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Ein Mittel, die Wunden zu heilen

Von AMINE HAASE, 02.07.03, 07:18h

Das "neue forum köln" könnte der Satdt ein urbanes Gesicht verleihen. Eine private Initiative macht wegweisende Vorschläge für die Leerstelle am Haubrich-Hof.

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Derzeit fahren nicht einmal mehr Baulastwagen durch das Loch, welches der Abriss von Kunsthalle und Kunstverein am Haubrich-Hof hinterließ.
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Derzeit fahren nicht einmal mehr Baulastwagen durch das Loch, welches der Abriss von Kunsthalle und Kunstverein am Haubrich-Hof hinterließ.
Eine private Initiative macht wegweisende Vorschläge für die Leerstelle am Haubrich-Hof.

„Wenn die Stadt Köln ein Leuchtturmprojekt für die Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europa 2010 sucht: In der Herausforderung des Lochs am Haubrich-Forum kann sie es finden.“ Ein Satz aus dem Arbeitspapier zur Projektentwicklung für ein „neues forum köln“ - ausgearbeitet von einer privaten Initiative. Und die ist wegweisend für ein Modell, das die Stadt (wenigstens partiell) aus der derzeitigen Kultur-Misere herausführen kann.

Am Anfang stand eine Initiative, die sich noch für den Erhalt der Kunsthalle eingesetzt hatte. Daraus ging der Verein „Das Loch e.V.“ hervor, dessen Vorsitzende die Künstler Rosemarie Trockel und Marcel Odenbach sind; zum Vorstand, das heißt zu den Mitgliedern, gehören unter anderem der Schauspieler Udo Kier und der Direktor des Kölner Museums Ludwig, Kasper König. Der Verein wurde gegründet, nachdem in der Folge des finanziellen Offenbarungseids der Stadt ein Baustopp für den am Haubrich-Hof geplanten Kulturkomplex (mit Rautenstrauch-Joest-Museum, Kunsthalle, Kunstverein und Erweiterung des Schnütgenmuseums) verhängt worden war. Da Kunsthalle und Kunstverein bereits der Abrissbirne zum Opfer gefallen waren, klafft dort - ein Loch.

„Das Loch e.V.“ tritt an, „um an der kulturellen und politischen Dimension des in Köln allgegenwärtigen Lochs offensiv und produktiv mitzuarbeiten“, kündigt der Verein programmatisch an. Und so gibt es auch ein Planungs-Komitee, das ein „neues forum köln“ entwickelt. Federführend dafür ist der Kölner Architekt Bernd Kniess. Sein Vorschlag ist alles andere als eine Reparatur-Maßnahme an einem misslungenen städtischen Projekt. Es ist ein weitsichtiger Entwurf, der nicht allein einen Neubau für das Rautenstrauch-Joest-Museum plus Kunsthalle vorsieht (der Kunstverein ist inzwischen in die „Brücke“ gezogen), sondern den ganzen Komplex am Haubrich-Hof in eine urbanistische Neuplanung einbezieht.

Dieses „Stadtentwicklungsmodell“ würde viele Wunden heilen, die im Herzen der Kölner City klaffen, die vielleicht die meisten Kölner kaum noch stören, aber jeden Fremden sofort stutzen lassen: Das soll ein Aushängeschild der rheinischen Metropole sein? Fast unüberwindlich erscheint die Straßenbahn-Schneise mit der rechts und links davon mehrspurig geführten Cäcilienstraße. Der Plan sieht vor, dass „unterbrochene Achsen wieder verbunden, Wegenetze zwischen kulturellen Orten (Oper, Schauspiel, Kunsthalle) entstehen“ werden. Das Ziel ist die „Entwicklung struktureller Standortqualitäten in der Tradition europäischer Stadtbauentwicklung“. Folgerichtig hat auch die Planung einer Kunsthalle an der Stelle weiter reichende Perspektive: Eine „europäische Kunsthalle“ soll entstehen - im Verbund mit „weiteren Orten kultureller Produktion“.

Bei der Entwicklung der Pläne sollen in jedem Fall auch Künstler „in einen urbanen Diskurs über die Zukunft des Öffentlichen“ einbezogen werden. Denkbar erscheint auch, dass ein „neues forum köln“ die Kunst- und Museums-Bibliothek, zusammen mit der Stadtbibliothek mit einbezieht. Auch die Artothek und das Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels könnten dort einen Standort finden - und für die nötigen Synergie-Effekte sorgen. So könnten bei einer weit blickenden Lösung mehrere städtische Einrichtungen sinnvoll platziert werden, die in der derzeitigen Spar-Panik von sinnloser Zerschlagung oder Auflösung bedroht sind.

Auch über die Finanzierung eines solchen Projekts haben die Planer nachgedacht. Die Formel lautet: „Partnerschaftliche Beteiligung der öffentlichen Hand an einer gewinnoptimierten privatwirtschaftlichen Projektentwicklung und Betreibergesellschaften.“ Was so kompliziert klingt, heißt einfach, dass man die Bauvorhaben weder allein der Stadt anvertrauen möchte noch einem privaten Investor, dass man sich auch nicht unbedingt auf die - nicht immer glücklich gehandhabte - Public-Private-Partnership einlassen möchte, sondern dass „Stadtplaner, Kulturschaffende, Künstler und Bürger. . . selbst die Kooperation mit Investoren suchen und die Regie bei der Entwicklung eines neuen Stadtbausteins übernehmen“.

Ein demokratisches Konzept, das der Stadt Köln - wenigstens an der zentralen fragilen Stelle - ein Erscheinungsbild verleihen könnte, das ihrem Ruf als Kulturstadt angemessen erscheint. Dass ein solch ambitionierter Plan nicht von heute auf morgen zu verwirklichen ist, wissen Bernd Kniess und „Das Loch e.V.“: Die Umsetzung solcher Modelle „braucht Zeit, die wir von der Politik einzufordern haben. Der kommunale Wahltermin 2004 kann nicht der Motor einer nachhaltigen Entwicklung sein.“



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