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Hin und Weg: Budapest: Bloß nicht mit Bier anstoßen

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Max Jansen studiert in Budapest Politik, in Köln Sozialwissenschaften. Eine politische Meinung äußert der gemeine Ungar nicht so gern, die Professoren an Max Uni dafür umso lieber. Foto: Privat
Max Jansen studiert ein Semester lang in Budapest Politik. Die Clubs in der ungarischen Stadt lassen Köln ganz schon spießig aussehen, findet der 22-Jährige. Dafür sollte man nicht mit Getränken anstoßen - das ist ein Überbleibsel der 1848-Revolution.
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Hier in Ungarn sollte man nicht mit Bier anstoßen! Das kommt daher, dass die Österreicher damals, nach Ende der Revolution 1848, bei der Hinrichtung ungarischer Generäle auf ihren Sieg gegenüber den Ungarn anstießen, weswegen dieser Brauch verboten wurde. Einige Ungarn reagieren wohl heute noch empfindlich darauf, daher lass ich es lieber, wenn ich in einem der wunderschönen Pubs hier unterwegs bin. Die coolen Clubs und Bars in Budapest lassen Köln übrigens ziemlich einseitig und spießig aussehen.

Seit diesem Sommer studiere ich hier für ein Semester Politik. Zu Hause in Köln bin ich zwar im fünften Semester des Studiengangs Sozialwissenschaften eingeschrieben, da dieses Fach hier allerdings in dieser Art nicht angeboten wird habe ich mich auf den Bereich Politik festgelegt. Eines meiner Ziele während meines Auslandssemesters in Ungarn ist es nämlich, dieses mir bisher fremde Land, das erst seit kurzem EU-Mitglied ist, kennenzulernen. Ich versuche unter anderem herauszufinden, wie die Menschen hier über den Westen und ihre eigene politische Führung denken.

Professoren mit politischer Meinung

Vor allem in der Uni fällt auf, welche Position hier Politik-Professoren haben. Anders als in Köln lehren sie nicht schwerpunktmäßig politische Theorie, sondern bringen auch häufig ihre eigene Meinung ein. Mir gefällt das sehr, da es mich dazu anregt über die politische Korrektheit gewisser Aussagen nachzudenken, was automatisch zu einer unvoreingenommeneren Auseinandersetzung mit dem Thema an sich führt. Andererseits birgt dieser Lehrstil natürlich auch die Gefahr, dass Studenten dazu neigen können einfach die Meinung ihrer Professoren unreflektiert zu übernehmen. Ich bin aber sehr froh darüber, dass ich auf diese Weise eine Mischung aus Kölner Theorie und ungarischer Meinungsbildung mitbekomme.

Für mich hat es ohnehin den Anschein, als seien die Ungarn im Allgemeinen nicht besonders an Politik interessiert und daher auch nur selten dazu geneigt ihre Meinung öffentlich zu äußern. Politik scheint Experten  vorbehalten – anders als in Deutschland, wo die meisten eine klare politische Position beziehen.

Kein Ungarisch

Aber auch sonst unterscheidet sich das Uni-Leben in Köln und Budapest in vielerlei Hinsicht. So studieren wir hier beispielsweise in einem wunderschönen alten Gebäude – von solchen ist die Stadt übrigens übersät– das direkt an der Donau liegt. Andererseits kommt hier kein richtiges Campus-Feeling auf, weil es bei weitem nicht so viele Studenten wie in Köln gibt, obwohl die Corvinus University Ungarns größte und bedeutendste Uni ist. Aber es hat zweifellos auch einen gewissen Reiz, sich nicht immer in einem riesigen Meer nervös umherirrenden Studenten zu bewegen.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich gar nicht erst versucht habe Ungarisch zu lernen. Die Sprache soll unglaublich schwer sein – und ich bin leider sowieso kein großes Sprachtalent. Allerdings habe ich mir natürlich aus Gründen der Höflichkeit ein paar Alltags-Floskeln angeeignet. Die fehlenden Sprachkenntnisse sind im Alltag für gewöhnlich auch gar kein Problem, weil hier fast alle gut Englisch können. Schwierig kann es nur im Supermarkt werden: Ich bin nämlich Vegetarier und möchte daher natürlich wissen, in welchen Produkten Fleisch oder Fisch sein könnte. Dazu bitte ich dann einfach andere Kunden, ob sie mir die Zutatenliste übersetzen können. Oder ich frage alte Leute. Viele von denen können nämlich noch Deutsch und sprechen mich ab und an sogar von sich aus auf der Straße an, um ihre Sprachkenntnisse voller Stolz unter Beweisen zu stellen. Das find ich ganz schön süß.

Unbedingt machen: Ruinpubs besuchen; Gemüse- und Obsteinkauf in der großen Markthalle erledigen; Nachtwanderung durch die Stadt und entlang der Donau, die Gebäude erscheinen in ihrer nächtlichen Beleuchtung wie aus einer anderen Zeit/Welt.

Unbedingt lassen: Im öffentlichen Nahverkehr schwarzfahren. Es gibt so viele und so strenge Kontrollen und die Strafen sind auch entsprechend hoch, es lohnt sich also einfach nicht.

Aufgezeichnet von Angela Sommersberg

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