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Bonner Landgericht: Neugeborenes mit Kopfkissen erstickt

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Eine Mutter soll in Hennef ihr Neugeborenes getötet haben. Foto: Ralf Rohrmoser-von Glasow
Weil eine 22-jährige Frau ihr Kind in der elterlichen Wohnung in Hennef mit einem Kissen erstickt haben soll, muss sie sich seit Dienstag wegen Totschlags vor dem Landgericht Bonn verantworten. Vor Gericht sprach sie offen über die Tat.  Von
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Hennef/Bonn

Die Frage, warum eine junge Frau ihre Schwangerschaft verheimlicht, das Kind schließlich in ihrem Zimmer in der elterlichen Wohnung alleine zur Welt bringt und es dann mit einem Kissen erstickt, beschäftigt seit Dienstag das Bonner Landgericht. Mit rotblond gefärbten langen Haaren, zu einem Dutt hochgebunden, nahm die zierliche junge Frau auf der Anklagebank Platz. Die Auszubildende zur Köchin muss sich vor den Richtern der Schwurgerichtskammer wegen Totschlags verantworten.

Die 22-Jährige gestand, ihr Kind am Morgen des 16. November 2012 in der elterlichen Wohnung über einer Gaststätte in Hennef geboren zu haben. In diesem Moment – die Eltern waren auf der Arbeit – sei sie „verwirrt“ gewesen: „Ich hab mich nur noch überfordert und alleine gefühlt und hatte Angst“, so die Angeklagte. Als das Neugeborene schrie, habe sie ein Kissen genommen und es ihm aufs Gesicht gedrückt, bis das Baby sich nicht mehr rührte. „Ich weiß nicht mehr, wie es passiert ist.“ Danach sei sie eingeschlafen. Als sie wieder erwachte, sei sie geschockt gewesen.

Worüber, wollte die Kammervorsitzende Anke Klatte wissen. Die 22-Jährige: „Über mich selbst und was ich gemacht habe.“ In ihr habe eine „innere Leere“ geherrscht. Wie ein Roboter will sie ihr Zimmer aufgeräumt haben. Als sie das Baby in ein Handtuch einwickelte und in einen Müllsack steckte, habe sie „nichts gedacht und nichts gefühlt“.

Der Familie nichts erzählt

Der Tat vorausgegangen waren Monate der Geheimhaltung und des Verdrängens. Die Angeklagte räumte ein, dass sie ab der 15. Schwangerschaftswoche über ihren Zustand Bescheid gewusst habe. Damals hatte sie sich beim Frauenarzt untersuchen lassen, da ihre Periode ausgeblieben war. Doch sie habe „keinen Plan gehabt“, was sie machen soll.

Ihr Ex-Freund, der in ihren Augen der Vater des Kindes war, habe ihr nicht geglaubt – weder, dass sie schwanger war, noch dass das Kind von ihm sei. In ihrer Familie habe sie nichts erzählt, da es schon „viele Probleme“ gegeben habe und sie „nicht noch mehr Probleme machen“ wollte. Der Vater hatte offenbar seit Jahren eine Freundin und die Mutter überlebte einen Selbstmordversuch im Frühjahr 2012 anscheinend nur, da die Tochter sie noch rechtzeitig fand und den Notarzt rief. Im Zeugenstand berichtete die Mutter der Angeklagten, dass ihr sehr wohl aufgefallen war, dass ihre Tochter immer mehr zunahm.

Die Antwort der Tochter, dass dies vom vielen Essen komme, habe sie „eigentlich nicht geglaubt“. Vielmehr sei sie davon ausgegangen, dass die 22-Jährige schwanger war. Nachgehakt oder auf die Tochter eingewirkt hat die 46-Jährige jedoch nicht: „Was soll man machen, wenn man nur abgeblockt wird?“ Sie habe es „wahrscheinlich selber nicht wahrhaben“ wollen und die Tochter nicht mehr darauf angesprochen. Die Kammervorsitzende fragte verständnislos: „Wie lange wollten Sie denn warten?“ Es mache den Eindruck, als ob alle den Kopf in den Sand gesteckt hätten. Die Richterin: „Irgendwie wird mir das Verhalten ihrer Tochter gerade verständlicher.“

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Von Freunden bedroht

Die 22-Jährige ist inzwischen gegen Auflagen aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Ihre Eltern haben sich offenbar mittlerweile getrennt und leben nicht mehr in Hennef.

Dorthin war die junge Frau nach der Tat nie wieder zurückgekehrt. Unter anderem soll ihr aus dem alten Freundeskreis gedroht worden sein, dass sie angegriffen und geschlagen werde, falls sie sich noch mal blicken lasse. Der Prozess wird fortgesetzt.

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