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Soziale Arbeit: Viel Leben in der Villa Mamaya

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Auf dem großzügigen Grundstück finden junge Mütter mit ihren Kindern Zuflucht, wenn das Leben aus den Fugen geraten ist. Foto: Ralf Rohrmoser von Glasow
Vor einem Jahr hat die Diplom-Psychologin Claudia Barion an der Beethovenstraße in Hennef dieses besondere Mutter-und-Kind-Haus eröffnet. Dort leben Frauen mit ihren Kindern, deren Leben aus den Fugen geraten ist.  Von
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Die Holztreppen der liebevoll restaurierten Villa an der Beethovenstraße sind mit Gittern gesichert, auf allen Etagen. Säuglinge juchzen, manchmal quengelt ein Baby. Kleinkinder rufen laut, wirbeln durch die Gemeinschaftsküche. Es ist viel Leben in dem alten Gemäuer von 1903, seit das Mutter-Kind-Haus „Villa Mamaya“ vor einem Jahr die Pforten geöffnet hat. Die Diplom-Psychologin Claudia Barion (52) hat den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung gegründet, nachdem sie lange Jahre Gutachten für Familiengerichte geschrieben hat. Dabei hat sie auch den Mangel an Plätzen für junge Mütter erlebt, deren Kindern in der Familie nicht mehr gesund aufwachsen können.

Die Frauen, die zu Barion und ihrem 20-köpfigen Team kommen, sind schwer belastet, traumatisiert, haben Drogen- und/oder Missbrauchserfahrungen gemacht. Derzeit leben zwei 16-Jährige in der „Villa Mamaya“. Schwere Schicksalsschläge haben sie einstecken müssen. Eines der Mädchen hatte zuhause seinen toten Vater gefunden – beide Eltern haben sich umgebracht. „Es ist eine intensive Arbeit, teils sehr belastend“, berichtet Barion. Manchmal zeigten die Frauen Verhalten, das nur schwer auszuhalten sei. „Viele werden von uns wie von Eltern betreut“, schildert sie. Selbst noch fast Kinder, ohne wirkliche Kindheit, tragen die jungen Frauen plötzlich Verantwortung für einen Säugling. Doch auf der anderen Seite hat Barion in den vergangenen 52 Wochen „unglaublich viel gelernt und zurückbekommen“.

Acht jungen Müttern bietet sie ein Heim, fünf in der alten Villa, auf dem Grundstück mit Garten sind zudem drei Appartements untergebracht. „Dort werden sie auf die Selbständigkeit vorbereitet“, erklärt Barion diese Trennung. Die Betreuung ist auf 24 Stunden angelegt, jede Frau hat zwei feste Bezugspersonen. Alle sind pädagogische Fachkräfte, nur ein Mann ist darunter. Dazu kommen Hausmeister, Verwaltung und eine Hauswirtschaftskraft. Die kocht an vier Tagen in der Woche, an den übrigen Tagen müssen sich die Bewohnerinnen selbst versorgen. Doch das bringt sie zusammen, lässt Gemeinschaft entstehen, mit gegenseitiger Unterstützung.

Auch den kleinen Bewohnern der Villy Mamaya sollen eines ganz besonders vermittelt werden: Geborgenheit.
Auch den kleinen Bewohnern der Villy Mamaya sollen eines ganz besonders vermittelt werden: Geborgenheit.
Foto: Ralf Rohrmoser von Glasow

Das Mutter-Kind-Haus wird von den Jugendämtern belegt, die Betreuung ist eine Maßnahme der Jugendhilfe. Zum Konzept gehört, Wohnungen zu finden und die Mütter eine Weile zu betreuen. Nicht alle schaffen es, gut für ihre Kinder zu sorgen. Die Mitarbeiterinnen der „Villa Mamaya“ müssen auch auf das Kindeswohl achten. „Es mussten schon welche gehen, weil sie etwa ihre Drogensucht nicht überwinden konnten“, so Barion. Die Kinder kommen dann in Pflegefamilien. Vor einem halben Jahr ist das passiert. Ein zweijähriges Kind wurde schnell vermittelt, der Dreijährige ist nach einem halben Jahr noch immer in der Betreuung an der Beethovenstraße. Doch die leibliche Mutter hat noch Bezug, im Groll ist sie nicht gegangen. Aber sie leidet unter der Situation.

Gleichwohl ist die Geschäftsführerin, die zuvor im Nachbarhaus eine psychologische Praxis geführt hat und das auch weiterhin tut, von der Kraft „ihrer Mädchen“ fasziniert: „Die bringen eine unglaubliche Energie auf, ihrem Kind Liebe und Zuneigung zu geben.“ Sie formuliert weitere Ziele ihrer anspruchsvollen Arbeit: Den Betreuten soll ein schuldenfreier Start ermöglicht werden, gern möchte Barion Zuschüsse für Möbel und ähnliches mit auf den Weg geben. Eine Ausbildung oder ein Schulabschluss wird ebenso angestrebt. Stets ist Barion auf der Suche nach Sponsoren, die zum Beispiel den Urlaub am Meer mitfinanzieren, den die „Villa Mamaya“ organisiert. „Die meisten haben so etwas noch nie erlebt.“

Auch andere Therapieformen will die Leiterin einbringen, Reit- oder Tanztherapien etwa. Denn viele Jugendliche können ihr Inneres nicht in Worte fassen, weil sie so stark belastet sind. Barion bietet eine Stabilisierungsgruppe an. Dort lernen die Frauen, alte Muster zu durchbrechen. „Wie sollen sie sonst liebevoll mit ihren Kindern umgehen? Oder mit sich selbst?“ Manchmal kommen Hochschwangere, so wie jüngst. Die Bezugsbetreuerin wird sie auch bei der Geburt begleiten, das allein schafft schon Geborgenheit.

Ein Jahr hat Claudia Barion jetzt hinter sich. „Ich war viel unterwegs, abends bis 23 Uhr, manchmal in der Nacht, oft am Wochenende. Gefühlt waren es immer 24 Stunden.“ Ihr Mann zieht mit, es ist ein Familienprojekt.

Am heutigen Freitag, 21. September, wird gefeiert. Und ein Klettergerüst im Garten wird eingeweiht, für das die Hennef-Stiftung der Kreissparkasse gespendet hat.

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