Von SEBASTIAN ZÜGER, 15.12.04, 07:28h
Dass es eines solchen Infoheftes bedarf, liegt eigentlich nahe: „Rund zwölf Prozent der Studierenden in Deutschland sind behindert oder chronisch krank“, sagt Sandra. „Und es werden eher mehr.“ An Hochschulstandorten wie Berlin, Hamburg oder Bonn gibt es so eine Broschüre längst, nur „in Köln hat sich bislang“, sagt Sandra, „anscheinend keiner dafür interessiert“. Sie ist es nicht anders gewohnt, sich meistens selbst helfen zu müssen. Weil sie in der Fachhochschule selbst keine fachlich versierte Unterstützung fand, hat sie sich dem Zentrum für Selbstbestimmtes Leben (ZSL) angeschlossen. In diesem Verein organisieren behinderte Menschen selbst all jene Hilfen, die im Alltag nötig sind. „Das hat ganz gut funktioniert.“
Eines Tages wurde sie auf einem der vielen Flure der FH von Rafaela angesprochen. Die hatte einen regelrechten Ämtermarathon hinter sich und festgestellt: „Für alles gibt es spezielle Infostellen, nur für mich nicht. Geht's dir auch so?“ Bis zur Idee eines spezifisch auf die Bedürfnisse behinderter und chronisch kranker Menschen zugeschnittenen Referats im Asta war es von da nicht mehr weit. Schwierig erweist dagegen sich Tag für Tag der Aufbau funktionierender Strukturen: „Es war ja vorher nichts da“, sagt Rafaela. Nicht einmal über die Größe ihres Zielpublikums in Köln wissen die beiden genau Bescheid: „Wir machen zurzeit eine Sozialerhebung“, sagt Sandra, die genau wie Rafaela Sozialpädagogik studiert und von daher weiß, wie so etwas geht. „Doch auch das ist auf Grund der Datenschutzbestimmungen schwierig. Wir müssten eigentlich alle 16 000 FH-Studenten anschreiben. Aber das kostet halt.“
Aus den Reihen der Studierendenschaft kommt bislang so gut wie keine Unterstützung. „Viele mit einer chronischen Krankheit wollen sich nicht outen“, vermutet Sandra. Wie Rafaela befürchtet sie, dass mit dem Ende ihres Studiums in voraussichtlich zwei Semestern das Referat im Asta verwaist. Schon in nächster Zeit werden beide weniger Arbeit abseits ihres eigentlichen Studiums investieren können. „An der Broschüre haben wir drei Monate intensiv gearbeitet“, sagt Rafaela. „So was ist künftig nicht mehr drin.“
Aber immerhin wollen die beiden in nächster Zeit kräftig werben für ihr Werk. Rafaela betreute jüngst einen Stand auf der Reha-Care, einer Messe über Produkte für behinderte Menschen. „Das Feedback dort war sehr positiv.“ Auch die Verantwortlichen der FH unterstützen die Broschüre: „Schließlich sind wir so etwas wie ein Aushängeschild“, sagt Rafaela. „Man kann studieren und selbstständig leben in Köln - auch mit Behinderung.“ Diese Kunde wollen beide über die Grenzen der FH hinaus verbreiten: Auf Anfrage besuchen die beiden Schulklassen und erzählen davon, dass man die Hürden des Kölner Alltags auch mit Behinderung oder Krankheit meistern kann.
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