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Konzert ohne Schubert

Von MARIANNE KIERSPEL, 24.02.03, 07:14h

Der Washingtoner Projektchor „Masterworks“, der Gürzenich-Chor und das Gürzenich-Orchester spielten unter Michael Reif in der Kölner Philharmonie Werke von Bruckner.

Der Washingtoner Projektchor „Masterworks“, der Gürzenich-Chor und das Gürzenich-Orchester spielten unter Michael Reif in der Kölner Philharmonie Werke von Bruckner.

Mit einem Missklang begann die Bruckner-Matinee in der Philharmonie-Reihe der Kölner Chöre. Was umso bedauerlicher ist, als Michael Reif und der Gürzenich-Chor Gäste eingeladen hatten, den Projektchor „Masterworks“ aus Washington. Kurzfristig nämlich hatte Markus Stenz, der neue Chef des Gürzenich-Orchesters, Schuberts ebenfalls geplante und schon angekündigte „Unvollendete“ gestrichen. Die Meistersinfonie hatte gewiss viele Besucher angelockt. Als nun der Vorsitzende des Gürzenich-Chors im vollen Saal mit Bedauern die Programmkürzung ansagte, reagierten viele im Parkett mit Buhs und Pfiffen.

Übervolles Programm

Es blieb also bei Anton Bruckner. Allerdings boten schon seine gut einstündige f-Moll-Orchestermesse und sein Te Deum ein übervolles Programm. Diese gewaltigen Sakralwerke sind derzeit nur selten in Konzerten zu hören; sie dürften die - leider immer arg kurz bemessene - Probenzeit diesmal vollauf gebraucht haben. Reif hielt Chor und Gürzenich-Orchester zu engagiertem, sogar sehr nachdrücklichem Musizieren an. Doch waren noch ein paar Wackelkontakte und unpünktliche Einsätze hinzunehmen.

Auch blieb die Klangbalance in beiden Großbesetzungen ein Problem, zumal die Orgel viele Tutti-Stellen noch verstärkte. So entstand eine massive Schallmauer vor den Solisten aus dem Orchester (Violine) und den Solosängern (Eva-Maria Schappé, Alison Browner, Berthold Schmid, Thomas Laske). Mehr Raum ließen beide Werke für den gut geführten Tenor, er war zu hören als eine standhafte Stimme des Gebets. Reif ließ die oft kantigen Laut-Leise-Blöcke und Bruckners manchmal stramme Lobgesänge energisch präsentieren; so unverbrämt wirkten diese Passagen wie zeitverhaftete Kundgebungen.

Zu den unmittelbar ansprechenden Partien gehörten das fein ausgehörte Kyrie-Vorspiel, die vitalen Fugen, das imposante Bild vom Jüngsten Gericht. Und die Friedensbitte „Dona nobis pacem“, die der deutsch-amerikanische Chor schön versammelt und konzentriert in Köln gesungen hat.



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