Von BETTINA JOCHHEIM, 29.01.05, 07:13h, aktualisiert 30.01.05, 12:09h
Brühl - Die Wasserpumpe wäre Franziska Klotz fast zum Verhängnis geworden. 20 Kilometer vor Brühl streikte ihr gemieteter Lkw, mit dem sie auf dem Weg von Berlin-Weißensee nach Brühl war. Im „Gepäck“ hatte sie ihre eigenen fünf großformatigen Gemälde, mit denen sie die Jury des Max-Ernst-Stipendiums überzeugen wollte, sowie die 40 Arbeiten ihrer acht Berliner Kommilitonen.
Ein verzweifelter Anruf im Brühler Rathaus erreichte die Juroren, denn der Abgabetermin war auf zwölf Uhr terminiert und rückte beängstigend nahe. Doch die Kunstexperten zeigten sich großzügig und ermöglichten es der 25-Jährigen, die Arbeiten kurz vor 20 Uhr abzuliefern - nachdem der Lastwagen repariert war.
Für beide Seiten hat sich das Engagement gelohnt: Franziska Klotz ist Preisträgerin des Max-Ernst-Stipendiums 2005, das mit 3500 Euro dotiert ist. Damit hat sie sich gegen 70 Mitbewerber, die insgesamt 350 Arbeiten eingereicht hatten, durchsetzen können. „Klotz wählte als Motive ihrer Bilder Szenen aus dem Alltagsleben so, dass sie die Aufmerksamkeit der Betrachter fesseln. Dabei vereint sie einen überzeugenden malerischen Ansatz mit zeichnerischer Sensibilität“, urteilte die Jury. Vital und spannungsreich liefert ihr jüngstes Werk, eine Arbeit mit Pudel, ein Beispiel für ihren gekonnten Umgang mit Kohle und Öl.
Den zweiten Platz belegt der in Frechen lebende Bildhauer Christoph Knapp, der eine Rauminstallation aus gesägtem Lindenholz schuf. Die drittplatzierte 28-jährige Künstlerin Natalie Czech absolvierte die Klasse von Professor Thomas Ruff an der Kunstakademie Düsseldorf und bewarb sich in Brühl mit digital bearbeiteten Fotografien unter dem Titel „Blattschnitte“.
Sowohl die Arbeiten der Preisträger als auch die aller übrigen Bewerber sind an diesem Samstag und morgigen Sonntag, jeweils 11 bis 17 Uhr, im Brühler Rathaus zu sehen. In den vergangenen Jahren machten etwa 600 bis 800 Kunstinteressierte von dem Angebot Gebrauch, einen Blick auf alle eingereichten Arbeiten zu werfen. Dazu zählen Malerei, Grafik, Bildhauerei, Installationen, Videokunst und Fotografie. „Der Schwerpunkt ist in diesem Jahr ganz klar die Malerei, und zwar die gegenständliche“, sagt Nicole Ritter, Mitarbeiterin des Brühler Kulturamtes. Dazu zählt unter anderem die Arbeit von Markova Raduslava, einer Bulgarin, die in Münster studiert. Eindrucksvoll gelingt es ihr in zwei Frauenporträts, den melancholischen Blick einer tieftraurigen jungen Frau wiederzugeben. Aus Münster stammt auch der Südkoreaner Ung-Pil Byen, der fünf exzentrische Selbstanalysen unter dem Titel „Selbstporträt als ein Mensch“ einreichte.
Da der Preis ein Förderpreis ist und damit eine Altersbegrenzung besteht, wird es - im Rahmen des Max-Ernst-Stipendiums - in diesem Jahr wohl ein letztes Wiedersehen mit der Brühler Künstlerin Sandra Zart geben. Unter dem Titel „Schlüssel zum Glück“ zeigt sie eine fünfteilige Rauminstallation.
Offiziell werden die Preise am Samstag, 2. April, 16 Uhr, in der Galerie am Schloss, überreicht. Zeitgleich werden dort die Arbeiten der Preisträger vorgestellt.
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