Von F.A. HEINEN, 09.02.05, 07:15h, aktualisiert 09.02.05, 10:46h
Kall-Urft - Man kann sich leichtere Einbruchsziele vorstellen als den ehemaligen Atom-Bunker der Landesregierung NRW nahe Urft. Zumindest früher mal galt die damals geheime unterirdische Anlage als „atombombensicher“. Das hinderte einen 21 Jahre alten Kölner in der Nacht zum Montag jedoch nicht daran, sich der Herausforderung zu stellen.
Der Jeck aus der Domstadt kannte sich aus in der Eifel. Schließlich war er in der Nähe des versteckt gelegenen Bunkers aufgewachsen. In der Nacht zum Rosenmontag war er mit schwerem Brechwerkzeug in die Eifel gereist, um die Stahltüren des Ex-Regierungsbunkers zu knacken. Stundenlang polterte er mit seinen Werkzeugen, wobei er die Arbeitsstelle professionell mit einer am Kopf befestigten Lampe erhellte.
Reiche Beute
Schließlich waren die Bemühungen des Panzerknackers von Erfolg gekrönt, der Bunker war offen. Beute war reichlich vorhanden. Der Einbrecher fand etliche Kartons mit Computer-Hardware. Die konnte er nun unmöglich alleine abschleppen, sie hätten auch nicht in sein Auto gepasst. Also griff der 21-Jährige zum Handy und forderte logistische Unterstützung an.
Wenig später starteten drei Kumpane aus Köln Richtung Eifel. Das waren allesamt bislang nicht polizeibekannte Jungs „aus gutem Hause“, die offenbar der Verlockung, PCs kostenlos erwerben zu können, nicht widerstehen konnten. Derweil stellte der Einbrecher die Kartons schon für den Transport bereit. Als das Kölsche Trio mit zwei Autos an einem nahe gelegenen Parkplatz angekommen war, gingen die drei zunächst einmal auf Erkundungstour.
Nun ist bekanntlich die Polizei nachts auf Streife, und zumal am Rosenmontag passen die Schutzmänner besonders gut auf. Gegen 4 Uhr streiften zwei Beamte der Wache Schleiden durch Urft und sahen auf dem Parkplatz zwei Autos mit Kölner Kennzeichen. Obwohl es im Freien knackig kalt war, war das Auto noch warm. Unter einem der Fahrzeuge lagen schwere Einbruchswerkzeuge.
Autos abgeschleppt
Die beiden Beamten schalteten fix. Sie tippten sofort auf den Bunker als Einbruchsziel. Als sie nachsahen, fanden sie den geknackten Eingang und die bereitgestellten Computer. Weiter kombinierten die Schutzmänner messerscharf, dass es einen Zusammenhang gab zwischen den Kölschen Autos und dem offenen Bunker. Die beiden Autos wurden noch in der Nacht abgeschleppt. Der Rest hätte Routine sein können. Über die Fahrzeugkennzeichen führte der Weg zu den Einbrechern.
Aber Karneval ist alles anders. Gegen Mittag am Rosenmontag erschienen vier Kölner im Alter zwischen 19 und 21 Jahren auf der Wache Schleiden. Zwei der Männer wollten ihre Autos als gestohlen melden. Sie erzählten eine Schauergeschichte, wonach sie in der Nacht mit Mountain-Bikes von Urft aus nach Köln gefahren seien.
Das konnten die Beamten auf der Wache allerdings nicht so recht glauben. Postwendend wurde das Quartett unter dem Verdacht festgenommen, am Bunkereinbruch beteiligt gewesen zu sein. Was die vier denn auch nach anfänglichem Leugnen einräumten. Nach Abschluss der Vernehmungen wurden sie am Montagabend wieder auf freien Fuß gesetzt.
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