Von JOACHIM SPROTHEN, 05.11.04, 07:15h, aktualisiert 05.11.04, 10:45h
Zülpich-Ülpenich - Die Ülpenicher Katholiken trauern um ihren langjährigen Pfarrer Anton Ley. Der Seelsorger verstarb am Dienstag im Alter von 90 Jahren.
Wenige Tage vor seinem Wiegenfest am 29. März sprach der „Kölner Stadt-Anzeiger“ noch mit dem treuen Diener Gottes und der Kirche. Ley, der „Toni“ genannt wurde, war fast erblindet und von schwerer Krankheit gezeichnet. Aber er war immer noch eine resolute Persönlichkeit und hatte einen hellwachen Verstand.
1939 geweiht
Der gebürtige Rheinbacher empfing am 3. Oktober 1939 vom Kölner Kardinal Karl Joseph Schulte die Priesterweihe. Nach 20 Wanderjahren, in denen er dem Wunsch der Kirche nachkam und dort half, wo er gebraucht wurde, bekam Ley 1960 in Ülpenich seine erste Pfarrstelle.
Fast 40 Jahre lang betreute er die „Schäfchen“ der Pfarre St. Kunibert. 1999 wurde Ley durch eine schwere Erkrankung gezwungen, in den Ruhestand zu treten. Seither lebte er in einem Seniorenheim in Meckenheim.
Ley war ein außergewöhnlicher Mann. Von seinem Gehalt, das er als Pfarrer und Religionslehrer bezog, verbrauchte er fast nichts für sich selbst. Bis ins hohe Alter bewirtschaftete der äußerst bescheiden lebende Geistliche den Ülpenicher Pfarrgarten. Das meiste Obst und Gemüse, das er erntete, verkaufte Toni Ley. Alles in allem kamen sage und schreibe 9,3 Millionen Mark zusammen, mit denen Ley die Ausbildung von rund 1500 Priestern in Missionsländern finanzierte. Der Priester wurde vom Missionswerk Aachen als „größter privater Einzelspender der Bundesrepublik“ bezeichnet. „Die Missionsaufgabe der Kirche ist der Inhalt meines Lebens“, sagte Ley.
Seine Resolutheit brachte den Pfarrer im Dezember 1985 sogar bundesweit in die Schlagzeilen. Ein Berufsverbrecher war am Tag vor Heiligabend in das Ülpenicher Pfarrhaus eingestiegen. Der Kriminelle hatte allerdings seine Rechnung ohne den damals immerhin schon 71-jährigen Ley gemacht. Nach der Begegnung mit dem Pastor musste der Einbrecher mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden. Ley hatte den Spitzbuben fürchterlich verprügelt und ihm auch noch eine Ladung Schrot aus seiner Flinte verpasst.
In den letzten Lebensjahren war es allerdings ruhig um den Pastor geworden, der als „Don Camillo der Zülpicher Börde“ in die Historie einging. In dem Meckenheimer Seniorenheim machte ihm vor allem die Einsamkeit zu schaffen. Am heutigen Freitag tritt der Verstorbene seinen letzten Weg an. Nach einem Requiem, das um 14 Uhr in der Pfarrkirche St. Kunibert beginnt, wird Toni Ley auf dem Ülpenicher Friedhof zu Grabe getragen.
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