamen dazu, Rozan Hakim, die eine eigene Musikschule betreibt, und Nicole Rink, Filialleiterin der Kreissparkasse Köln (KSK) in Sankt Augustin-Menden.

Sie spielt beim Zustandekommen des ungewöhnlichen Gigs eine besondere Rolle. Denn die Marketingleiterin der KAS, Katharina Miksa, ist die diesjährige Augustina, also Prinzessin in Sankt Augustin. Bei einem Besuch der KSK-Zweigstelle Hangelar, ihrem Revier sozusagen, kam sie mit dem Leiter Roger Klandt ins Gespräch. Sie fragte ihn einfach, ob er nicht eine Band kenne, die über Silvester in Afghanistan spielen könnte. Klandt fiel seine frühere Mitarbeiterin ein, die singt und in Hangelar mit der Band schon mal aufgetreten war, eben Nicole Rink.

Dann ging es Schlag auf Schlag. Rink bekam einen Anruf von ihrem früheren Chef und informierte die anderen Bandmitglieder. Am Tag darauf saß Agrarwissenschaftler Jürgen Schellberg, 61 Jahre alter Gitarrist der Truppe, bei Miksa im Büro. Er hatte einen Fragenkatalog mitgebracht, den er minutiös mit ihr abarbeitete. Am Tag darauf hatte sie die Zusage von „Prim(e)age“ für den Trip nach Kunduz.

In Windeseile hatten die Musiker ihre Familien befragt. Gahre musste seinen Urlaub um  zwei Tage verkürzen. Bassist Maik Richter verzichtet auf Umsatz. Als selbstständiger Transportunternehmer bekam er so schnell keinen Ersatz, aber: „Ich  wollte die anderen nicht hängen lassen.“ Auch Matthias Mehrtens am Schlagzeug und der zweite Gitarrist Rüdiger Poschlod hatten schnell Urlaub und Erlaubnis für den Trip. „Unsere Motivation war und ist, gute Stimmung zu verbreiten“, sagt Gahre, „wenn wir fliegen, haben wir für den Rest des Lebens etwas zu erzählen, wenn nicht auch.“ Denn immerhin gab es die, wenn auch geringe, Möglichkeit, dass die Tournee, unter Leitung von Regina Kohlhaus von der Oase, abgesagt wird - wenn es eine Gefahr für die Sicherheit der Zivilisten gibt. Ansonsten ist sich „Prim(e)age“ einig: „Du reist nirgendwo so sicher wie mit der Bundeswehr.“ Sie wissen von Kohlhaus, die schon zahlreiche Betreuungseinsätze hinter sich hat, dass die Soldaten ein dankbares Publikum sind. Sie wissen zu schätzen, dass  Künstler an einem Tag wie Silvester ihre Lieben allein lassen und zu ihnen kommen. Wie sie schlafen die Musiker in Containern in Zweier- bis Viererstuben, essen in der Feldküche, waschen sich in der Gemeinschaftsdusche. „Wir können als Band noch enger zusammen wachsen. Statt einer Tour auf dem Plattbodenschiff wird es Afghanistan“, freut sich Gahre. „Prim(e)age“, das heißt so viel wie bestes Alter, ohne das e bedeutet es Zugabe, früher für den Kapitän, wenn er das Schiff sicher in den Hafen gebracht hat. „Das passt zu uns“, glaubt Schellberg.

Neben den beiden Konzerten wird die Band Feldgottesdienste musikalisch begleiten, gerade erst haben sie sich auf geistliche Musik vorbereitet. „Es wird ein Gänsehautgefühl sein, dort bei Appellen auch die Nationalhymne anzustimmen“, sind sich Rink und Gahre, die beiden Sänger, sicher. Rund anderthalb Tonnen Equipment haben sie zusammengestellt, Instrumente und Anlage. Da nehmen sich die 20 Kilogramm Fluggepäck fürs kleine Schwarze und die Bühnenkluft bescheiden aus. Gage gibt es nicht, nur eine Aufwandsentschädigung. „Aber darum geht es auch nicht“, erklärt Schellberg. 40 Stücke haben sie vorbereitet, von Four Non Blondes über Robbie Williams und Mando Diao bis Bap. Ordentlich rockig wird’s zugehen, zwischendrin aber auch mal eine Ballade - „With or without you“ von U2 zum Beispiel. Am Silvesterabend werden die Frontleute runterzählen von zehn Sekunden vor Mitternacht bis 0 Uhr. Und dann wird angestoßen, ganz sicher auch mit den Soldaten. Zwei Dosen Bier, mehr ist nicht drin, beim wohl größten Abenteuer des Lebens.

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