Ich wollte unbedingt in die USA. In der 11. Klasse war ich schon mal für ein Austauschjahr dort und konnte einen Einblick ins amerikanische Bildungssystem gewinnen. Damals hat mich besonders die Einstellung der Lehrer beeindruckt, welche eine ganz andere war als die in Deutschland. Die Einstellung hat mich fasziniert. Deshalb wollte ich unbedingt als Student nach Amerika, um mich auch hier auf meinen künftigen Lehrberuf vorzubereiten.
Kleine Kurse, interaktiver Unterricht
Seit dem Sommer studiere ich nun am Allegheny College in Meadville, einer kleinen Stadt in Pennsylvania, in der Nähe von Pittsburgh. Das Studium unterscheidet sich sehr von dem in Deutschland. Die Kurse sind viel kleiner, selbst in den Vorlesungen sitzen maximal 40 Studenten. Dadurch ist der Unterricht sehr interaktiv. Die Professoren haben mehr Zeit für ihre Studenten und sind extrem freundlich und hilfsbereit. Das College hilft den Neuankömmlingen sehr. Auch wir internationalen Studenten wurden unglaublich herzlich aufgenommen und umsorgt. Ich bin noch immer fasziniert davon, wie fürsorglich sich die Uni um seine Studenten kümmert.
Über den Dächern von Cádiz: Für zwei Semester studiert Maren Andersen aus Köln in der südspanischen Stadt.
Foto: PrivatAn einem Abend vor der Examenswoche ist der Präsident der Universität persönlich um 23 Uhr durch die Bibliothek gelaufen und hat den Studenten geraten, lieber schlafen zu gehen, statt die Nacht durch zu lernen. Dann hat er allen viel Glück für die Klausuren gewünscht.
Der Campus ist eine Mini-Stadt
Ich wohne auf dem Campus, der selbst eine Mini-Stadt ist. Dort spielt sich das gesamte Leben ab. Auf dem Campus gibt es ein Sport-Gebäude mit einer Schwimmhalle, da ziehe ich vor dem Mittagessen oft noch ein paar Bahnen. Danach geht’s in die Mensa zur Stärkung. Das Essen ist sehr gut.
Ich bin in einer sehr ereignisreichen Zeit hergekommen. Erst hat Hurrikan Sandy die Ostküste verwüstet und zog dann ins Inland, so dass sogar die Menschen in Meadville ihre Regenschirme zuhause lassen mussten, weil sie sonst mit ihnen weggefegt worden wären. Ja, und dann standen die Wahlen an. Was für eine verrückte und einmalige Zeit! Das politische Lager, in dem man sich befindet, bestimmt hier viel mehr die Lebenseinstellung. Es war sehr frustrierend, wenn man ein Gespräch über den Wahlkampf begann und augenblicklich attackiert wurde, weil man nicht derselben Meinung ist wie sein Gegenüber.
Und schließlich war da noch der schreckliche Amoklauf an der Grundschule… All diese Ereignisse haben mich persönlich zwar nicht direkt betroffen, aber sowohl die Sorge, Euphorie und Freude sowie die Fassungslosigkeit haben die gesamte Nation in ihren Bann gezogen.
Lebenslustige Amerikaner
Was ich toll finde, ist die Lebenslust der Amerikaner, die ich hier erlebe. Manchmal empfinde ich ihre Höflichkeit als etwas übertrieben. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele für Ironie, Sarkasmus und schwarzen Humor keine Ader haben. Aber das mag eine subjektive Erfahrung sein.
Weil ich eher ein Großstadt-Mensch bin, ist mir Meadville zu klein, um dauerhaft hier zu leben. Das (Nacht-)Leben in Köln fehlt mir sehr. Aber für ein Semester ist es wunderbar, auch um das typische amerikanische Leben in einer Kleinstadt kennenzulernen.
Unbedingt machen: Pittsburgh und vor allem Washington DC angucken. Es gibt viele nette Hostels (vorher buchen!) und in die meisten Museen kommt man als Student umsonst. Georgetown sollte man sich angucken - besonders abends im Winter, wenn die Lichter wunderschön leuchten.
Unbedingt lassen: Sich auf politische Debatten einlassen.
Aufgezeichnet von Kathy Stolzenbach



