Von OLIVER JENDRO, 10.04.03, 07:46h, aktualisiert 18.05.04, 13:27h
„Sicher ist sicher“, sagen sich viele Anwender und installieren eine Anti-Viren-Software auf ihren Computer. Aus gutem Grund: Tagtäglich hört und liest man, wie gefährlich Computer-Viren sind, also bösartige Programme, die Daten auf PCs ändern oder löschen sollen. Bisher haben allerdings nur wenige Viren auf heimischen Rechnern größere Schäden angerichtet. Die Hersteller von Virenscannern werden trotzdem nicht müde, die Gefahren durch Viren hervorzuheben. Laut ihnen schützt nur die passende Software zuverlässig vor bösartigen Programmen.
Was die Hersteller gerne verschweigen: Nicht nur die Viren sind eine Gefahr - auch der Einsatz der Virenscanner birgt große Risiken. So berichtet der Servicemitarbeiter einer großen PC-Zeitschrift, dass die meisten Rechner laut Leserbriefen nicht durch Computerviren, sondern durch Virenscanner lahm gelegt werden. Die PC-Zeitschrift wird monatlich mit einer Heft-CD verkauft, die diverse Programme enthält. Obwohl alle Inhalte der Heft-CD von der Redaktion mehrfach auf Viren überprüft werden, hagelt es immer wieder Leser-Beschwerden über angebliche Viren auf der CD. Die bei den Lesern installierten Virenscanner finden Monat für Monat verdächtige Programme. Bis jetzt hat sich aber, so der Mitarbeiter, jeder vermeintliche Virenbefall der Heft-CD als falscher Alarm herausgestellt.
Der Grund für die Scanner-Fehlfunktionen: Sie vergleichen den Programmcode jeder Software mit einer internen Datenbank. Dort sind die typischen Muster von Viren gespeichert. Gibt es Übereinstimmungen zwischen der überprüften Software und der Datenbank, schlägt die Anti-Viren-Software Alarm. Das passiert recht häufig, da Viren und harmlose Programme oft gleiche Programmteile verwenden. Ob der Alarm wirklich berechtigt ist, muss der Anwender im Zweifelsfall selbst entscheiden. Viele gehen auf Nummer sicher und löschen den vermeintlich gefährlichen Programmteil. Je nach Konfiguration löscht der Scanner sogar vollautomatisch verdächtige Programme.
Das Resultat: Das auf Viren überprüfte Programm läuft instabil oder startet im schlimmsten Fall auf Grund des gelöschten Programm-codes nicht mehr. Gerade bei unsicheren Computeranwendern verursacht die Anti-Viren-Software den größten Schaden. So erzählt der Servicemitarbeiter der Münchner Redaktion, das manche Leser nach einem Fehlalarm aus Angst vor Viren ihre komplette Festplatte löschten und dadurch alle Daten verloren. Gerade die Angst vor Viren und der Glaube an die Unfehlbarkeit der Virenscanner ende oft mit Datenverlust, fasst der IT-Experte zusammen.
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