Von CARL DIETMAR, 08.03.05, 10:50h
Auf einfachem Tortenpapier notierte Bäckermeister Josef Kreuzberg seit 1943 alle Fliegeralarme in Köln, zum Schluss ist zu lesen: „28. 2. - Einsturz der Hindenburgbrücke. 2. 3. - starker Angriff auf Köln Süd + West +Mitte. 6. 3. - Einrücken amerikanischer Panzer.“ Werner Herbst hielt die genauen Zeiten der Bombenangriffe in einem normalen Taschenkalender fest. Wolfgang Bader schrieb in einer Kladde die „Chronik seiner Kriegsgefangenschaft“ - vom 18. November 1944 bis zum 9. November 1946 war er PoW („prisoner of war“) in Belgien.
Drei Beispiele von zahlreichen Exponaten, die seit heute im EL-DE-Haus am Appellhofplatz zu sehen sind. Das NS-Dokumentationszentrum hatte - auch in dieser Zeitung - die Kölner aufgerufen, Erinnerungsstücke aus der Kriegszeit zur Verfügung zu stellen. Mehr als 300 Menschen folgten diesem Aufruf - und fungieren so als Leihgeber.
Es sind in erster Linie Fotos, die die Kriegserfahrungen der Kölner zeigen und die sachkundig kommentiert präsentiert werden - die Ausstellung beschränkt sich indessen nicht auf die Erlebnisse in Köln, sie fragt ebenso nach den Erfahrungen, die an der Front, in der Evakuierung oder durch Deportation gemacht wurden. Beispielhaft dafür sind Exponate, die an Christoph Worm, Jahrgang 1921, erinnern - Fotos in Uniform, sein Wehrpass, dann aber auch seine Sterbeurkunde, denn Worm starb am 16. August 1942 in Russland den „Heldentod“, er wurde nachträglich mit der „Ostmedaille“ dekoriert.
Die Ausstellung ist in verschiedene Kapitel gegliedert, etwa „Kriegsstimmung“, „Kriegsalltag“, „Kriegsmigration“ und natürlich „Kriegsende“. Beeindruckend sind auch vier separat bestückte Räume, in denen sehr unterschiedliche Familiengeschichten erzählt werden, wie die der jüdischen Arzt-Familie Schönenberg oder die der Unternehmer-Familie Brügelmann.
Im EL-DE-Haus hofft man, dass sich weitere Kölner nach einem Besuch der Ausstellung dazu veranlasst sehen, Material aus Familienbesitz, das an NS- und Kriegszeit erinnert, dem Dokumentationszentrum zur Verfügung zu stellen.
Die Ausstellung „Zwischen den Fronten - Kölner Kriegserfahrungen 1939-1945“ ist bis zum 20. November 2005 im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, Appellhofplatz 23-25, zu besichtigen.
Öffnungszeiten: Di.-Fr. 10-16 Uhr, Sa. und So. 11-16 Uhr, Eintritt: 3,60 Euro, ermäßigt: 1,50 Euro.
Anfragen zu Führungen unter Rufnummer 02 21 / 22 12-63 32 oder Fax 02 21 / 22 12-55 12.
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