Von PETRA RÖMER-WESTARP, 09.02.05, 07:12h, aktualisiert 09.02.05, 10:24h
Eitorf - Alvaro Cavallo malt gegen sein Heimweh an. Draußen ist es regnerisch und grau, doch im Inneren der Galerie 7 an der Brückenstraße leuchten die Bilder des 32-Jährigen in tropischen Farben. Da strahlen Gelb-, Orange- und Rottöne, da gibt es sattes Grün, das an die Vegetation des Dschungels denken lässt und immer wieder Blau in allen Variationen für das Meer und den Himmel. Vor fast anderthalb Jahren übersiedelte der junge Künstler aus der Dominikanischen Republik nach Eitorf. Er lebt hier bei seiner Mutter, die mit einem Deutschen verheiratet ist. In Santo Domingo studierte er Betriebswirtschaft, doch die Firma, bei der er anschließend arbeitete, machte Konkurs. „In der Dominikanischen Republik gibt es für junge Leute wenig Perspektiven, die wirtschaftliche Situation ist nicht gut“, berichtet Cavallo.
Schon immer hat er gemalt, doch seit er nach Deutschland kam, ist dies seine Hauptbeschäftigung. Die Bilder in seinem Kopf kreisen um die Lebenswelt seiner Heimat und suchen in der Kunst ihren Ausdruck, vor allem das warme Licht der Karibik möchte er mit Öl und Acryl auf die Leinwand bannen. Künstlerisch sind Cavallos Arbeiten bei der naiven Kunst anzusiedeln. In den jüngsten Gemälden setzt er sich mit einem speziellen Thema auseinander. Und zwar abstrahiert er Mensch und Tier in seinen Szenen, die oft ein Stück bäuerlichen Lebens zeigen, zu Skeletten. Seine filigranen Knochenfiguren haben aber nichts Gruseliges, sondern sie wirken beweglich und lebendig. „Vielleicht ist es ja nur ein Traum, dass wir leben, vielleicht sind wir in Wirklichkeit schon tot“, erklärt Cavallo seinen Gedankengang, der ihn zu dem Skelettmotiv geführt hatte.
Bei der Ausstellungseröffnung traf sich ein internationales Publikum, das vor allem spanisch miteinander sprach. „Wir kennen uns hier alle, die Leute, die aus Spanien kommen und hier leben, ebenso wie die Leute aus Lateinamerika oder Südamerika, die in Eitorf und Umgebung wohnen, das ist wie eine große Familie“, erzählt die Spanierin Berta Vilar-Diaz, die seit 16 Jahren in Eitorf lebt. Sie bewundert Cavallos Arbeiten und möchte ihm Kontakt zur hiesigen Kunstszene verschaffen. Es sei nämlich für jemanden wie Alvaro, dessen Deutschkenntnisse noch nicht so gut seien, schwer, Bekanntschaften zu schließen, weil er sich überwiegend im Dunstkreis der spanisch sprechenden Gemeinschaft aufhalte.
Vilar-Diaz, die die Ausstellung in der Galerie 7 vermittelte, wünscht sich auch, dass Cavallo mehr Gelegenheit findet, seine Werke zu verkaufen. „Über Geld denke ich gar nicht nach, das interessiert mich nicht“, sagt der zurückhaltende junge Mann, dessen Blick oft melancholisch in die Ferne schweift, als seine engagierte Förderin außer Reichweite ist. „Ich möchte nur malen, malen, malen. Und wenn jemand sagt, meine Bilder gefallen ihm, dann bin ich glücklich.“
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